TiRos Blog
Samstag, 2. Januar 2016
10 Punkte, die ich an Episode VII mochte – oder auch nicht
Am 02. Januar 2016 im Topic 'GlotzGedanken'


Was ich mag:



Reys Miyazaki-Moment: Rey erste Momente erinnern ob bewusst oder unbewusst stark an die Animationsfilme von Hayao Miyazaki, der für seine starken weiblichen Protagonisten bekannt ist. Konkret sehe ich Parallelen zur Anfangsszene von Nausicäa aus dem Tal der Winde.



Visual Storytelling: Bleiben wir bei diesem Thema, denn während George Lucas in den Prequels gerne versuchte alles (inklusive der Macht) zu erklären, setzt Abrams auf die Devise "Show, don't tell" (zeigen, nicht erzählen), um uns beispielsweise zu vermitteln, wie lange sich Rey bereits alleine durchschlägt.

Rey, Finn, Po, BB8, Maz Kanata, Hux: Ich mag die meisten der neuen Figuren. Kurz und schmerzlos. ;)

Ich will mehr über die Figuren/das Universum erfahren: Was die Prequels zu viel haben, hat Episode VII zu wenig: Erklärungen. Aber mir ist durchaus bewusst, dass man nicht gleich im ersten Teil der neuen Trilogie bereits alle Antworten geben möchte, weshalb ich sehr darauf gespannt bin, was uns in den beiden kommenden Teilen erwartet.

Vielfältigkeit: Die drei neuen Hauptfiguren sind eine Frau, ein Schwarzer und ein Latino. Und auch in so ziemlich allen anderen Szenen sind immer Frauen, Asiaten oder Angehörige anderer Minderheiten zu sehen. Die bisherigen Star-Wars-Teile waren abgesehen von Lando Calrissian, Senator Bail Organa oder Jango und Boba Fett oft doch sehr weiß und bis auf Leia und Padme Amidala auch sehr männlich. Kleiner Wermutstropfen bleibt für mich aber, dass fast alle Hauptfiguren wieder Menschen sind. Wieso nichtmal ein Ithorianer, eine Twi'Lek, ein Lasat, etc?

Alte Garde: OK, abgesehen von Han Solo waren es oft nur Cameos, dennoch war es schön, Leia, Luke, C3PO, R2D2 oder Admiral Ackbar noch einmal zu sehen. Auch hier hoffe ich auf größere Rollen in den folgenden Teilen.

C3PO & R2D2: Ich LIEBE die beiden Droiden und C3POs "Ich hab dich so sehr vermisst, alter Freund" als R2D2 passend zum Finale des Films dann doch noch einmal erwacht ist, war mein herzerwärmender Magic Moment der siebten Episode.

Darsteller & Chemie: Es ist kein Wunder, dass Finn und Po das neueste Lieblingspaar von Tumblr und Co. sind, denn die beiden haben eine dermaßen starke Chemie, dass es durchaus über eine reine "Bromance" hinausgehen könnte. Eine solche Chemie kann man nicht erzwingen, oft genug ist das reine Glückssache. Hier hatten Abrams und seine Castingagenten offenbar ein sehr glückliches Händchen, denn die Chemie zwischen dem gesamten Darstellerriege stimmt einfach.

Wirklich witzig, natürliche Komik: Der Film ist wirklich witzig. Ich bin zwar einer der wenigen, der JarJar mag, aber insbesondere Episode I setzte dann doch zu sehr auf Slapstick, Fäkalhumor, etc. Hier ist es zwar nicht ganz auf Avengers-Level, aber die Sprüche oder auch mal eine etwas andere "Daumen-hoch"-Geste ergeben sich immer aus der Situation heraus, es passt einfach, dass die jeweilige Figur entsprechend reagiert und sich teilweise auch mal darüber lustig macht, wie absurd die Situation gerade ist.



Praktische Effekte & Aliendesigns: CGI ist nicht per se schlecht und auch hier gibt es mehr als genug davon, oft genug vermutlich auch an Stellen, an denen man es gar nicht unbedingt merkt (das ist ja das Gemeine an guter Tricktechnik - sie fällt keinem auf). Aber Abrams und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere auf praktische Effekte zu setzen, auf Kostüme und Miniaturen. Das Ergebnis spricht für sich. Deshalb hab ich mich auch ein wenig darüber geärgert, dass dank 3D und zu schneller Kameraschwenks in Maz' Cantina die Hälfte der anwesenden Gestalten nur verschwommen und unscharf zu sehen war. Schade.

Was ich nicht mag:

Snoke: Tja, gerade durch den Fokus auf praktische Effekte, sticht insbesondere der oberste Anführer Snoke sehr negativ hervor. Der Computereffekt funktioniert gar nicht. Überhaupt nicht. Auch nicht, wenn man versucht es mit "Ist ja nur ein Hologramm" wegzuerklären. Es hilft auch nicht, dass der Name und das Design dumm und hässlich sind. Dafür hat man Andy Serkis eingespannt? Echt jetzt? Sicher, dass das nicht bloß sein neuester Praktikant war?

Sydow, Serkis, Christie verschenkt: Bleiben wir beim Thema, denn neben Serkis sind auch Max von Sydow und Gwendoline Christie leider völlig verschenkt. Klar, eventuell kann man die entsprechenden Parts in Episode VIII und IX noch ausbauen, aber bisher ist mir völlig unklar, warum man für solche Winzrollen solche großen Namen gebraucht hat. Das wäre doch bestimmt auch billiger gegangen.



Fünf Planeten zerstört, wirklich zu interessieren scheint es niemanden: In Episode IV wird mit Alderaan ein Planet zerstört. Leias und Obi-Wans Reaktionen vermitteln uns die gigantische Tragweite dieser Tragödie. Die erste Ordnung ist jetzt noch blutrünstiger und vernichtet gleich FÜNF Planeten. Allerdings erfahren wir nie, welche Himmelskörper das jetzt gerade sind und so wirklich zu kümmern scheint es auch niemanden. Wir sehen ein paar Leute panisch zum Himmel staren und schwups sind die Planeten auch schon Weltallgeschichte, während die Rebellen kaum mehr als mit den Schultern zucken. Waren wohl nicht die beliebtesten Planeten.



Hans Tod: In der Nostalgia-Critic-Review wurde Han ein Red Shirt angezogen und ich hab mich fast kaputtgelacht, weil es so perfekt passt. Dass Han schon in "Rückkehr der Jedi-Ritter" sterben sollte, ist bekannt, insofern war es absolut keine Überraschung, als es dann wirklich passierte. Aber eine Sequenz, die wohl emotional sein sollte, ließ mich über Hans offensichtliche Dummheit nur mit dem Kopf schütteln. Ja, der Kerl war mal dein Sohn, aber jetzt ist er ein fucking Sith. Ich konnte nur an ein Zitat von Jack aus Mass Effect 2 denken: "You let someone get that close, it just means they need a shorter knife."

Kleinste Galaxie überhaupt: Dafür, dass Star Wars immer in einer kompletten Galaxie spielen will, ist der Kreis der wirklich wichtigen Figuren geradezu erschreckend klein. Ehrlicher wäre es, wenn es "in einer weit entfernten Familie" heißen würde. Ben "Kylo Ren" Solo ist Sohn von Han und Leia, Rey entweder Lukes oder Obi-Wans Tochter und Finn möglicherweise Landos Sohn. Gähn. Wer die Heldenreise nicht schon im Blut hat, der bleibt maximal Nebenfigur.



Völlig überzogene Symbolik: Als Finn eine blutige Hand auf seinem Helm hatte, um uns allen zu zeigen, wie bitterböse Krieg ist (was ungefähr genauso lang anhielt wie im Tomb-Raider-Reboot), konnte ich nur mit den Augen rollen und den Kopf schütteln. Ähnlich ging es mir dann als Rey und Kylo von einem Graben getrennt wurden. In 2012 war das halbwegs witzig, hier war es einfach nur lächerlich und noch dazu pure Plot Convenience, damit der Kampf schnell wieder beendet werden kann.

Aufgesetzter & unnötiger Spacebattle: Der gesamte Film fühlte sich für mich an als würde jemand mit einer Checkliste danebenstehen und abhaken, was unbedingt drin sein muss, um die Fans zufriedenzustellen. Und diese Liste verlangte eben auch eine Weltallschlacht - ob die jetzt einen narrativen Sinn ergibt und in die Handlung passt oder nicht. Klar, das war alles nett. Aber die echte Erzählung fand auf dem Boden statt, das hier war nur eine hübsche Lasershow.



Hans unnötige Zwischenepisode: Han ist Schmuggler. Wissen wir. Han schmuggelt im Zweifelsfall alles. Wissen wir. Offenbar schmuggelt er auch Sequenzen in fertige Filme, die eigentlich bereits rausgeschnitten wurden. Nur so kann ich mir erklären, wieso man diesen Moment mit seltsamen Tentakelviechern dringelassen hat. Stattdessen hätte man lieber die Szene in Maz' Cantina ausbauen sollen. Oder Max von Sydow. Oder Captain Phasma.

Kylo Ren: OK, schwierig. Kylo Ren könnte nämlich eine gelungene Analogie auf die sogenannte "toxische Maskulinität" sein. Aber trotz cooler Machtfähigkeiten (Blasterschüsse für eine halbe Ewigkeit in der Luft halten? Respekt!) ist er noch lächerlicher als Anakin. Ein kleiner Hanswurst, der gegen die Familie rebelliert, weil er jetzt halt mal dagegen sein will. Wie ein kleines Kind, das an der Kasse keine Schokolade bekommt, sich blöderweise aber der dunklen Seite der Macht zugewandt hat. Ja, das soll voll tragisch und sowas sein, hat mein zynisches Ich jedoch nicht einmal annähernd überzeugt.

Zu sehr nach Checkliste gearbeitet: Ich hab die Checkliste ja bereits erwähnt. Star Wars hat schon immer Elemente wiederholt, das ist auch völlig ok. Ich finde es nicht einmal schlimm, dass Episode VII effektiv ein Remake von Episode IV ist. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Selbstvertrauen, ein wenig mehr Mut zum Experimentieren gewünscht. Der gesamte Film war mir zu vorhersehbar. OK, mag sein, dass ich als TV-Tropes-Junkie inzwischen schwerer zu überraschen bin, aber ich sah jeden "Twist" meilenweit kommen.

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Sonntag, 26. April 2015
Avengers: Age of Ultron - Spoiler-Review
Am 26. April 2015 im Topic 'GlotzGedanken'


Avengers 2 beginnt „in medias res“. Das Superheldenteam hat sich, angeführt von Captain America und dank technischer sowie finanzieller Unterstützung von Tony Stark, dem Kampf gegen HYDRA und Waffenhändler gewidmet. Ziel ist dieses Mal eine HYDRA-Basis, in der Baron von Strucker und Dr. List an „Begabten“, Individuen mit Superkräften, herumexperimentieren. Pietro und Wanda Maximoff haben sich beide freiwillig gemeldet. Als 10-Jährige wurden ihre Eltern von Granaten getötet, die Zwillinge selbst haben zwei Tage lang unter einem Bett heraus auf eine Bombe mit dem Stark-Logo gestarrt und Todesängste erlitten. Auf Iron Man und seine Freunde sind sie darum nicht gut zu sprechen, weshalb sie das Team angreifen.

Ich war ein wenig überrascht, dass Strucker (gespielt von einem Deutschen, der in Hollywood inzwischen zum Inventar gehört: Thomas Kretschmann) und List so schnell abserviert wurden. Die aktuelle Staffel von Agents of SHIELD hat beide als kompetente Widersacher aufgebaut, aber gegen die vereine Schlagkraft der Avengers haben sie dann eben doch keine Chance.

Strucker hat auch eines der riesigen Chitauri-Monster sowie Lokis Zepter aus dem ersten Teil in seinen Besitz bringen können. Letzteres wird sichergestellt, der Kristall darin bietet für Tony sowie Bruce Banner die Basis einer künstlichen Intelligenz, die noch viel weiter entwickelt als JARVIS ist. Es zeigt sich, dass Tony den posttraumatischen Stress, der ihn nach seinem Atombombenritt durch das Wurmloch plagte, immer noch nicht ganz überwunden hat. Er will mit dem Ultron-Programm einen Schutzwall für die gesamte Erde errichten.

Fast alle Versuche gehen daneben, der finale Durchbruch gelingt dann ausgerechnet als die beiden Wissenschaftler nicht hinschauen. Ultron ist geboren und natürlich wendet sich das Frankensteinsche Monster sogleich gegen seine Schöpfer und startet eine virtuelle Attacke auf JARVIS, danach greift er dann die Avengers an, während das Team die Ruhe nach einer Party genießt, bei der auch Sam Wilson (Falcon) kurz über die Leinwand schreiten durfte und Comic-Legende Stan Lee seinen obligatorischen Cameo-Auftritt hatte. Gemeinsam mit Maria Hill und James Rhodes (War Machine) wehrt sich die Heldentruppe mehr schlecht als recht gegen den neuen Feind, der zwischenzeitlich die Roboter aus Tonys „Iron Legion“ übernommen hat.

Ultron entkommt und die Spur führt ins afrikanische Wakanda, dem einzigen Land, in dem es Vibranium gibt, das Schwingungs-absorbierende Metal, aus dem Howard Stark seinerzeit Captain Americas Schild geschmiedet hat. Wer Marvels Ankündigungen verfolgt, der weiß, dass der afrikanische Superheld Black Panther, seines Zeichens Staatsoberhaupt Wakandas, auch noch einen Film bekommen wird. Mit einem kurzen Auftritt von Andy Serkis als Waffenhändler Ulyssess „Klaw“ Klaue, in den Comics einer von Black Panthers Hauptgegnern, werden dafür schon die ersten Grundlagen geschaffen.

Klaue versorgt Ultron mit Vibranium, zum dank reißt ihm dieser einen Arm aus, als im Gespräch Tony Stark erwähnt wird, der als „Vater“ des Roboters ein absolutes rotes Tuch für ihn ist. Ich bin mir relativ sicher, dass wir den an Captain Ahab erinnernden Klaue noch einmal wiedersehen werden. Zwischenzeitlich haben sich die Zwillinge Ultron angeschlossen und insbesondere dank Wandas/Scarlet Witchs Gedankenmanipulationsfähigkeiten führen sie das Team ziemlich vor.

Tony hatte in einem ihrer Trugbilder bereits den Tod seiner Freunde gesehen, Thor trifft den allsehenden Heimdall erblindet an und Black Widow erinnert sich an ihre Zeit im Red Room zurück. Wer Agent Carter verfolgt hat, konnte bereits einen Einblick in das Ausbildungsprogramm der russischen Spioninnen erhaschen, dennoch ist es interessant zu sehen, was dort mit Natascha persönlich geschehen ist. Interessanterweise entgeht Hawkeye, der den ersten Film fast komplett unter Lokis Gedankenkontrolle verbrachte, der Manipulation und schafft es sogar, Wanda außer Gefecht zu setzen. Danach kommt es zum Kampf zwischen Hulk und Iron Man, in der eigens für solche Fälle geschaffenen Hulkbuster-Rüstung. Verfolgt von den Gesetzeshütern muss das Team anschließend erst einmal untertauchen.

