TiRos Blog
NeoRetro: Portal 2
Am 10. August 2011 im Topic 'NeoRetro'


Titel: Portal 2
Konsole: Xbox360
Entwickler: Valve
Publisher: Valve
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Action-Adventure

Bei Fortsetzungen zu Filmen stellt man oft genug fest, dass diese deutlich schlechter sind als der gute oder sogar sehr gute erste Teil. Dieses Phänomen bezeichnet man als "Sequelitis", denn oft genug geht es bloß darum, aus einer profitablen "cash cow" möglichst viel Geld herauszuquetschen. Die filmische Qualität bleibt meistens auf der Strecke, schließlich kosten gute Drehbuchschreiber auch Geld.

Bei Videospielen sind Fortsetzungen ein zweischneidiges Schwert. Einstmals gut und bekannte Franchises wie Tony Hawk und Tomb Raider wurden durch schlechte Fortsetzungen in die Versenkung gedrängt (wobei sich, zugegeben, zumindest die Rettung der Tomb-Raider-Serie am Horizont abzeichnet). Oft genug sind Fortsetzungen insbesondere durch technische Fortschritte jedoch sogar besser als der Vorgänger. Und genau das trifft auf Portal 2 zu.

Portal, die kleine und ungewöhnlich innovative Zugabe zur Orange Box, entwickelte sich schnell zu einem Publikums- und Kritikerliebling. Was leider selten genug vorkommt, sonst würden Spiele wie Beyond Good and Evil, Patapon, Psychonauts oder Okami nicht immer noch ein bemitleidenswertes Nischendasein führen, während der durchschnittliche braun-graue Shooter sich verkauft wie geschnitten Brot. Portal zeigt aber, dass sich gute und intelligente Spiele doch durchsetzen können.

Mit Portal 2 erhielt der Überraschungserfolg einen Nachfolger und die Erwartungen waren gigantisch. Oft genug enttäuschen Spiele diese bewusst oder unbewusst geschürten Erwartungen. Portal 2 schafft es jedoch, alle Erwartungen zu erfüllen und, meiner Meinung nach, sogar noch zu übertreffen.



In Portal 2 wacht man als Chell, die als Protagonistin des ersten Teils bekannt ist, in einem Zimmer auf, das wie ein Motel-Raum aussieht. Als dann jedoch der Persönlichkeitskern Wheatley auftaucht, zeigt sich, das man immer noch innerhalb des Aperture-Science-Gelände ist. Seitdem Chell jedoch Hauptcomputer GlaDos besiegt hat, ist das Gelände jedoch verfallen und von Pflanzen überwuchert worden. Nach kurzer Zeit reaktivieren Wheatley und Chell GlaDos, der das Wiedersehen mit Chell so gar nicht gefällt.

Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich eine interessante und tiefgehende Geschichte. Da das Spiel größtenteils auf Dialoge verzichtet, wird erneut die Umgebung als Erzählmedium genutzt. Die Architektur, Bilder, Schilder stellen jeweils einen kleinen Mosaikstein eines großens Gesamtbildes dar. Wie schon bei Teil 1 habe ich mich dabei auch hier wieder an Myst erinnert, das eine ähnliche Herangehensweise hat.



Die grundlegende Spielmechanik ist gleich geblieben. Weiterhin verschießt man mit der Portal-Gun blaue und gelbe Portale und versucht mit deren Hilfe, Rätsel zu lösen, um sich von A nach B zu bewegen. Doch Valve