Das tun sie ausgerechnet bei Hawkeyes Familie, denn Clint Barton hat ein Haus auf dem Land, eine Frau und zwei Kinder. Gerade weil er im ersten Teil fast nie Herr seiner Sinne war, kam der treffsichere Bogenschütze dort viel zu kurz. Dieses Mal lässt ihm der Film viel Raum für die Entwicklung seines Charakters.

Auch Nick Fury taucht noch einmal auf und tut das, was er am Besten kann: Er redet den niedergeschlagenen Avengers ins Gewissen und macht ihnen neuen Mut. Gemeinsam finden sie heraus, dass Ultron plant, sich weiterzuentwickeln und dabei die Hilfe von Biologin Helen Cho braucht, die zuvor bereits kurz auf der Party zu sehen war. Thor hat sich erst einmal verabschiedet, gemeinsam mit Erik Selvig will er dem von Scarlet Witch verursachten Albtraum auf den Grund gehen. Bruce braucht ebenfalls erstmal einen Moment der Einsamkeit. Tony begibt sich zum Internetknotenpunkt in Oslo, während Natascha, Clint und Steve nach Shanghai aufbrechen. Gemeinsam schaffen sie es, Ultron ein Schnippchen zu schlagen und ihm sein „Experiment“ abzuluchsen. Pietro und Wanda stellen sich gegen Ultron, nachdem sie in seinen Gedanken die Wahrheit erkennen, nämlich dass er die Vernichtung der Menschheit plant.

Tony hat in Oslo einen alten Bekannten wiedergetroffen, denn JARVIS „lebt“ eben doch noch und hat Ultron bisher davon abgehalten, beispielsweise Atomraketen zu starten. Er plant, seine KI mit dem von Ultron und Helen Cho erschaffenen Körper zu verbinden, was zum Streit innerhalb des Teams führt. Quicksilver kappt die Stromverbindung, doch Thor kehrt im entscheidenden Moment zurück und versorgt die Maschine per Blitzeinschlag mit der notwendigen Energie, denn er hat gesehen, dass dieses neue Wesen die Menschheit vor dem Untergang bewahren wird.

Vision ist geboren und der Film bestätigt viele Theorien, die Fans schon im Vorfeld aufgestellt hatten. Der Kristall in Lokis Zepter, der bisher in eine blaue Hülle gefasst war, ist der gelbe Gedankenstein, einer der sechs Infinity-Steine, was Thor auch offen ausspricht. Wir sehen auch kurz die drei anderen, die bisher bereits aufgetaucht sind: den blauen Weltallstein aus Captain America und Avengers, den roten Realitätsstein aus Thor: The Dark World und den lila-farbenen Kraftstein aus Guardians of the Galaxy. Wer die Marvel-Filme verfolgt, der sollte inzwischen wissen, über welche Kraft die insgesamt sechs Juwelen verfügen. Einmal mehr zeigt sich, dass in Marvels Cinematic Universe tatsächlich alles miteinander verbunden ist.

Gemeinsam mit den Zwillingen und Vision bereiten sich die Avengers auf den finalen Kampf gegen Ultron vor. Dieser hat zuvor bereits mehrfach von der Auslöschung der Dinosaurier durch einen Meteoriten gesprochen und macht nun Sokovia, die Heimat von Pietro und Wanda sowie der Standort der anfänglichen HYDRA-Basis zu einem künstlichen Kometen, den er dann mit der Erde kollidieren lassen will.

Das können unsere Helden natürlich nicht zulassen, weshalb sie alles tun, um Ultron das Handwerk zu legen. Ich möchte eigentlich gar nicht die Marvel-versus-DC-Kiste aufmachen, aber an dieser Stelle erscheint es mir als angebracht. Man of Steel wurde insbesondere dafür kritisiert, dass Superman als „Retter“ der Menschheit erstaunlich viele Kollateralschäden hinterlässt, letztendlich liegt gegen Ende des Films fast ganz Metropolis, immerhin die größte Stadt der DC-Comics, in Schutt und Asche. Auch in Avengers werden sehr viele Gebäude zerstört. Aber egal ob in Kapstadt, Shanghai oder Sokovia – das Team ist immer darauf bedacht, die Anzahl ziviler Opfer möglichst gering zu halten. Der Film nimmt sich immer die Zeit, zu zeigen, wie die Avengers Passanten aus der Schusslinie nehmen.

Dank Nick Fury hat das Team tatsächlich sogar einen Evakuationsplan, denn er hatte offenbar immer noch einen Helicarrier in seiner Hinterhand. Mit an Bord ist neben Maria Hill übrigens auch der Techniker, der sich in Captain America 2 weigerte, Project Insight zu starten, was ich ein klein wenig gefeiert habe. Offenbar gehört der integre junge Mann zu den wenigen Menschen, denen Fury noch vertraut.

Schon in Teil 1 hatte jeder einzelne Avenger einen Moment, in dem er dem Bösewicht, Loki, eins auf die Mütze geben konnte, auch hier ist das wieder der Fall. Jede Figur kann in einer Szene ihre Überlegenheit über Ultron demonstrieren, auch Fury, der eine der Roboterdrohnen mit einem Metallstück genüsslich durchbohrt. Wieso das signifikant ist? Tja, Cyclops ist in der X-Men-Trilogie der Anführer der Truppe, es kommt jedoch nie zu einem Kräftemessen zwischen ihm und Magneto.

Die Flucht der Zivilisten wird auch von War Machine in einem kurzen Auftritt unterstützt. Als fast alle auf dem Helicarrier in Sicherheit sind, versucht Hawkeye einen kleinen Jungen vor den Schüssen eines Quinjets zu beschützen. Und es sah für mich fast so aus, das sei sein Familienfoto, welches er vor dem Kampf eingesteckt hatte, eines der tödlichen Sorte sein könnte – gewisse Filmklischees riecht man dann ja doch schon 100 Meter gegen den Wind.

Doch Hawkeye überlebt, denn Quicksilver stellt sich in die Schusslinie. Der Nachteil an Marvels übergreifendem Universum ist eben, dass man teilweise jetzt schon weiß, dass Scarlet Witch in Doctor Strange auftreten soll und die meisten der anderen Superhelden, darunter eben auch Hawkeye, Teil des Civil War sein werden. Sein zukünftiger Auftritt hätte allerdings auch eine postume Rückblende sein können, insofern war ich nicht ganz sicher. Ich hatte schon befürchtet, dass es Pietro erwischen würde. Und da er so früh stirbt, hat der Zuschauer leider auch keine echte Chance, ihn näher kennenzulernen. Bei den Zwillingen hat sich der Film dann eben doch deutlich mehr auf Wanda konzentriert.

Aber: Es ist eine Comic-Verfilmung und der Tod hat in Marvels Welt oft doch eher einen kleinen Stachel. Wenn Nick Fury noch ein wenig GH.325 übrig hat, dann könnte Quicksilvers Ableben auch nur ein temporäres sein.

Mit vereinten Kräften besiegen die Avengers Ultron und vereiteln seinen Plan. Es kommt noch zu einer kurzen Konfrontation zwischen Vision und seiner letzten Drohne, die mit Ultrons Zerstörung endet. Wobei ich persönlich mir wünschen würde, dass ein kleiner Teil des Killerroboters überlebt hat, denn ich fand ihn durchaus einschüchternd, aber auch charismatisch. Mitunter hatte er sogar ziemlich gute Sprüche drauf, beim völlig unerwarteten „Ich kann physisch zwar nicht kotzen“ hat der voll besetze Kinosaal vor Lachen gebebt.

Ich empfand Ultron auch nicht als eindimensional. Ja, er möchte die Menschheit auslöschen, aber er will eben auch Veränderung, Fortschritt, Evolution. Tonys „Rüstung für die gesamte Welt“ ist rein zur Sicherung des Status Quo, er will die Welt in ihrem jetzigen Zustand konservieren. Ultron sieht sich selbst als die nächste Stufe und will mit Vision sogar noch einen Schritt weitergehen. Die Menschen hatten ihre Chance, wie bei den Dinosauriern will er mit einem Meteoriteneinschlag die Zukunft erzwingen. Über sich selbst und Vision als Zwischenschritte möchte er in seinem ziemlich deutlichen Pinocchio-Komplex (dank Marvels Eingliederung in den Disney-Konzern darf man sogar die Musik aus dem Zeichentrickfilm benutzen) ein echter, besserer Mensch werden, der dann das Erbe der bisherigen antritt.

Ultron ist impulsiv, er ist ein Kind und hat entsprechende Stimmungsschwankungen. Als er Klaue den Arm abreißt, scheint er gar nicht so genau zu realisieren, was er da gerade getan hat. Es hört sich eher an als hätte er eine Vase runtergeworfen. Die kann man ja wieder kleben, fällt gar nicht auf. Dass er gerade einen Menschen verstümmelt hat, weil er sich über seinen Vater aufgeregt hat, und dies etwas sehr Gravierendes ist, kann er nicht verarbeiten. Er macht Disneys Pinocchio zu seinem Vorbild und ist von Dinosauriern fasziniert – seine kindliche Natur ist überdeutlich.

Ultron glaubt, er alleine habe die Weisheit mit dem goldenen Löffel gegessen und die Erwachsenen seien grundsätzlich im Unrecht. Er vertraut nur den „gleichaltrigen“, jugendlichen Zwillingen, die ebenfalls unter seinem Vater zu leiden hatten, scheint insbesondere Wanda sehr zu schätzen und ist vom „Verrat“ des Geschwisterpaares tief getroffen. Offenbar hat er in Wanda eine Seelenverwandte gesehen, dass sie ihm dann das Herz aus der Brust reißt, ist nicht nur überraschend brutal, sondern auch eine symbolische Darstellung von Ultrons Gefühlswelt.

Ultron rebelliert gegen seinen Vater und macht sich seine „Mutter“ Helen Cho mit Hilfe eines phallischen Objektes, Lokis Zepter, gefügsam, um sich einen Sohn zu erschaffen, der dann aber bei anderen „Eltern“ aufwächst und seinen „Vater“ letztendlich tötet. Wenn Ultron bei der finalen Konfrontation dem offensichtlich viel weiseren Vision dann Naivität vorwirft, ist trieft das nur vor Scheinheiligkeit, da er sich selbst belügt. Vielleicht überinterpretiere ich das gerade ein wenig, aber für mich lässt sich Ultrons Handeln doch recht deutlich auf den Freudschen Ödipuskomplex herunterbrechen.

Am Ende des Filmes trennen sich die Wege der Avengers erneut. Hulk ist verschwunden. Thor kehrt nach Asgard zurück. Tony fährt wieder nach New York. Hawkeye genießt die Zeit bei seiner Familie, nachdem seine Frau gerade einen zweiten Sohn geboren hat. Nur Natascha und Steve (sowie Nick Fury und ein paar Nebencharaktere) sind noch in der neuen Avengers-Akademie verblieben, haben mit War Machine, Falcon, Vision und Scarlet Witch aber auch vier neue Rekruten, die es auszubilden gilt.

Während den Credits sieht man dann den Infinity-Handschuh, der für Sekundenbruchteile im ersten Thor aufgetaucht ist (zur Erinnerung: Loki leitet als Odin verkleidet immer noch die Geschicke von Asgard). Thanos ergreift den Handschuh und sagt, dass er die Dinge dann wohl doch selbst erledigen müsse. Alles, was jetzt an Filmen kommt, läuft letztendlich eben auf den zweiteiligen Infinity War in Avengers 3 hinaus.

Ich persönlich fand den zweiten Avengers deutlich stärker als den ersten. Die Avengers sind ein Team und funktionieren großartig als solches. Obwohl es viele Actionszenen gab und viel auf dem Spiel stand, wurden diese auch durch viele ruhigere Szenen, in denen die Figuren und der Zuschauer Atempausen einlegen konnten, ausgeglichen. Hawkeye, Bruce Banner und Black Widow bekamen endlich Zeit für Charakteretablierung und -entwicklung. Ultron war ein starker, charismatischer Gegenspieler, die Zwillinge und Vision sind interessante Neuzugänge. Die Avengers-Akademie, Wakanda, Hulks Exil und Thanos' Mobilmachung sind gute Handlungsstränge, an denen die kommenden Filme anknüpfen können.

Zum Abschluss möchte ich den großartigen Soundtrack von Brian Tyler und Danny Elfman für sich sprechen lassen:

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Montag, 5. Januar 2015
Ein paar Gedanken zum Marvel Cinematic Universe
Am 05. Januar 2015 im Topic 'GlotzGedanken'
Phil Coulson lebt noch und wurde im Auftrag von Nick Fury mit dem TAHITI-Projekt wiederbelebt, welches eigentlich für gefallene Avenger gedacht war. Die Schlussfolgerung, welche Nick Fury gegenüber Coulson auch bestätigt: Coulson ist ein Avenger. Außerdem ist er inzwischen auch Direktor dessen, was von SHIELD noch übriggeblieben ist. Obwohl inzwischen unter anderem Lady Sif weiß, dass er eben doch noch lebt, hat er es bisher vermieden, die Nachricht den Avengers mitzuteilen. Allerdings dürfte das im Verlauf der Filme früher oder später noch geschehen.

Auch Nick Fury hat seinen Tod vorgetäuscht und arbeitet aus dem Untergrund heraus. Seinen Posten als Direktor von SHIELD hat er an Coulson weitergegeben, nachem der diesem half, Garrett zu besiegen. Zuvor hatte er noch Fitz und Simmons gerettet, vielleicht als kleine Revanche dafür, dass er dank Fitz' "Mauslochschneider" wenigstens kurzzeitig dem Winter Soldier entkommen und sein Täuschungsmanöver durchziehen konnte.

Coulsons SHIELD-Team gehört unter anderem Barbara "Bobbi" Morse an, die in den Comics unter dem Namen Mockingbird auch zu den Avengers gehörte. Und auch Skye, deren echter Name Daisy Johnson ist und die inzwischen als Inhuman bestätigt wurde, ist Teil von Coulsons Team. Unter dem Namen Quake, entsprechend ihrer durch die "Terrigen Mists" erworbenen Fähigkeiten, war sie ebenfalls Teil der Avengers beziehungsweise hat zumindest mit diesen zusammengearbeitet. Ein Inhumans-Film wurde seitens Marvel bereits angekündigt und Vin Diesel hat geteasert, dass er in das Projekt involviert sein könnte. Welche Rolle Raina, die zusammen mit Skye verwandelt wurde, künftig einnehmen wird, bleibt noch abzuwarten.

Nach The Winter Soldier ist SHIELD mehr oder weniger zerschlagen. Coulson und sein Team arbeiten zwar weiter, haben aber weit weniger Ressourcen als vorher. Hydra existiert immer noch und hat neben Quicksilver und Scarlet Witch auch Lokis Zepter. Mit Project Centipede haben sie die in Iron Man 3 vorgestellte Forschungsarbeit von Maya Hansen und Aldrich Killian an Extremis, die auf Dr. Erskines Supersoldatenserum (welches Steve Rogers zu Captain America gemacht hat) basiert, fortgeführt. Es könnte also sein, dass Killian von Anfang an mit Hydra zusammengearbeitet hat. Und obwohl er behauptet, der Mandarin zu sein, zeigt uns der Kurzfilm "All hail the King", dass der echte Mandarin immer noch irgendwo da draußen ist und offenbar nicht so begeistert davon war, dass sich Trevor als Mandarin ausgibt. Killian hatte ihn bewusst benutzt, um die Öffentlichkeit zu täuschen, dürfte also, vorausgesetzt er hat das Ende von Iron Man 3 überlebt, nicht allzu wütend sein. Es könnte also noch passieren, dass wir den echten Mandarin in einem kommenden Film zu sehen bekommen.

Was wir auf jeden Fall sehen werden, ist der Civil War. Die US-Regierung will, dass sich alle Menschen mit Superkräften offiziell registrieren und damit auch ihre echte Identität offenbar. Dieser Gesetzvorschlag entzweit insbesondere Iron Man, der das Vorhaben unterstützt, und Captain America, der entschieden dagegen ist. Daraus entsteht ein Konflikt, der sich zu einem Bürgerkrieg steigert und mit der Ermordung von Captain America endet. Getötet wird er von Crossbones/Brock Rumlow und Sharon Carter/Agent 13, der Nichte von Peggy Carter - beide Figuren hatten bereits einen Auftritt in The Winter Soldier und könnten in Civil War ebenfalls wieder auftauchen.

Interessant ist auch, dass sich Chris Evans offenbar vom Schauspielern zurückziehen möchte oder zumindest die Rolle als Captain America nicht mehr allzu lange bekleiden will. Sebastian Stan, der Bucky Barnes und den titelgebenden Winter Soldier spielt, hat jedoch einen Vertrag über neun Filme, von denen wir bisher erst zwei gesehen haben. In den Comics übernimmt Bucky nach dem Tod von Steve Rogers dessen Rolle als Captain America. Wenn auch bisher noch nichts feststeht, spekulieren viele Fans, dass genau das auch in den Filmen passieren könnte.



Kulminieren wird das Marvel Cinematic Universe (vorerst) in Avengers 3: Infinity War. Nachdem der Infinity Gauntlet schon in Thor kurz zu sehen war und viele darüber spekuliert haben, dass der Tesseract und der Stein in Lokis Zepter zwei der dazugehörigen Infinity Stones sein könnten, haben Thor 2, Guardians of the Galaxy und der Teaser zu Avengers 3 das bestätigt. Mehr noch: Auch der Orb in Guardians und der Aether in Thor 2 sind Infity Stones.

Der Tesseract (bei dem es sich um den Space Stone handelt) befindet sich in Asgard, allerdings posiert dort Loki als Odin (und es ist nicht klar, was mit dem richtigen Allvater passiert ist). Wie bereits erwähnt, hat Hydra Lokis Zepter und damit den Mind Stone. Der Aether beziehungsweise Reality Stone ist von Sif und Volstagg zum Collector gebracht worden, der offenbar auch auf der Suche nach den anderen fünf Steine ist. Der Orb (Power Stone) wird nach den Ereignissen in Guardians of the Galaxy vom Nova Corps auf Xandaar verwahrt. Es fehlen noch der Soul und der Time Stone. Beide könnten im Verlauf der kommenden Filme, aber auch in den verschiedenen Fernsehserien auftauchen.

"To challenge them is to court death" sagt der Anführer in der Nach-Credits-Szene von Avengers. Das ist wörtlicher gemeint als man zunächst meinen würde, denn Thanos, der wahnsinnige Titan, ist in den Comics in den Tod verliebt, genauer gesagt in ihre körperliche Manifestation, Lady Death. Um zu beweisen, dass er ihrer würdig ist, möchte er alles Leben auslöschen. Dazu benötigt er den Infinity Glove und alle sechs Infinity Stones. Im Verlauf des Marvel Cinematic Universe wird er also in deren Besitz kommen. Außerdem dürften dann auch die Avengers auf die Guardians treffen und je nach Verhandlungsgeschick wird möglicherweise sogar Spider-Man heimkehren - das wäre ein Glücksfall, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, weiß aktuell aber wohl nur Kevin Feige.

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Freitag, 17. Oktober 2014
Sitze für Meinungslose
Am 17. Oktober 2014 im Topic 'PoliTick'
Die kleinen Parteien haben ihre Ausschusssitze bekommen! Yay! Wenn man lang genug rumnervt, geben die Klügeren halt eben doch nach und lassen die kleinen Geschwister auch mal mitspielen. Tut mir leid, dass ich so arrogant reagiere, aber ich kann dieses Trauerspiel nun mal nicht ernst nehmen.

Wie bereits erwähnt hätte den kleineren Parteien, genauer gesagt, den Freien Wählern erst bei einer Ausschussgröße von 15 Mitgliedern ein Sitz zugestanden, das ist im KSVG durch das D'Hondtsche Auszählungsverfahren recht eindeutig geklärt.

Das Ziel der SPD war es eigentlich, die Ausschüsse von 10 auf 9 zu verkleinern, auch mit dem Hinblick auf die Finanzwirksamkeit. Nach dem Eklat in der letzten Gemeinderatssitzung, als die Freien Wähler auch die Mitarbeiter der Gemeinedeverwaltung mit dem Vorschlag einer geheimen Wahl vor den Kopf stießen, gab es jetzt von SPD und CDU einen Vorschlag zur Güte: Die Ausschüsse sollen 10 Sitze bekommen, 5 davon würden auf die SPD, 4 auf die CDU entfallen und einer für die Freien Wähler beziehungsweise die AfD oder die Linke.

Es wäre allerdings zu einfach gewesen, darüber per Handschlag abzustimmen. Deshalb mussten die Freien Wähler auf eine geheime Wahl bestehen und obwohl sie diese bereits in der Sitzung zuvor gefordert hatten, waren sie dennoch zu unfähig, der Gemeinde zwischenzeitlich eine Kandidatenliste zukommen zu lassen. Die Namen wurden deshalb in der Sitzung bekanntgegeben, die Verwaltungsmitarbeiter mussten in einer Sitzungsunterbrechung erst einmal tippen und drucken. Zusammen mit der Abstimmung nahm das ungefähr eine Stunde in Anspruch.

Das Ergebnis: Exakt das gleiche, das man auch in offenen Abstimmung erzielt hätte, nur mit sehr viel mehr Aufwand um Nichts. Yay-fucking-hay. Diese Aktion war dumm, peinlich und lächerlich. Selbst Kindergartenkinder hätten eingesehen, dass der einfache Weg der bessere gewesen wäre.

Ausschuss für Finanzen und Personal: 5 SPD, 4 CDU, 1 Freie Wähler
Ausschuss für Planung, Bau, Liegenschaften und Energie: 5 SPD, 4 CDU, 1 Linke
Ausschuss für Kultur, Jugend, Soziales, Sport und Tourismus: 5 SPD, 4 CDU, 1 AfD
Ausschuss für Bildung, Umwelt und Verkehr : 5 SPD, 4 CDU, 1 AfD
Werksausschuss: 5 SPD, 4 CDU, 1 Freie Wähler
Rechungsprüfungsausschuss: 5 SPD, 4 CDU, 1 Freie Wähler

Ein weiteres Ergebnis: Offenbar haben wir im Quierschieder Gemeinderat eine sehr dubiose Achse, die sich aus Freien Wählern, Linke und AfD zusammensetzt. Alleine schon die Zusammenarbeit von Linke und der AfD, die sich gerne hinter "Euro-Kritik" versteckt, dann aber doch regelmäßig durch die gleichen rechtsradikalen Sprüche wie die NPD auffällt, lässt mich stutzig werden. Andererseits fällt Linken-Obermacker Oskar Lafontaine aktuell wieder durch fanatischen Antiamerikanismus auf. Vielleicht sind beide Parteien dann doch nicht so weit von einander entfernt.

Und wofür wollten die kleinen Parteien jetzt mit aller Gewalt ihren Ausschusssitz? Damit sie sich dort enthalten können! Bei allen Abstimmungen während der Gemeinderatssitzungen gab es ein ähnliches Bild. Bergschädenendregulierung? Enthaltung Freie Wähler, AfD. Neubaugebiet? Enthaltung Freie Wähler, Linke, AfD. Wirtschaftsplan ÖPNV-Zweckverband? Enthaltung Freie Wähler, AfD.

Was hier abläuft, ist klar. Von allem, was auch nur halbwegs kritisch sein könnte, lässt man die Finger davon. Wenn es gut läuft, kann man nachher immer noch behaupten, man hätte das ja schon immer unterstützt, allerdings hätte es eben noch ein paar Bedenken gegeben. Und falls es bei der Bevölkerung schlecht ankommt, war man schon immer dagegen, wusste ja gleich, dass das großer Bockmist ist, nur haben die böse SPD und die böse CDU in ihrer gnadenlosen Arroganz nicht auf die schier unfassbare Weisheit der kleinen Parteien gehört.

Völlige Meinungslosigkeit als Konzept, um sich dann mit Windfähnchen-PR als Allheilsbringer zu stilisieren, ein paar Verschwörungstheorien tun ebenfalls nicht weh, die kamen ja schon im Wahlkampf so gut an. Ich bin dann mal gespannt, womit sich die Achse der Meinungslosen dann künftig hervortun wird.

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Montag, 13. Oktober 2014
Wenn Ausschussfliegen zu Elefantensitzungen werden
Am 13. Oktober 2014 im Topic 'PoliTick'
Eigentlich sollte die Besetzung der Ausschüsse, die innerhalb eines Gemeinderates gebildet werden (müssen), eine recht unproblematische Sache sein, die relativ schnell in der konstituierenden oder zumindest der zweiten Sitzung abgehandelt sein sollte. In Quierschied war das bisher auch der Fall, weil es jahrelang ohnehin nur zwei Fraktionen (SPD und CDU) gab, bei der Kommunalwahl 2009 wurde der Gemeinderat jedoch deutlich bunter, denn auch die Freien Wähler, die FDP und die Linken zogen ein. Die Linke bekam aufgrund ihrer Stimmenanteile einen Sitz in den Ausschüssen, SPD und CDU teilten sich die restlichen 9.

Bei der Kommunalwahl 2014 gehörten dann insbesondere die kleineren Parteien zu den Verlierern, während vor allen Dingen die SPD dazugewinnen konnte. Die Linke hat insbesondere dank der Abspaltung eines Großteils ihrer Mitglieder viele Stimmen verloren. Die FDP hat es nicht mehr geschafft, dafür ist jetzt (leider) ein Vertreter der AfD im Rat. Nur die Freien Wähler konnten ihr Ergebnis halten.

SPD und CDU einigten sich in Gesprächen darauf, dass man die Anzahl der Ausschusssitze reduzieren würde, von 10 auf 9. Entsprechend des Auszählverfahrens nach D'Hondt und den Wahlergebnissen würden davon 5 auf die SPD und 4 auf die CDU entfallen. Die anderen Parteien wären nicht vertreten, denn erst ab 15 Sitzen wäre die nächststärkste Partei, die Freien Wähler, nach dem vom Kommunalen Selbstverwaltungsgesetz (KSVG) des Saarlandes vorgegebenen Auszählverfahren überhaupt berücksichtigt. Erklärtes Ziel der SPD war es jedoch, durch die Reduzierung der Ausschusssitze auch der Gemeinde eine kleine finanzielle Entlastung zu bieten.

Alles wäre relativ einfach, wenn es nicht doch so schwierig wäre. Freie Wähler, AfD und Linke konnten es offenbar nicht akzeptieren, dass sie nicht in den Ausschüssen vertreten sein würden, obwohl sie laut KSVG sehr wohl trotzdem daran teilnehmen können, nur eben nicht mitabstimmen dürfen. Es wurde von den Freien Wählern also eine geheime Abstimmung gefordert, die Sitzung daraufhin kurz unterbrochen, weil auch die Verwaltung auf eine solche Eventualität nicht vorbereitet war, und die Abstimmung dann verschoben, weil noch weitere wichtige Tagesordnungspunkte anstanden, zu denen auch bestimmte Gäste eingeladen waren, die man nicht unnötig warten lassen wollte.

Die „kleinen Parteien“ im Gemeinderat (Freie Wähler, Linke, AfD) haben jetzt in einem Schreiben ihren Vorschlag zur Besetzung der Ausschüsse des Gemeinderates dargelegt. Einer näheren Betrachtung hält dieser Vorschlag jedoch nicht stand.



„Auch die kleinen Parteien können an den Ausschüssen teilnehmen.“ – Das könnten sie, wie bereits geschildert, auch, wenn sie keine Sitze in den Ausschüssen bekommen sollten, denn Paragraph 48, Absatz 3 des KSVG regelt dies recht eindeutig:

„Bleibt eine Fraktion bei der Bildung eines Ausschusses nach Absatz 2 unberücksichtigt, so kann sie aus ihrer Mitte ein Mitglied benennen, das mit beratender Stimme und dem Recht, Anträge zu stellen, an den Ausschusssitzungen teilnimmt. Absatz 2 Satz 4 und 5 gilt entsprechend. Mitglieder des Gemeinderats können an den Ausschusssitzungen ohne Stimmrecht teilnehmen.“

Da das auch den „kleinen Parteien“ bekannt sein dürfte, kann es rein um die Sitzungsteilnahme also nicht gehen, weil ihnen diese ohnehin zustände. Es ist recht deutlich, dass es um das Abstimmungsrecht geht.

Darüber hinaus wird völlig zusammenhanglos die Festlegung von „sieben 11er-Ausschüssen“ (gegenüber sechs 9er-Ausschüssen beziehungsweise sechs 10er-Ausschüssen) gefordert, ohne dass auch nur ein Wort darüber fällt, wie deren inhaltlicher Zuschnitt aussehen soll. Und das obwohl die Festlegung von sechs Ausschüssen im letzten Gemeinderat einstimmig (!) beschlossen wurde. Hier sollen zusätzliche Mandate nur um ihrer selbst Willen geschaffen werden, was ich als Mitglied der SPD-Gemeinderatsfraktion entschieden ablehne.

Die SPD hat sich bewusst für eine Reduzierung der Ausschüsse beziehungsweise der Ausschusssitze eingesetzt, da durch die Sitzungsgelder der Gemeinde auch zusätzliche Kosten entstehen, die so zurückgefahren werden können. Der Vorschlag der „kleinen Parteien“ sieht vor, gegenüber 54 (6 x 9 Sitze) beziehungsweise 60 Mandaten (6 x 10 Sitze) ganze 77 Ausschussmandate (7 x 11) zu erschaffen. Zwischen 17 und 23 Mandate sollen künstlich hinzugefügt werden – eine stolze Summe, insbesondere wenn man sie im Hinblick auf die Finanzwirksamkeit betrachtet. Es wird mit Bürgerinteressen argumentiert, obwohl sehr offensichtlich eben doch die eigenen Eitelkeiten, sprich: das Sitzungsgeld, den Ausschlag geben.

Ständig wird insbesondere von den Freien Wählern mit dem Thema des Sparens argumentiert, wenn es beispielsweise um den absolut notwendigen Neubau eines Kultursaales in Quierschied geht, zusammen mit Linke und AfD wird jetzt aber die Schaffung eines zusätzlichen Ausschusses sowie die Einsetzung 23 zusätzlicher Mandate gefordert – ein Treppenwitz, der vor Doppelmoral nur so trieft, und damit eine denkbar schlechte „Verhandlungsbasis“, welcher die SPD aufgrund der geschilderten Fakten nicht zustimmen kann oder wird.

Dass versucht wird, SPD (und CDU) einzig mit dem Hinweis auf zusätzliche Mandate zu ködern, verdeutlicht auch den ganz schlechten politischen Stil, der hier zutage tritt. Wir Sozialdemokraten hängen im Gegensatz zu den kleinen Parteien nicht an ein paar Ausschusssitzen, deshalb kam von uns der Vorschlag zu deren Reduzierung. Die SPD „muss“ nicht „sechs Personen aus den Ausschüssen streichen“, sie will das sogar, um mit gutem Beispiel voranzugehen und ein Signal an die Bevölkerung zu senden. Offenbar sind die „kleinen Parteien“ jedoch davon überzeugt, dass uns diese wichtiger sind als tatsächlich relevante Themen, mit denen man die Gemeinde voranbringen würde.

Nach nur zwei Gemeinderatssitzungen hab ich schon genug von den Absurditäten der Freien Wähler, die sich die meisten anderen Gemeinderatsmitglieder schon seit 2009 antun müssen. Das habe ich auch auf der letzten Sitzung offen so gesagt, denn ich bin nicht angetreten, um unnötig Zeit mit Nebensächlichkeiten wie der eigentlich harmlosen Ausschussbesetzung zu verbringen, die hier künstlich zu einem Elefanten aufgebauscht wird.

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Mittwoch, 6. November 2013
PoliTick: Die SPD und ihre verknöcherten Strukturen
Am 06. November 2013 im Topic 'PoliTick'


Ich verstehe aktuell meine Partei nicht so ganz. Yasmina „Mina“ Banasczuk, die gemeinsam mit Dennis Morhardt das Mitgliederbegehren zur Vorratsdatenspeicherung durchgeführt und dabei sehr viele Schwachstellen der innerparteilichen Willensbildung und Mitbestimmung offengelegt hat, ist frustriert aus der SPD ausgetreten.

Jetzt wird von allen möglichen Seiten nachgetreten, meistens gegen Yasmina persönlich, statt sich inhaltlich mit ihrer durchaus berechtigten Kritik auseinanderzusetzen. Die Strukturen der Partei sind weiterhin sehr klassisch aufgebaut: Ortsverein, Kreisverband, Landesverband, Bundesverband. Vielleicht gibt es hier und da auch mal einen Arbeitskreis, meistens haben diese jedoch nur ein geringes Mitspracherecht und sind oft eher Feigenblatt als tatsächlich ernstzunehmendes Gremium.

Alternative Beteiligungsmöglichkeiten, insbesondere zu programmatischen Themen gibt es eher weniger. Und ohne Parteimitgliedschaft ist schonmal gar Nichts zu machen. Auf der Ortsratsliste soll ein Nichtmitglied antreten? Unmöglich!

Die Partei ist in ihrer Verknöchertheit oft zu stur. „Das war schon immer so!“ – Ein Satz, den ich abgrundtief hasse. Wenn es schon immer scheiße war und keiner es gerafft hat, dann lief offenbar jahrelang etwas schief. Ich bin vor zehn Jahren den Jusos beigetreten, um Dinge zu ändern, die „schon immer so“ waren. Viel zu oft schmort die SPD im eigenen Saft. Dabei würde es der Partei gut tun, wenn sie sich öffnen würde. Wieso wird der Kanzlerkandidat nicht demokratisch von der gesamten Partei gewählt? Hat man solche Angst vor den Mitgliedern, dass man das lieber von drei Männern im Hinterzimmer entscheiden lässt und nachher derjenige antreten muss, der nicht schnell genug „Muss nicht!“ gesagt hat?

Viele Mitglieder standen eher zähneknirschend hinter Peer Steinbrück. Wobei ich persönlich sagen muss, dass mich Peer tatsächlich immer mehr von sich überzeugt hat. Leider war es dann jedoch trotzdem zu spät. Mit einer Vorwahl könnte man sicherstellen, dass die gesamte Partei oder zumindest deren größter Teil hinter dem oder der Spitzenkandidaten/in steht. Dass sie von ihm überzeugt sind und das auch glaubwürdig nach außen vertreten. Darüber hinaus könnte man mit einer solchen Maßnahme auch einen gewissen Medienrummel erzeugen, der deutlich positiver ausfallen dürfte als der im letzten Wahlkampf.

Bei Bürgermeisterkandidaten macht man das so. Da schreibt dann die Presse auch mal von „Mister 100 Prozent“. Wieso nicht auf der Bundesebene? Ist der Aufwand so groß? Das Finanzargument lasse ich nicht gelten. Die Partei verschleudert ohnehin genug Kohle, da muss uns gerade das Wagen mehr innerparteilicher Demokratie auch ein paar Euro wert sein. Wir feiern Jubiläums-Geburtstage von Willy Brandt, weigern uns aber von ihm zu lernen, genau wie wir mehr Frauen, Migranten und junge Menschen in der Bundestagsfraktion zelebrieren, ihnen jedoch keine Chance bieten, sich auch in der Fraktionsspitze einzubringen. Mehr Absurdität und Doppelmoral geht wohl kaum noch.

Klar, diese Beteiligung kann nicht nur digital erfolgen, dafür sind zu viele Mitglieder einfach zu alt und auch nicht Netz-affin genug. Aber man sollte zumindest versuchen, solche Angebote zu etablieren, um junge Menschen erreichen zu können. Bisher waren diese, sofern sie überhaupt existierten, zu versteckt und zu unattraktiv, als dass sie wirklich Jemand hätte nutzen wollen.

Darüber hinaus sollte thematische Mitarbeit unabhängig von der Parteimitgliedschaft sein. Wer der SPD zugeneigt ist und mitarbeiten will, der sollte auch ohne Mitgliedschaft mitarbeiten dürfen. Er interessiert sich ja offenbar für die Partei, für die Sozialdemokratie, das sollte zählen, nicht die Mitgliedsnummer.

Dazu muss man auch Bündnispartner mit ins Boot holen. Gewerkschaften, Falken, Naturfreunde, AWO sind ohnehin regelmäßige Partner der SPD und sollten das auch weiterhin bleiben. Auch den Schulterschluss mit Migranten- und Frauenverbänden sollte man suchen. Und ruhig auch mal mit dem Chaos Computer Club zusammenarbeiten, die haben den digitalen Sachverstand, der zu vielen Parteimitgliedern fehlt. Vielleicht ergeben sich auch ganz andere Konstellationen, die SPD sollte deshalb stets offen und gesprächsbereit sein.

Vielleicht wäre auch eine größere Beteiligung der Ortsvereine sinnvoll. Der Ortsverein als kleinste Ebene ist oft diejenige, die am Nächsten bei den Mitgliedern ist. Dazu müssen jedoch auch die Ortsvereine ihren Beitrag leisten und sich beispielsweise um die Betreuung ihrer Mitglieder bemühen, dann kann man möglicherweise sogar Austritten vorbeugen und vielleicht sogar Neumitglieder hinzugewinnen. Einfach mal den Mitgliedern und den Ortsvereinen mehr zutrauen, sie aber auch mehr fordern und einbinden als bisher.

Das sind nur ein paar schnelle Gedanken, ein paar Anregungen und Ideen. Statt einzelnen Personen irgendwelche Dinge vorzuwerfen, sehe ich das Problem nämlich eher in unseren vielfach zu eingerosteten Strukturen. Und wir sollten gemeinsam an deren Veränderung arbeiten, nicht das Problem bei Einzelnen suchen.

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Mittwoch, 25. September 2013
PoliTick: Geheuchelte Gleichheit in der SPD - Chancengleichheit leben, nicht nur labern
Am 25. September 2013 im Topic 'PoliTick'


Ich hatte heute ein ganz besonderes Erlebnis. Nachdem ich mir ein Video angesehen hatte, in dem namhafte Bundestagsabgeordnete wie Franz Müntefering, Heidemarie Wieczorek-Zeul oder Wolfgang Thierse, die künftig nicht mehr Teil des Parlamentes sein werden, sich an ihre Arbeit zurückerinnern, durchstöberte ich den YouTube-Kanal der SPD-Bundestagsfraktion.



Dort stieß ich auf ein Video, welches mit "Sexismus wächst durch männerdominierte Machtstrukturen" betitelt ist. Rundherum befinden sich Videos, in denen ausnahmslos alte, weiße Männer zu sehen sind.



Der wiedergewählte Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier verkündete Folgendes via Facebook:

"Gemeinsame Fraktionssitzung mit den alten und neuen Abgeordneten. Toll, wie voll unser Fraktionssaal endlich wieder ist. Und unsere Fraktion ist weiblicher, jünger und bunter geworden. Freue mich auf die Zusammenarbeit!"

Die Fraktion ist weiblicher, jünger und bunter geworden. Schade nur, dass sich das nicht auch in der Fraktionsspitze zeigt. Dort stehen mit Frank-Walter Steinmeier und Thomas Oppermann die gleichen Männer, die diese Posten auch schon vor der Wahl ausübten.

Die neue, deutlich veränderte Fraktion feiert 42 % Frauenanteil, den mit 26 Jahren jüngsten Bundestagsabgeordneten Mahmud Özdemir aus Duisburg sowie den ersten afrikanisch-stämmigen MdB Dr. Karamba Diaby. Diese bunte Vielfalt ist auch ein Grund zu feiern, keine Frage. Nur darf es nicht bei bloßen Lippenbekenntnissen bleiben.

Wieso steht keine Frau an der Spitze der Fraktion? Die Grünen haben seit Jahren einen quotierten Fraktionsvorsitz. Und wenn es schon nicht für die Spitze reicht, wieso haben wir keine parlamentarische Geschäftsführerin? Natürlich wird es wieder dutzende stellvertretende Fraktionsvorsitzende geben, was ein netter Titel ist, der letztendlich jedoch von eher geringem Belang ist.

Die SPD darf nicht länger eine Partei alter, weißer Männer sein. Wir haben viele engagierte und fähige Frauen in unseren Reihen. Wir waren stolz darauf, einst mit Heide Simonis die erste Ministerpräsidentin zu stellen. Jetzt präsentieren sich CDU und CSU in der Berliner Runde jeweils mit einer Spitzenkandidatin, während alle drei linken Parteien durch einen Mann vertreten werden. Verkehrte Welt.

Künftig müssen Frauen wie Manuela Schwesig, Hannelore Kraft, Malu Dreyer oder beispielsweise die Berliner Bundestagsabgeordnete Eva Högl eine deutlich stärkere Rolle einnehmen. Nicht nur als stellvertretende Parteivorsitzende, was ebenso nichtssagend ist, wie in der Fraktion oder als Quotenfrauen im Team, meistens zuständig für "Gedöhns" (wobei Christiane Krajewski für den Bereich Wirtschaft eine kleine positive Überraschung war, das möchte ich dann eben doch anmerken).

Die Zeit wäre reif für eine Parteivorsitzende und auch für eine Kanzlerkandidatin. Viele favorisieren in dieser Rolle bereits seit Längerem die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, aber auch die bereits erwähnte Manuela Schwesig sollte aus meiner Sicht nicht übergangen werden, sondern ganz vorne mitmischen.

Die Parteispitze muss sich insgesamt ändern. Insbesondere fähige Fraktionsmitglieder wie der NSU-Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy, der Bonner Umweltpolitiker Ulrich Kelber oder der niedersächsische Netzpolitiker Lars Klingbeil sollten wichtigere Rollen bekommen.

Ich möchte keine überstürzten Rücktritte, aber ich wünsche mir, dass sich die SPD-Spitze, die jetzt bereits zwei Niederlagen bei Bundestagswahlen eingefahren hat, sich der Verantwortung stellt, so wie es die Spitzen bei Grünen und FDP getan haben. Vielleicht wird dann Platz für neue, jüngere, weibliche Gesichter, die möglicherweise auch einen Migrationshintergrund haben und damit die Vielfalt der Partei auch abbilden.

Darüber hinaus brauchen wir mehr innerparteiliche Demokratie. Dass die Ernennung des Kanzlerkandidaten von drei Männern im Hinterzimmer und eben nicht der Partei entschieden wurde, war mehr als lächerlich. Die Basis hat das zähneknirschend akzeptiert, doch die Tatsache, dass sich viele Landesverbände und weitere Gremien derzeit lautstark und öffentlichkeitswirksam (zurecht) gegen die Große Koalition aussprechen, zeigt, dass die Basis gehört werden und mitentscheiden möchte.

Man darf die Parteibasis, die immerhin die Mehrheit der Partei ausmacht, nicht andauernd so vor den Kopf stoßen. Als Kommunalpolitiker weiß ich, wie schwer es ist, die Mitglieder vor Ort zu motivieren, wenn im Berliner Willy-Brandt-Haus mal wieder irgendein Stuss ausgehandelt wurde, der bei Basisbeteiligung so eben nicht zustande gekommen wäre.

Unsere Mitgliederschaft bietet auch eine große Chance. Dort sind so viele verschiedenen Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten engagiert. Junge und Alte, Frauen und Männer, Migranten, Akademiker und Arbeiter, Azubis und Rentner. Als Kommunalpolitiker ist für mich der interessanteste Aspekt der Politik immer der direkte Kontakt mit den Menschen. Für die Parteispitze sollte der direkte Kontakt zu den Mitgliedern allerhöchste Priorität haben. Ich weiß nicht, welche Themen ich in den Ortsrat einbringen muss, wenn ich nicht die BürgerInnen darauf befrage. Die Parteispitze weiß nicht, welche Dinge als gut empfinden werden und welche völlig schief laufen, wenn sie sich kein regelmäßiges Feedback von den Menschen einholt, die vor Ort den Kopf für die Partei hinhalten und dafür nicht nur verbale Schläge einstecken müssen.

Aktuell stecken ich und mein Ortsverein Göttelborn in der Vorbereitung für die Kommunalwahl im nächsten Jahr. Zusammen mit meinem Ortsvereinsvorsitzenden kümmere ich mich derzeit insbesondere um die Aufstellung der Liste für die Orts- und Gemeinderatswahl im nächsten Jahr. Ich habe verschiedene Menschen darauf angesprochen, ob sie sich vorstellen könnten, nächstes Jahr für die SPD zu kandidieren. Die erstaunliche Reaktion: Alle Antworten fielen absolut positiv aus. Manch einer war überrumpelt, aber durchaus geschmeichelt, dass man ihm eine solche Arbeit zutraut. Bisher hat mir noch keiner der Befragten eine Absage erteilt. Im Gegenteil. Nach einer gewissen Bedenkzeit hat sich bisher jeder dazu entschieden, das Ganze gemeinsam mit uns durchzuziehen. Mancher wird vielleicht sogar in die Partei antreten, andere werden als parteilose Kandidaten für uns antreten. Egal ob Parteimitglied oder nicht, zeigt mir diese Reaktion, dass die SPD in der Bevölkerung durchaus einen Grundrückhalt hat.

Diesen hat man in der Vergangenheit leider beschädigt. Ich bin kein Freund der Agenda 2010, ich kann aber die ewige Hartz-IV-Platte, die insbesondere von "Linken" bereits seit Jahren abgenudelt wird, schon lange nicht mehr hören. Die SPD hat aus den Fehlern der Agenda gelernt und hat viele Verbesserungsvorschläge auch als Themen im Bundestagswahlkampf vertreten. Doch leider fehlt die Glaubwürdigkeit, wenn immer noch Minister aus Schröders Basta!-Regierung die Geschicke der Partei lenken. Auch deshalb sollte an der Spitze ein (Generationen-)Wechsel stattfinden.

Fazit: Die SPD hat gutes Personal, mit dem sie auch glaubwürdig soziale Themen vertreten kann. Nur leider versteckt sie dieses meist in unnötigen Stellvertreterpositionen, statt es ganz nach vorne zu bringen. Wenn die Partei sich ernsthaft verändern möchte, muss das insbesondere beim Spitzenpersonal stattfinden. Dann falle ich vielleicht auch nicht mehr aus allen Wolken, wenn bei YouTube Lippenbekenntnisse gegen Sexismus verbreitet werden, man dann aber doch nur Männern eine echte Chance lässt. Oder wenn man MdBs mit Migrationshintergrund feiert, die Spitze dann aber doch nur aus weißen Menschen besteht. Oder man sich über das Engagement junger Mitglieder freut, der Vorstand sich dann aber doch nur aus angegrauten Personen zusammensetzt.

Gleichberechtigung, Integration oder Jugendförderungen sind keine bloßen Floskeln. Wenn man sich solche Themen in das Programm schreibt, dann muss man auch KandidatInnen aufstellen, die diese Themen glaubwürdig vertreten, weil sie sie tagtäglich leben. Dann klappt es vielleicht auch wieder mit den Wahlgewinnen auf Bundesebene.

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Samstag, 21. September 2013
PoliTick: Temperament, Halligalli und Comics - Peer kann Kanzler
Am 21. September 2013 im Topic 'PoliTick'


Weniger als 24 Stunden sind es noch bis zur Bundestagswahl. Ich hoffe, dass die nächste Bundesregierung eine rot-grüne wird, damit sich in Deutschland wirklich etwas bewegt. Gleiche Chancen, Gleichbehandlung, gleiche Löhne gibt es nur mit Rot-Grün.

Ich war anfangs Peer Steinbrück gegenüber eher skeptisch. Als Parteilinker entsprach er nie so ganz dem, was ich mir von der SPD erwarte. Doch im Wahlkampf haben sich sowohl Peer Steinbrück wie auch meine Meinung ihm gegenüber geändert.

Peer Steinbrück hat Ecken und Kanten. Seine manchmal etwas kaltschnäuzige nordische Art gefällt nicht Jedem. Aber Peer Steinbrück kann auf die Leute zugehen. Wenn ihm Fragen gestellt werden, hat er ehrliche Antworten und druckst nicht erst lange rum. Er verweist nicht darauf, dass er sich Dinge erst ansehen müsse, so wie Frau Merkel - obwohl sie als Bundeskanzlerin die Richtlinienkompetenz hätte, Dinge zu ändern.

Deshalb muss in diesem Land ein Regierungswechsel stattfinden. Der gleichen Meinung, nämlich, dass regieren auch anders gehen kann, sind auch viele Prominente, wie etwa Peter Fox oder Benno Fürmann.



Viele rufen zum Wählen auf, darunter beispielsweise Avaaz oder die IG-Metall-Jugend. Denn: "Ganz im Ernst, wir können die soziale Frage doch nicht den Anderen überlassen." Da möchte ich mich anschließen:



"Geh Wählen" Metallmix 2013



Meine Schwester ist 16 und würde gerne wählen, darf das aber leider erst in zwei Jahren. Warum man erst ab 18 wählen darf, das hat sich auch Dschungelkönig und Sänger Joey Heindle gefragt und beim Juso-Bundesvorsitzenden Sascha Vogt nachgehakt. Mit einer rot-grünen Bundesregierung kommen wir dem wahlrecht ab 16 vielleicht einen Schritt näher.



Eine großartige Neuvertonung einer bekannten Szene aus "Das Leben des Brian" hat im Internet für Furore gesorgt. Neulich in der CDU-Zentrale hat man sich nämlich gefragt, was die SPD so Alles hat, worüber man selbst eben nicht verfügt:



Peer Steinbrück hat sich nicht nur im Kanzlerduell und der Wahlarena vielen Fragen gestellt, sondern auch in der Twitter Town Hall:



Ganz besonders überrascht hat mich, dass Peer Steinbrück großen Respekt vor der Kunstform des Comics sowie den Comic-Zeichnern wie etwa Jaques Tardis oder Alan Moore hat. Und wir Alle wollen doch einen Bundeskanzler, der SinCity mag - oder nicht?



Die Schriftstellerin Eva Menasse wirbt für die SPD und nennt Peer Steinbrück "hirnerfrischend" und ist der Meinung, dass nur Demjenigen das Temperament durchgehen kann, der auch eines hat.



Neben Peer Steinbrück kandidiert unter anderem auch die 22-jährige Bela Bach für die SPD und den Bundestag. RTL II hat die junge Kandidatin getroffen und mit ihr gesprochen. Bela Bach sei hier stellvertretend für viele großartige KandidatInnen genannt. Flo Simbeck, Eva Högl, Michaela Engelmeier-Heite, Sebastian Edathy, Dr. Karamba Diaby, Hannes Munzinger, Ulrich Kelber, Gabriele Hiller-Ohm, Kerstin Griese. So viele engagierte Menschen, die völlig unterschiedlich sind und dennoch ein gemeinsames Ziel haben und sich dafür den Arsch aufreißen. Ich habe ganz großen Respekt vor euch und wünsche euch ganz viel Erfolg.

Es ist fast schade, dass ich "nur" David Lindemann mit meiner Erststimme unterstützen kann, wo doch auch im Saarland mit Elke Ferner, Reinhold Jost und Christian Petry so viele gute KandatInnen für die SPD antreten. Auch euch, David als "meinem" Kandidaten natürlich ganz besonders, viel Erfolg.

Zum Abschluss sei noch einmal auf Peer Steinbrücks grandiosen Auftritt bei Circus Halligalli hingewiesen. Peer kann Kanzler und hoffentlich wird er das auch bald unter Beweis stellen können.

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Freitag, 31. August 2012
Prinzessin Downunder's First Scream-Along Blog
Am 31. August 2012 im Topic 'GlotzGedanken'


Ja, die Überschrift ist eine ganze Aneinanderreihung schlechter Wortspiele, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Manchmal geht es einfach mit einem durch, ihr kennt das. Hier folgen fünf Kurzbesprechungen von Filmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Prinzessin Monoke

Meine Top-10-Liste hat ja schon verraten, dass ich animierte Filme sehr mag, insbesondere wenn sie aus dem Studio Ghibli kommen. Hayao Miayazaki schafft hier ein perfektes Zusammenspiel von gezeichneter und Computeranimation. Wie die meisten anderen Studio-Ghibli-Filme ist Prinzessin Mononoke ein optisches Spektakel. Alle Charaktere sind sympathisch, nachvollziehbar und dreidimensional. Selbst die "Bösewichte" haben ihre guten Seiten. Letztendlich ist es die bessere Version von Nausicäa und damit auch die bessere Version von Pocahontas und damit auch sehr viel besser als Avatar, der überbewerteste Film aller Zeiten. Und wer sich ein bisschen intensiver mit dem Film beschäftigt, bekommt sogar noch eine Lektion in japanischer Geschichte.

Dr Horrible's Sing-Along Blog

Joss Whedon hat sich dieses Jahr mit dem großartigen Avengers endlich ganz weit nach vorne katapultiert. Bekannt für Serien wie Buffy und Firefly, hat er mit Dr Horrible eine Art Edel-Online-Video gedreht. Interessanter Weise entstand der Film während des Writer's Strike, doch Joss Whedon braucht gar keine Schreiberlinge von außerhalb. Neil Patrick Harris spielt den Video-bloggenden Dr Horrible, der in die Riege der Überbösewichte aufgenommen werden will. Im Waschsalon lernt er die Liebe seines Lebens kennen, gespielt von Felicia Day, jedoch wird sie ihm von seinem Erzfeind Captain Hammer weggeschnappt. Dr Horrible ist ein sympathischer Geek, während der "Held" Captain Hammer ein fieser Widerling ist. Die Songs sind gelungen, die drei Hauptdarsteller überzeugen und Whedon stellt so manches Superhelden- und Superbösewichte-Klischee auf den Kopf. Was will man mehr?

Scream 4

Viele Jahre sind seit den Woodsboro-Morden vergangen und Sidney Prescott kehrt als erfolgreiche Schriftstellerin in ihren Heimatort zurück. Doch leider bedroht eine neue Mordserie die Stadt. Ich liebe Scream 1 und 2, die beiden Filme schaffen es einerseits, Parodie auf alle möglichen Horrorklischees und trotzdem spannende Slasher-Filme zu sein. Teil 3 fiel dann leider in der Qualität deutlich ab. Mit einem vierten Teil hat keiner gerechnet und ich war dieser Fortsetzung gegenüber auch sehr skeptisch. Scream 4 hat seine Fehler, hat mich aber dennoch überzeugt.

Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette haben sehr viel Spaß dabei, wieder in ihre alten Rollen zu schlüpfen. Auch die vielen neuen Figuren überzeugen dank namhafter Darsteller. Den größten und besten Eindruck hinterlässt jedoch Hayden Panetierre als Kirby. Der Filmgeek in Scream 4 ist ausgerechnet die attraktive Blondine, die alle männlichen Filmfans locker aussticht. Auch hier schafft es Scream mal wieder, Klischees zu untergraben. Mit Scream 4 gibt es nun endlich den echten dritten Teil, den anderen können wir gerne unter den Tisch fallen lassen.

Rescuers Downunder - Bernard und Bianca im Känguruland

Ich hatte diesen Film damals im Kino gesehen, aber vergessen, wie gut er ist. Durch verschiedene Onlinereviews bin ich jetzt aber dazu gekommen, ihn mir wieder anzusehen. Meine Güte, wie konnte ich diesen Film vergessen? Die Animation, teilweise computergestützt ist großartig, die Flugszenen sind atemberaubend, die Voice Actor, insbesondere John Candy als Wilbur sind hervorragend. Dennoch scheinen viele diesen Film vergessen zu haben, was womöglich daran liegt, dass es a) eine Fortsetzung und b) kein typischer Disney-Film ist. Aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen. Rescuers Downunder ist ein großartiger Adventure-Film für große und kleine Disney-Fans.

X-Men: First Class

Nach dem komplett misslungenen X-Men Origins: Wolverine war ich auch diesem Film gegenüber eher skeptisch. Die Skepsis erwies sich jedoch als unangebracht, denn First Class ist eine sehr gute Entschädigung für Wolverine. Wir erleben die Jugend von Professor X, Magneto und Mystique, gespielt von James MacAvoy, Michael Fassbender und Jennifer Lawrence in einer Welt, die sich erst langsam und widerwillig an das neue Phänomen der Mutanten anpassen muss. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der Kommunistenhatz in den USA entsteht eine interessante Analogie für den Kampf gegen Vorurteile. Die drei Hauptdarsteller legen hervorragende Performances ab. MacAvoy reißt einen mit seinem Optimismus und seiner Faszination absolut mit, Michael Fassbender verkörpert eine gelungene Mischung aus Wut und Charme. Aber auch Kevin Bacon als Sebastian Shaw hat sehr viel Spaß an seinem Playboy-Bösewicht.

Die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, die Effekte wie beispielsweise Emma Frosts Diamantenform oder Azazels Teleportationen sind gelungen. Besonders aufgefallen sind mir jedoch die durchgestylten 60er-Jahre-Szenenbilder, in die man ganz offensichtlich sehr viel Arbeit und Liebe zum Detail gesteckt hat. Und als Abschluss kann ich nur sagen, dass ich auf den Nachfolger "Days of Future Past" echt gespannt bin.

Fünf Filme und fast gar keine Kritik? Ja, ich weiß, das ist langweilig. Aber mir hat jeder dieser Filme auf seine ganz eigene Art gefallen. Und im Internet gibt es bereits genügend Leute, die schlechte Filme reviewen, was ich ihnen auch gerne überlasse.

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Mittwoch, 1. August 2012
Meine Top-10-Lieblingsfilme
Am 01. August 2012 im Topic 'GlotzGedanken'


Ich habe mich entschieden, eine Liste mit meinen Lieblingsfilmen zu erstellen. Ich hätte gar nicht gedacht, dass das so schwierig ist. Denn um eine Liste seiner Lieblingsfilme zu erstellen, muss man sich erst einmal selbst darüber klar werden, was denn die eigenen Lieblingsfilme denn überhaupt sein könnten. Und letztendlich bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, deshalb könnte es durchaus vorkommen, dass ich noch einen zweiten Teil bringe.

Hier aber erstmal meine derzeitigen Favoriten in rückwärtiger Reihenfolge, damit auch der Spannungsbogen einigermaßen erhalten bleibt.

Top 10: Findet Nemo

Ich liebe Pixar. Aus diesem Studio kommen so viele gute Filme, die regelmäßig beweisen, dass Animationsfilme eben nicht nur für Kinder, sondern ein legitimes Medium und eine echte Kunstform sind. Wall-E und Oben mögen die besseren Filme sein, aber Findet Nemo spricht mich dann doch einfach noch ein bisschen mehr an. Ein grafisch absolut beeindruckendes Road-Movie mit sympathischen Charakteren. Die deutsche Synchronisation ist wirklich gelungen und Anke Engelke stiehlt als Dori einfach allen anderen die Show. "Einfach schwimmen, einfach schwimmen."

Top 9: Herr der Ringe - Die zwei Türme

"Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo, und dafür lohnt es sich, zu kämpfen!" Die gesamte Herr-der-Ringe-Reihe ist ein Meisterwerk. Aber dieser eine Satz lässt den zweiten Film für mich einfach am Meisten herausstechen. Samweis Gamdschie ist ohnehin die insgeheime Hauptfigur der Trilogie und in solchen Momenten zeigt sich das ganz deutlich. Was soll ich sonst noch sagen? Die Ents sind sehr gut umgesetzt, die Schlacht um Helms Klamm ist die pure Definition von episch, die Schauspieler und die von ihnen verkörperten Charaktere sind großartig. Und Peter Jackson hat uns bewiesen, dass Tolkiens Mittelerde in Neuseeland liegt.

Top 8: Terminator 2 – Tag der Abrechnung

Für mich der mit Abstand beste Action-Film, der beweist, dass Action eben nicht dumm sein muss. Lange bevor Michael Bay mit Roboterhoden, dummen Pisswitzen und nervig-unnötigen Nebencharakteren das Action-Genre auf pures Bummbummbumm reduziert hat, durften Action-Filme auch ruhige Momente und ausgearbeitete Figuren beinhalten. Die Chemie zwischen dem "straßenschlauen" John Connor und dem Terminator, der immer menschlicher und dadurch immer mehr zu dessen Ersatzvater wird, ist in jeder Szene des Filmes zu spüren. Robert Patrick als Gegenspieler zu Arnold Schwarzenegger war eine sehr gute Casting-Entscheidung. Statt purer Muskelmasse ist der viel gefährlichere T-1000 ein schlanker Läufer. Und indem er den Körper eines Polizisten imitiert, untergräbt er sogar die vermeintliche Sicherheit, die ein Ordnungshüter bieten sollte. Die Action-Szenen sind wuchtig, die Geschichte gut erzählt und das Ende voller Emotionen.

Top 7: Titanic

Ja, ich stehe dazu. Anscheinend ist Titanic für die meisten nur purer Kitsch, für mich ist es ein sehr guter Film. Der Film hat damals einen regelrechten Titanic-Hype ausgelöst. In Hamburg gab es eine riesige Titanic-Ausstellung mit Original-Fundstücken, die man aus dem Wrack geborgen hat. Von riesigen Kohlestücken bis zu winzigen Alltagsgegenständen, jedes Exponat erzählte seinen kleinen Teil der Tragödie. Die Original-Aufnahmen des Wracks zu sehen, erfüllen mich bis heute mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Grusel, ein erhabenes Gefühl, in diesem Zusammenhang empfehle ich auch James Camerons großartige Dokumentation "Die Geister der Titanic". Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, aber was bitte ist daran auszusetzen? Zumal wenn diese zwischen zwei der besten Schauspieler überhaupt stattfindet, die ihre Rollen mit Hingabe verkörpern. Klar, einige Szenen sind unfreiwillig komisch. In meinem Freundeskreis ist das Zitieren der "Komm-zurück!"-Szene zu einem regelrechten Running-Gag geworden. Doch selbst das schmälert nicht den Eindruck, den Titanic bei mir hinterlässt.

Top 6: Das Schloss im Himmel

Ein weiterer animierter Film auf meiner Top-Liste und es wird nicht der letzte bleiben. Dank SuperRTL bin ich in Berührung mit diesem Film gekommen. Zunächst lief "Nausicäa aus dem Tal der Winde", der ok ist. Danach kam "Das Schloss im Himmel" und ich war absolut beeindruckt. Die gezeichnete Animation ist fantastisch, die Charaktere sind sympathisch, der Soundtrack ist gelungen, die Geschichte ist mitreißend und vor allen Dingen ist der Bösewicht nicht in schwarz-und-weiß gezeichnet, sondern vielschichtig. Vielleicht kommt hier auch meine Vorliebe für japanische Rollenspiele zum Tragen, weil der Plot durchaus Klischees folgt, die man auch in Japano-RPGs wiederfindet, aber gegen sinnvoll genutzte Tropen ist doch Nix einzuwenden. Und das Main Theme dürfte auch noch die letzten Zweifel auslöschen. Kinderfilm? Auch, aber nicht nur.

Top 5: The People vs. George Lucas

Ich bin großer Star-Wars-Fan und ich bin großer Indiana-Jones-Fan. Aber ich verstehe manchmal nicht, warum sich George Lucas solch krassem Hass ausgesetzt sehen muss. Episode 1 hat seine Fehler ist aber unterhaltsam und spätestens mit 3 hat er gezeigt, dass er sein Talent noch lange nicht verloren hat. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels hat mir sogar richtig gut gefallen, insbesondere weil ich von den Nazca-Linien fasziniert bin. Außerdem bilden Indy 1, 3 und 4 eine kohärente Reihe, während der Tiefpunkt der Serie, Tempel des Todes, außer der Hauptfigur keine Verbindung zu den anderen Filmen, dafür aber zwei über-nervige Sidekicks hat.

Ja, Han hat geschossen. Nicht zuerst, denn Greedo kam im Original-Cut gar nicht mehr zum Gegenschuss. Insofern ist "Han Shot First" Quatsch, liebe Geeks. JarJar nervt, Anakin ist ein nöhlender Emo, stimmt alles. Aber muss man sich darüber so dermaßen aufregen?

In The People vs. George Lucas wird die Hassliebe zwischen Lucas und seinen Fans zum Hauptthema gemacht. Seine Biographie, die Filme, das Vermarkten von Merchandise, die veränderten Spezialversionen und die Furcht davor, dass Lucas irgendwann doch aufhören könnte - die abgedeckten Themen sind breit gefächert. Und trotz der ganzen Nerd-Rage, die meiner Meinung nach meistens nur zeigt, wie ätzend konservativ Nerds und Geeks sind, die sich sonst ja immer als sooooooooo progressiv sehen, wird der Film von einer angenehm versöhnlichen Stimmung getragen.

Ha, mit nur einem Eintrag alle Star-Wars- und Indiana-Jones-Filme in die Top 10 gemogelt. Kleiner Scherz. Aber jeder, der auch nur annähernd mit einem der Filme etwas anfangen kann, sollte sich diese Dokumentation unbedingt ansehen. Vielleicht gerade dann, wenn er sich regelmäßig über "Han Shot First" und andere Kleinigkeiten aufregt.

Top 4: Kung Fu Panda 2

Noch ein animierter Film in meiner Top-Liste. Und falls es noch nicht offensichtlich genug ist, gebe ich gerne zu, dass ich eine riesige Vorliebe für Animationsfilme habe. Ich bin großer Pixar-Anhänger, die meisten Dreamworks-Filme sind dagegen eher durchschnittlich und oft ganz klare Anti-Disney-Mittelfinger. Doch inzwischen scheint das Studio sein Anti-Disney-Sein überwunden zu haben und hat sich stattdessen entschlossen, richtig gute Filme zu machen.

Kung Fu Panda 1 ist ok, aber 2 hat mich komplett umgehauen. Während der erste noch verstärkt auf Slap-Stick gesetzt hat und auch plot-technisch mit Sicherheit nicht der Beste war, setzt der zweite Teil in allen Belangen gleich mehrere Schippen drauf.

Ich sehe mir Filme gerne in der deutschen Synchronfassung an, aber Kung Fu Panda 2 musste ich im Original sehen. Der Grund: Jack Black. Hape Kerkeling ist ok, aber Energiebündel und Rampensau Jack Black geht so dermaßen in seiner Rolle auf, dass er bloß mit seiner Stimme alle an die Wand spielt. Jack Black ist der Kung Fu Panda, Jack Black ist Po.

Und Po muss sich im zweiten Teil seiner Vergangenheit stellen, die mit einem mysteriösen neuen Bösewicht zusammenhängt.

Auch wenn es im Zusammenhang mit dem Film ein dummes Wortspiel ist: Kung Fu Panda 2 ist ein optisches Feuerwerk, insbesondere die Pagoden-Szene ist visuell absolutbeeindruckend. Und neben der 3D-Animation hat man die Rückblenden auch noch in einem ebenfalls sehr gelungenen 2D-Stil umgesetzt.

Ob es die Szenen mit Pos (Adoptiv-)Vater, das Herausfinden seiner Vergangenheit oder das Meistern des Kung Fu sind, ich saß regelmäßig mit Tränen in den Augen da und war emotional zutiefst berührt. Und Hans Zimmer, der mich mit seiner Musik immer kriegt (beispielsweise mit "This Land und Chévaliers de Sangreal"), trägt auch hier wieder dazu bei, die Szene noch besser zu machen.

Fortsetzungen sind so eine Sache, aber nach der extremen Steigerung von Teil 1 zu 2 warte ich gespannt auf den dritten Teil der Reihe, die aus dem vermeintlichen "Beverly-Hills-Ninja"-Konzept eine spannende Geschichte geschaffen hat.

Top 3: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Ich habe einem Film über George Lucas bereits einen Platz in meinen Top 10 gewidmet, aber ein Film von ihm selbst hat es ebenfalls geschafft und ist sogar unter meinen drei absoluten Lieblingen gelandet. So sehr ich die Star-Wars-Filme auch liebe, mag ich den dritten Indiana Jones einfach noch mehr.

Ich liebe das Abenteuer-auf-der-Jagd-nach-einer-Reliquie-Konzept abgöttisch. Ob es die originale Indy-Filme sind, ob es Nicolas Cages Vermächtnis-Filme, Noah Wyles The-Quest-Filme oder die Uncharted-Spiele sind, die ich mir aufgrund ihrer filmischen Natur und dem Mangel an Sony-Konsolen per YouTube angesehen habe. Da ich mich auch mittels Büchern und Dokumentationen immer gerne über Archäologie und alte Kulturen informiere, ist die fiktionalisierte Variante davon stets etwas, was mich fasziniert.

Der dritte Teil der Indy-Filme ist für mich der mit Abstand beste. Sean Connery als den Vater von Indiana Jones zu casten, war eine geniale Idee, denn Indy basiert neben alten B-Filmen vor allem auf James Bond. Beide neigen dazu, sich in ausweglose Situationen zu manövrieren und entgegen jede Wahrscheinlichkeit zu überleben (das Schlauchboot ist übrigens genauso dumm wie der Kühlschrank, wenn nicht sogar dümmer).

Connery und Ford funktionieren als Vater-Sohn-Gespann dermaßen gut, dass alles Andere zur Nebensache wird. Der Film enthält so viele gute Szenen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Die Bibliothek, der Sprung des Glaubens, die Verfolgungsjagd in der Schlucht des sichelförmigen Mondes - eine besser und spannender als die andere.

Top 2: Das fünfte Element

Ich liebe diesen Film, weil er so dermaßen übertrieben ist. Die Kostüme von Jean-Paul Gaultier und die gesamte Ausstattung erschaffen eine grandios-satirische Zukunftswelt, die ein einziges optisches Spektakel ist. Ja, es ist Edeltrash. Ja, es ist Captain Planet mit Aliens. Aber das macht den Film für mich nicht schlechter.

Bruce Willis, Milla Jovovich, Gary Oldman, Ian Holm und Chris Tucker lieben ihre Rollen und gehen absolut in ihnen auf. Insbesondere Chris Tucker als Ruby Rhod ist fantastisch. Sein "Bsss" zu zitieren, passt auch in Alltagssituationen erstaunlich oft. Und den "Multipass" hat Milla Jovovich ohnehin unsterblich gemacht.

Mir persönlich gefallen auch die Schnitte. Luc Besson ist ein Meister der ironischen Szenenwechsel. Und die Wechsel zwischen Leeloos perfekt choreographiertem Kampf gegen die Mangalores und dem absoluten Höhepunkt des Films, dem Auftritt der Diva, sind schlicht genial.

Top 1: Jurassic Park

Mein absoluter Lieblingsfilm, was ich in einem anderen Blog-Beitrag ja bereits erwähnt hatte. Keinen Film habe ich so oft und so gerne gesehen. Ich kenne ihn komplett auswendig, jeden Dialog, jedes Ereignis, alles. Und wie könnte ich einen Film über Dinosaurier, der seinerzeit auch einen riesigen Dino-Hype auslöste nicht mögen?

Das erste Mal den Brachiosaurus zu sehen, war unglaublich. Der Film ist inzwischen 19 Jahre alt und hat Nichts von seinem Charme verloren. Jurassic Park zeigte schon 1993 wie man CGI richtig einsetzt, was viele Filmschaffende bis heute nicht gelernt haben. Für mich sind die realen Modelle der Dinosaurier bis heute nicht von den am PC erschaffenen zu unterscheiden. Viele Szenen sind zu absoluten Ikonen der Filmgeschichte geworden.

Und das Jurassic-Park-Theme ist für mich das beste Musikstück der Filmgeschichte, da müssen selbst andere John-Williams- oder Hans-Zimmer-Kompositionen zurückstecken.

Interessanter Weise mag ich den Film, obwohl ich das Buch liebe und Steven Spielberg doch eher frei mit der Vorlage umgegangen ist. Spielberg entfernt sich teilweise ziemlich weit von der Vorlage, setzt sie aber dennoch sehr gut um. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte auf jeden Fall mal reinschauen.

So, jetzt wisst ihr, welche meine zehn liebsten Filme sind. Ihr könnt über mich lachen, euch aufregen, mich hassen oder mir vielleicht sogar zustimmen. Vielleicht poste ich noch die Top 11 bis 20, aber vorerst muss dieser Beitrag genügen.

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Donnerstag, 26. Juli 2012
The Boring Dead
Am 26. Juli 2012 im Topic 'GlotzGedanken'
Ich hab mir The Walking Dead angesehen. Nach dem eher enttäuschenden Spiel mit seinen aufgesetzten Pseudo-"Entscheidungen" wollte ich wissen, ob die Serie um die in letzter Zeit so viel Aufhebens gemacht wird, besser ist als das nur mäßige Videospiel.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Nein, auch die Serie ist maximal mittelmäßig. Handwerklich gibt es nur wenig zu mäkeln, denn die Optik der Serie ist wirklich gelungen.

Aber der Dreh- und Angelpunkt der Serie: die Charaktere sind verschenkt. In der ersten Staffel fallen die Nebenfiguren wie die Fliegen und offenbar soll der Zuschauer um die Figuren trauern. Wenn es denn wenigstens Charaktere wären, würde ich vielleicht sogar etwas empfinden. Aber wieso sollte ich über eine Frau trauern, über die ich nur weiß, dass sie schwarz ist und sich ihre Kaffeemaschine zurückwünscht? Oder über den Typen mit Bart, der an Autos rumschraubt? Oder über das College-Girlie?

Und selbst die Hauptfiguren bleiben blass. Andrea gehört zum Maincast und ich hab erst durch das entsprechende Wiki erfahren, dass sie Staatsanwältin war, bevor die Serie sich in der vorletzten Folge der 2. Staffel dann plötzlich doch noch dazu herabgelassen hat, ihren Zuschauern den ehemaligen Beruf einer ihrer Hauptfiguren zu offenbaren.

In Film und Serien gilt die Devise: Show, don't tell. Zeig es, sag es mir nicht. Zeig mir nicht ein Gespräch mit den beiden Schwestern, gib mir doch bitte eine Rückblende, in der Andrea immer Amys Geburtstag verpasst, während diese trotzdem immer noch auf das Erscheinen ihrer Schwester hofft. Zeig mir, wie unterschiedlich der Vater mit den beiden angelt. Stattdessen bekomme ich Smalltalk in einem Boot.

Zeig mir, wie Glenn beim Ausliefern einer Pizza diese und jene Abkürzung nehmen muss, weil er spät dran ist. Und zeig mir die gleiche Szene nochmal mit Zombies oder Beißern... oder "walkers"... oder was-auch-immer.

Zeig mir das Familienleben der Greenes, als es Shawn und Annette noch gut ging. Und tu nicht einfach mit ein paar Kühlschrankfotos so als seien diese Figuren auch mal was anderes als Zombies gewesen.

Erzähl mir nicht, wie Darryl als Kind im Wald überlebt hat, sondern f'in zeig es mir. Auch hier: Darryl mit Andrea, Wechsel: Darryl als Kind, Wechsel: Darryl mit Andrea. Es kann doch nicht sein, dass ich als Zuschauer bessere Ideen habe, wie man Figuren in einer Fernsehserie glaubwürdig rüberbringt, als der Lieblingsregisseur sämtlicher IMDeBiler.

Tatsächlich werden ja Rückblenden genutzt, die bleiben aber ausschließlich auf drei Figuren beschränkt. Da hätte mehr gehen müssen.

So, das wäre dann raus. Was mich weiterhin an The Walking Dead stört, ist die krasse Vorhersehbarkeit, zumindest in der ersten Staffel. Uh, Rick packt eine Handgranate ein. Es mag ja durchaus sein, dass ich inzwischen zu sehr TVTropes-geschädigt bin, aber der Name Chekhov stand so dermaßen dick und fett in neonroten Buchstaben auf der Granate, dass es regelrecht wehtat.

Und der erwähnte Tod der vielen maximal fragmentarisch charakterisierten Redshirts, war auch keine Überraschung. Natürlich stirbt das süße College-Girl, während Cybil Bennett weiterhin nerven darf. Natürlich stirbt der Team Dad, jetzt wo sie einen zweiten gefunden haben, der sogar Verletzte wieder zusammenflicken kann.

Wenn die Ereignisse nicht gerade vorhersehbar sind, sind sie dumm. Ein Hubschrauber fliegt über Atlanta, deswegen laufen jetzt alle Zombies zu der meilenweit entfernten Farm. Wo besteht da bitte der Zusammenhang?

Und der Anfang der Serie ist ein billiger Ripoff von 28 Days Later, wo die Idee schon viel besser mit einem deutlich besseren Darsteller umgesetzt wurde.

Folge 4 von Staffel 1 ist so vollgepackt mit lachhaft dummen Rassenklischees, dass ich echt nicht weiß, wer die Folge durchgewinkt hat. Und wer diesen dummen Nonsens gut finden soll, ist mir auch schleierhaft.

Es gibt ein paar gute Momente in der Serie, aber insgesamt bin ich krass enttäuscht und verstehe echt nicht, was so viele so gut an dieser Serie finden.

Bei Game of Thrones hab ich übrigens nach der ersten Folge aufgehört. Mark Addy als König. Als fett gewordener Krieger. Kann sich ernsthaft jemand Mark Addy als Krieger vorstellen? Nein? Hab ich mir gedacht. Ich mag Mark Addy sehr, finde ihn megasympathisch. Aber hier hat der zuständige Casting-Agent einfach auf ganzer Linie versagt. Fehlbesetzung des Jahrhunderts. Ich bleibe da lieber bei den Büchern, das erste finde ich nach knapp 100 Seiten unfassbar spannend.

Auf die Comics zu The Walking Dead habe ich dagegen keine Lust mehr. Das Spiel mittelmäßig und pretentiös, die Serie langweilig und krass überhyped. Nö, da weiß ich mit meiner Zeit und meinem Geld deutlich Besseres anzufangen.

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Sonntag, 15. Januar 2012
The Elder Scrolls V: Skyrim
Am 15. Januar 2012 im Topic 'NeoRetro'


Geradezu sehnsüchtig hatten viele Rollenspieler den 11.11.2011 erwartet, den sich Bethesda als weltweites Erscheinungsdatum für Skyrim, den inzwischen fünften Teil der The-Elder-Scrolls-Reihe, ausgesucht hatte. Die Marketingstrategie erwies sich als erfolgreich, in den Verkaufscharts lag Skyrim teilweise sogar deutlich vor Überkrachern wie Battlefield oder Call of Duty. In fast allen Top-Listen verschiedenster Magazine über das Spielejahr 2011 taucht es auf und konnte sich häufig sogar den ersten Platz sichern. Ich habe es schon meinem Beitrag zu Chrono Trigger geschrieben, dass ich bei zu viel Hype gerne vorsichtig bin. Nur weil die große Masse etwas gut findet, muss es deshalb noch lange nicht gut sein.

Ich habe The Elder Scrolls: V inzwischen deutlich über 150 Stunden lang gespielt und habe die Hauptquest sowie einige Nebenmissionen erfolgreich abgeschlossen. Ich spiele die deutsche Version und der Begriff Himmelsrand (für Skyrim) gefällt mir auf Deutsch richtig gut und klingt für mich irgendwie so richtig "rollenspielig".

Man startet als Gefangener und muss sein virtuelles Blickfeld stets zu den zwei Mitgefangenen drehen, wenn man sich deren vergessbare Aussagen anhören möchte. Danach kann man sich dann eine eigene Figur erstellen. Neben Mensch, Ork und Elf kann man auch ein Katzen- oder Reptilienwesen sein. Ich persönlich habe mich für einen männlichen Nord entschieden.

Da beginnt schon mein Problem mit West-RPGs: Ich habe bei Charaktereditoren immer das leichte Gefühl, dass es relativ egal ist, wer, wie oder was meine Figur ist. Die Hauptfigur in Skyrim ist eine leere Hülle, während beispielsweise Hawke in Dragon Age II dank einer eigenen Stimme eine echte Persönlichkeit bekommt und sich nach einer gewissen Zeit in den Dialogen sogar entsprechend der Antworten des Spielers verhalten hat. Der Skyrim-Hauptheld bleibt, wie so viele Videospielfiguren, stumm.

Ich weiß auch nicht, ob es einen wirklich großen Unterschied macht, für welche Rasse man sich jetzt entscheidet. Und ich habe auch nicht das Bedürfnis, es auszuprobieren.

Die Spielerfigur ist natürlich der lange erwartete und sagenumwobene Auserwählte, der als Einziger mit der Drachenplage, die Himmelsrand zufällig gerade heimsucht, fertig werden kann. Es stellt sich nämlich heraus, dass man ein sogenanntes Drachenblut ist und die Seelen der fliegenden Riesenreptilien in sich aufnehmen kann.

Da die vom Spieler erstellte Figur nur zweckmäßig und leider so uninteressant ist, braucht das Spiel zwangsläufig einen eigentlichen Hauptdarsteller, in diesem Fall die riesige Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Diese ist wirklich gut gestaltet, aber nach einer gewissen Zeit stellt man fest, dass es echte Abwechslung eben doch nicht gibt. Tundra, Wasser, Berge und Schnee gehen fließend in einander über. Das ist natürlich eine bewusste Entscheidung gewesen, soll das Spiel doch einen nordisch-Wikinger-mäßigen Stil verbreiten.

Man kann sich in der Welt von Skyrim so richtig schön verlieren. Da will man nur noch ein paar Quests erledigen und plötzlich ist es vier Uhr morgens. Man entdeckt hier eine Ruine, bekämpft dort Bären, baut Metallerze ab oder sammelt Pflanzen.

Was auf die Welt zutrifft, gilt auch für die Dungeons. Mal sind es Eishöhlen, mal verlassene Gefängnisse, aber wirklich interessant sind letztendlich nur die Dwemer-Ruinen mit ihren mechanischen Wächtern, wenn die Bärenhöhlen oder Gletscherspalten auch gut gestaltet sind. Die Toten in Himmelsrand können offensichtlich nur in Unfrieden ruhen und suchen als Wiedergänger grundsätzlich jede Begräbnisstätte heim, die Nord können einem mit diesem Schicksal ziemlich leid tun. Nach dem Ab- kommt das untote Leben.

Skyrim hätte mich vielleicht mehr beeindruckt, wenn ich nicht vorher Xenoblade Chronicles gespielt hätte, in dem die Welt auf den Körpern zweier riesiger Titanen entstanden und entsprechend außergewöhnlich ist. Skyrim bietet dagegen den für die meisten West-RPGs typischen und bei Tolkien geklauten Fantasy-Einheitsbrei. Das ist überhaupt nichts Verwerfliches und ich bin auch großer Herr-der-Ringe-Fan, aber gegenüber den vielen originellen Ideen und faszinierenden Landschaften, die mir ein Xenoblade geboten hat, fand ich Skyrim recht durchschnittlich.

Und so gut und detailreich die Grafik auch ist, waren mir manche Teile der Spielwelt einfach zu schwarz-weiß und ich hatte das Gefühl, dass ich nachschauen müsste, ob das Kabel noch richtig drin ist. Klar, Schnee ist weiß, aber auch da muss ich wieder an Xenoblades Berg Valak erinnern, wo nachts Kristalle ein goldenes Licht verbreiten und Schnecken über Eisflächen skaten. Bei Skyrim gibt es Schnee, Steine, Bäume und vielleicht noch einen Wolf.

Besonders enttäuscht hat mich aber, dass das groß angekündigte Feature der Drachen und damit richtig viel Potential komplett verschwendet wurde. Die Riesenechsen greifen einen am Fließband an, teilweise hat man innerhalb von 10 Minuten drei Kämpfe gegen Drachen, die so zur absoluten Belanglosigkeit verkommen und regelrecht nerven. Wenn ich da an ein Shadow of the Colossus denke, wo die Endgegner mehr oder weniger den jeweiligen Level darstellen, hätte ich mir da wesentlich mehr erhofft. Auf Drachen klettern, sich an ihnen festhalten und im Sturzflug durch die Luft rasen, während man versucht, eine Schwachstelle zu finden - das wäre doch richtig spannend gewsen. Das Design der Drachen ist zwar toll, vor allen Dingen die Bewegungen, aber auch hier gibt es keine Abwechslung. Wenn ich mir dann anschaue, dass ich in Dark Souls gegen einen sogenannten "Klaffdrachen" antrete, dessen Körper ein riesiges Maul ist, dass mich zu verspeisen droht, dann verblassen dagegen die immer gleichen Feuer-, Eis- und Blutdrachen Himmelsrands völlig.

Oder man hätte den Drachen als echten Bossgegnern eine Persönlichkeit geben sollen. Zwei Drachen, bei denen das ausnahmsweise tatsächlich der Fall war, habe ich im Verlauf der Handlung als durchaus interessante Charaktere kennengelernt und eben nicht getötet, obwohl eine gewisse Fraktion dies gerne so gehabt hätte.

In Dragon Age II war ein bestimmter Drache einer der schwierigsten Gegner überhaupt und konnte nur mit guter Strategie und passender Ausrüstung überhaupt besiegt werden, in Skyrim habe ich die nervigen Schuppenträger mit einem Kaffee in der einen und dem Gamepad in der anderen Hand weggeknüppelt.

Die himmelsrändischen NPCs und deren Quests empfand ich eigentlich alle als uninteressant und ohne Auswirkung, in Xenoblade Chronicles lernte man viele Figuren gut kennen und half ihnen, oft konnte man sich zwischen zwei NPCs und verschiedenen Lösungswegen mit unterschiedlichen Auswirkungen entscheiden. Wenn man mit einer Sammelquest verhindern kann, dass ein kleiner Nopon-Junge ertrinkt, wovon man in einer Vision erfahren hat, dann hat mich das emotional wesentlich mehr involviert als die dauernden Kopfgeldmissionen in Syrim. Relativ früh habe ich mich gefragt, warum und wozu ich das hier eigentlich mache, was der absolute K.O.-Schlag für ein Rollenspiel ist, das von seinen Nebenquests leben will.

Beim Thema nicht-spielbare Charaktere muss man natürlich erwähnen, dass ausnahmslos jede Wache in Skyrim ursprünglich mal ein Abenteurer, bis sie einen Pfeil ins Knie bekam. Während die NPCs bei Dragon Age II auch mal die vierte Wand durchbrechen und darüber philosophieren, ob sie nicht von einem Fremden gesteuert werden, ist das einfach nur schlecht geschrieben und dahingerotzt.



Für mich stellt sich auch die Frage, ob Skyrim nicht einfach zu groß ist. Zu viel Magie, zu viele Waffen, zu viele Schreie und effektiv wird bei den meisten Spielern 80 % davon ungenutzt bleiben. Mir persönlich wäre weniger, dafür besser ausgearbeiteter Content lieber gewesen

Eine typische Situation in Skyrim verläuft so: Ich sammele auf dem Weg zu einem Räuberlager, falls ich nicht sowieso die Schnellreise benutze, alles Mögliche, töte darin dann alle Gegner, nehme alles mit, was nicht niet- und nagelfest, reise zurück in mein Haus und lagere die Sachen dort, ohne dass sie mir wirklich viel bringen würden. Ich denke zwar "Man kann es ja vielleicht später mal gebrauchen", aber effektiv verstauben die gesammelten Waffen und Trankzutaten meist in einer Truhe meines virtuellen Hauses.



Und da das Stichwort Dragon Age II hier schon mehrfach gefallen ist und das Spiel nach dem Erscheinen sehr viel Kritik über sich ergehen lassen musste, die mitunter wirklich völlig unberechtigt oder an den Haaren herbeigezogen war, möchte ich hier eine Lanze für das Bioware-RPG brechen. In Dragon Age II ist man Bioware-typisch wieder mit einer ganzen Riege interessanter und richtig gut geschriebener Charaktere unterwegs, die sich in den Dialogen oft grandiose Schlagabtausche liefern. In Skyrim sind die Gefährten Söldner oder eine Art Leibeigene, deren Handvoll inhaltsleerer Sätze sich ständig wiederholen

In Dragon Age 2 habe ich rund zwei Stunden Spielzeit über den Haufen geworfen und eine schwere Passage inklusive Bosskämpfen komplett noch einmal gespielt, weil einer gewissen Person etwas zugestoßen ist und ich das auf jeden Fall verhindern wollte, was mir letztendlich auch gelungen ist. Danach war ich richtig erleichtert, dass ich diese gewisse Figur vor einem tragischen Schicksal retten konnte. In Skyrim passiert einem so etwas definitiv nicht.

Ich habe zwar einen der Auto-Speicherstände neu geladen, wenn meine Begleiterin Lydia gestorben war, aber eher weil sie nützlich ist, nicht weil ich mich groß für ihre Persönlichkeit interessiert habe. Und wenn sie gestorben ist, war es oftmals deshalb, weil sie auf den Gegner losstürmen und unbedingt in einen meiner Pfeile rennen musste.

Die Hauptquest war völlig belanglos. Als ich damit fertig war, dachte ich ernsthaft "Wie, das war's jetzt schon?". Ich habe sicherheitshalber nochmal bei Twitter nachgefragt und da wurde mir bestätigt, dass die Hauptgeschichte ein absolutes Debakel ist.

Besonders negativ sind mir bei Skyrim etliche Grafik- und Technikbugs aufgefallen. Mehrfach ist mir das Spiel abgestürzt oder hat sich aufgehangen. Mal konnte ich in der Luft schwimmen, weil das Spiel offensichtlich das Wasser nicht richtig darstellen wollte, mal war mein Bücherregal unsichtbar und die Bücher trotzten der Gravitation, mal blieben Inseln ohne Texturen, Gegner stecken in Türen fest, Wachen beamten sich von einer Seite des Tisches auf die andere oder ich blieb unrettbar hinter einem Schalter stecken und musste notgedrungen den letzten Spielstand laden. So etwas darf in einem Spiel mit einem so verdammt hohen Anspruch einfach nicht passieren.

Das Kampfsystem empfand ich als sehr langweilig. Ich persönlich habe bevorzugt Pfeil und Bogen eingesetzt, um die Gegner bereits aus der Entfernung unschädlich zu machen. Im Nahkampf läuft es meistens auf draufhauen und Buttonmashing hinaus, große strategische Feinheiten braucht es da nicht. Und zur Not rennt man halt weg. Die KI der Gegner ist leider komplett dumm. Ein Gegner wird getroffen, man versteckt sich, wenn man lange genug wartet kommt ein "Muss ich mir wohl eingebildet haben", obwohl er einen Pfeil in seinem Bauch stecken hat. Das geht besser, Bethesda.

Ich empfand es als sehr gut, dass hauptsächlich die Fähigkeiten aufleveln, die man auch tatsächlich benutzt, man muss sich also nicht auf eine Charakterklasse festlegen, um dann später feszustellen, dass man mit dieser gar nicht so gut zurechtkommt, sondern kann einfach das machen, wozu man Lust hat und aus einem Dieb auch mal einen Kampfmagier oder einen Axtkämpfer machen.

Etwas unpassend und fehl am Platz fand ich manches dumme Pseudo-Horrorzeug, dass in Nebenmissionen eingebaut wurde. Ich habe Nix gegen Zombies und ich mag Horrorspiele, aber Skyrim ist kein Horrorspiel. Und warum ich dann Menschen irgendwelchen Göttern opfern, oder sie in eine Falle locken soll, um sie dann zu verspeisen, erschließt sich mir nicht. Das ist keinesfalls das erste mal, dass Themen wie Menschenopfer oder Kannibalismus in einem Spiel behandelt werden, aber so plump blutgeil muss es dann wirklich nicht sein. Und ich möchte mit meiner Figur einfach kein Werwolf, Vampir oder Kannibale sein.

Der Soundtrack ist ok, bietet aber gefühlt nur fünf Stücke. Was ich überhaupt nicht verstehe, ist die Tatsache, dass viele Videospielseiten Skyrim ernsthaft im Bereich Bereich bester Soundtrack nominiert oder gar ausgezeichnet haben. Das ist wirklich völliger Quatsch. Das Main Theme "Dragonborn" ist gut, das war's dann aber schon und in einem Jahr, in dem Portal 2, Bastion und Xenoblade Chronicles gezeigt haben, wie abwechslungsreich Videospielmusik sein kann, grenzt es an eine Farce, Skyrims mittelmäßigen Soundtrack mit Preisen zu überhäufen.

Zum Abschluss möchte ich hier noch drei Videos einbauen, die den Hype, mit dem viele auf die Ankündigung von Skyrim reagiert haben, gut darstellt. Zeichner Harry Partridge hat sich im Originalvideo auch selbst auf die Schippe genommen und weil das Video bei YouTube so für Furore sorgte, gibt es gleich zwei deutsche Übersetzungen davon:







Fazit: Skyrim ist ein gutes Spiel mit deutlichen Schwächen, sowohl auf der technischen wie auch auf der inhaltlichen Seite. Ich persönlich jedenfalls finde, dass man etwas ehrlicher an Skyrim herangehen und zugeben sollte, dass es eben nicht die große Rollenspielrevolution ist, sondern allenfalls ein gutes RPG, das leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Wer Lust auf ein sehr gutes Rollenspiel mit offener Welt hat und auch von ein klein bisschen Japano-Kitsch nicht sofort Diabetes bekommt, der sollte sich Xenoblade Chronicles für die Wii unbedingt anschauen. Es ist das deutlich bessere Spiel, ging vor lauter Skyrim-Gehype aber leider unter und taucht zu meinem Bedauern auch in fast keiner Top-Liste auf, obwohl es für mich persönlich mein Spiel des Jahres 2011 war.

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Sonntag, 18. Dezember 2011
Nintendo und The Voice of Hyrule
Am 18. Dezember 2011 im Topic 'NeoRetro'


Nintendo hat mit The Legend of Zelda: Skyward Sword einen weiteren gelungenen Teil der inzwischen stolzen 25 Jahre alten Reihe auf den Markt gebracht. Neben viel Lob wurde aber auch Einiges an Kritik geäußert, insbesondere weil Hauptheld Link immer noch nicht spricht.

Nintendo ist da aber in einer blöden Situation: Sie geben Link keine Stimme und bekomme einen Shitstorm, sie geben Link eine Stimme und bekommen einen Shitstorm, weil es nicht die Stimme ist, die die Leute wollten. So oder so kann Nintendo eigentlich nur verlieren.

Und wenn man sich an die Comic-Serie und die CDi-Titel erinnert, ging es bisher immer extrem schief, wenn man Link seinen Mund aufmachen ließ… Excuse me, Princess because I’m so hungry, I could eat an octoroc and then go bomb some dodongos.

Das Problem ist, dass mit einer Stimme direkt eine Charakterisierung festgelegt wird. Bisher war der Ansatz von Nintendo ja, dass sich jeder in Link reindenken und ihm entsprechend eine eigene Persönlichkeit geben kann. Wer ist Link denn? Wenn sie jetzt plötzlich einen grummelnden Solid Snake, einen schlitzohrigen Nathan Drake, einen taffen Chris Redfield oder einen britischen Shulk (Xenoblade) aus ihm machen, wird es einfach nicht passen.

Ich weiß auch gar nicht, wie sich Link anhören oder was er sagen könnte. Coole One-Liner, ellenlange Monologe, militärisch-knappes Gegrunze, weinerliches Fantasy-Gedudel?

Und Link ist auch nicht Mario. Wahoo und Its-a-me muss man nicht noch in Deutsch oder Spanisch übersetzen. Aber die Zelda-Spiele bieten ja durchaus Einiges an Story und Dialogen. Da muss man auch über Synchrofassungen nachdenken. Das ist teuer und die ganzen O-Ton-Fanatiker regen sich dann sowieso drüber auf, dass der deutsche Sprecher scheiße ist und man sich den ja sowieso hätte sparen können. Wenn man dann nur die englische Fassung draufpackt, regen sich viele auf, weil sie die ganze Zeit Untertitel lesen müssen, um was zu verstehen.

Ich wäre ja dafür, dass sie den Weg von Portal und Half-Life gehen und die Hauptfigur stumm lassen, dafür alle anderen richtig gut vertonen. Bei allen anderen Möglichkeiten wird Nintendo meiner Meinung nach den Kürzeren ziehen.

(Dieser Beitrag wurde bereits als Kommentar bei GamezGeneration veröffentlicht, ich fand aber, dass er sich auch als Blog-Eintrag gut machen würde).

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Mittwoch, 7. Dezember 2011
PoliTick: Die SPD und die Vorratsdatenspeicherung
Am 07. Dezember 2011 im Topic 'PoliTick'


Die SPD hat sich auf ihrem Bundesparteitag für die Vorratsdatenspeicherung entschieden. Die Abstimmung war zwar knapp, dann aber doch eindeutig. Das ist bedauerlich, weil es eine vertane Chance darstellt.

Vor der Abstimmung gab es eine gute Debatte mit vielen gelungenen, aber auch unsäglichen Redebeiträgen. Besonders hervorgetan hat sich aus meiner Sicht der Bonner Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber, der die VDS mit Ausweiskontrollen in Fußgängerzonen und dem Abfotografieren aller Autokennzeichen verglich. Von den Befürwortern kamen abgenutzte Totschlagskeulen wie Kinderpornos, Nazis und Terrorismus, die man offensichtlich nur im Internet und nirgendwo sonst bekämpfen kann. Aber immerhin sind diese Argumente noch einigermaßen stichhaltig. Dass der Staat die Daten haben darf, weil die Leute sie Google und Facebook sowieso geben, ist Quatsch. Und dass der deutsche Staat die Daten haben muss, weil die CIA sie sowieso hat, grenzt an Verschwörungstheorien. Ich habe fast eine Erwähnung der Illuminati vermisst.

Es ist wahr, Facebook und Google sammeln Daten und verkaufen diese teilweise auch. Aber zu einem gewissen Grad entscheidet der Nutzer hier selbst, welche Informationen er in (s)ein Profil einstellt und mit anderen teilt. Der Nutzer hat also einen gewissen Mindest-Einfluss darauf, welche Daten bei Google und Facebook landen. Bei der VDS gilt das nicht. Niemand weiß, welche Daten bundesdeutsche Behörden schon jetzt abrufen, speichern und auswerten. Dass Regierungsbeamte private Chat-Konversationen mitlesen oder mittels Handyortung Bewegungsprofile von Menschen erstellen könnten und das vielleicht bereits schon tun, stellt für viele zurecht eine beängstigende Vorstellung dar. Big Brother is watching you, 1984 scheint näher als man denkt.

Die Vorratsdatenspeicherung stellt alle unter Generalverdacht. Auch wenn Thomas Oppermann dies bestreitet, ist es einfach ein Fakt. Warum möchte der Staat alle Daten haben? Weil theoretisch jeder ein Verbrecher sein könnte, zumindest wenn man das Hauptargument der VDS-Befürworter ein wenig weiterdenkt. Wenn ein Staat seinen Bürgern bzw. Einwohnern mit einem solchen Grundmisstrauen entgegentritt, ist es nur verständlich, dass auch die Bürger dem Staat gegenüber argwöhnisch werden. Aber ob das der Hauptgrund für diese Datensammelwut, diese regelrechte Geilheit, alles erfassen und kontrollieren zu wollen, ist durchaus zu hinterfragen.

Schon jetzt zeigt sich, dass skrupellose Beamte mit Bayern- und Bundestrojanern sich die Möglichkeit offenhalten, sogar Mikrofone und Kameras von Computern anzuzapfen, was die Totalüberwachung einer Wohnung bedeuten würde. George Orwell drängt sich da schon wieder auf.

So sehr ich mich über die Entscheidung auch geärgert habe, ist sie letztendlich doch nur ein Stolperstein auf einem langen Weg. Neun Anträge gegen die VDS, nur einer dafür. Eine gute Debatte, bei der die VDS-Gegner klar die Mehrheit und vor allen Dingen die besseren Argumente hatten. Die Abstimmung über den Antrag war so knapp, dass sie wiederholt werden müsste, weil beim ersten Mal nicht genau zu erkennen war, wie die Mehrheitsverhältnisse sind. Wenn die Entscheidung auch ein Rückschlag war, hat sie doch gezeigt, dass Netzpolitik und die Netzpolitiker als solche in der SPD immer mehr an Einfluss gewinnen. Der Parteitagsbeschluss steht jetzt erst einmal, ist aber definitiv nicht in Granit gemeißelt. Schon auf dem nächsten Bundesparteitag kann der Beschluss kippen.

Die Netzpolitiker innerhalb der SPD sind natürlich enttäuscht, nehmen den Parteitag aber auch als Ansporn. Offensichtlich besteht noch viel Aufklärungsarbeit, weil mit Sicherheit einige nicht genau verstanden hat, welche Implikationen die VDS alle mit sich führt.

Die Piraten lachen sich einen, verstehen aber nicht, dass die SPD eben nicht die Partei der "digital natives" ist. Obwohl das Internet keineswegs neu ist, ist es für viele ältere Parteimitglieder immer noch ein neues und fremdes Medium, dem sie skeptisch gegenüber stehen. Und wenn dann das Schlagwort vom "rechtsfreien Raum" fällt, dann fühlen sie sich gleich angesprochen. Hier muss Netzpolitik ansetzen und deutlich machen, dass das Internet schon jetzt kein rechtsfreier Raum ist. Bei Twitter macht derzeit ein Tweet die Runde, dass man erst versuchen solle, sich ein deutsches Musikvideo bei YoTube anzuschauen, bevor man über den rechtsfreien Raum debattiert. Das ist absolut zutreffend, denn schon jetzt lässt die GEMA ständig Videos sperren, selbst wenn nur Sekundenschnipsel eines Songs darin enthalten sind. In einem rechtsfreien Internet wären die Videos frei verfügbar.

Ich habe mich über die Entscheidung geärgert, stehe jedoch dem Shitstorm der aus dem Piratenlager kommt, fassungslos gegenüber. Die einen wollen die SPD verbieten, andere gleich alle SPD-Mitglieder erschießen. Ich persönlich frage mich da ja, ob bei manchem Piraten die frühere NPD-Mitgliedschaft wirklich nur eine "Jugendsünde" war, mal abgesehen davon, dass es lächerlich ist, wenn 20-Jährige von Jugendsünden sprechen, wenn diese kaum zwei Jahre zurückliegen. Die Geschichte der SPD ist entweder nicht bekannt oder wird ignoriert, der Name Otto Wels ist den meisten vermutlich ein Fremdwort. Und die latente Aggressivität, wenn nicht sogar offene Gewaltbereitschaft, sollte den Piraten auf jeden Fall zu denken geben. Politische Diskussionen in einem solchen Ton zu führen, hilft nicht, wenn man tatsächlich ernst genommen werden will.

Noch mehr als diese dummen Gewaltaufrufe nerven mich jedoch Posts von SPD-Mitgliedern. Wenn da ein knapper Parteitagsbeschluss ausreicht, dass man die gesamte Partei mit Häme überschüttet und besser jetzt als gleich aus ihr austreten will, frage ich mich, was man überhaupt je in dieser Partei wollte. Schnelle Allheilmittel bietet keine Partei und ändern kann sich eine Partei nur von innen. Oft müssen dicke Bretter gebohrt werden, bevor eine Position angenommen wird. Bei der Vorratsdatenspeicherung trifft genau das zu.

Wenn man die Flinte so schnell ins Korn wirft, obwohl nur eine Schlacht, aber eben nicht der Krieg verloren wurde, um das Phrasenschwein mal ordentlich zu füttern, dann hält sich die eigene Motivation aber in sehr eingeschränkten Grenzen. Der Parteitagsbeschluss ist eine Momentaufnahme. Die Mehrheit der SPD ist offensichtlich noch für die Vorratsdatenspeicherung. Ich bin mir aber sicher, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Die Netzpolitiker müssen jetzt am Ball bleiben und mit Argumenten überzeugen. Ich persönlich habe mir jedenfalls genau das zur Aufgabe gemacht.

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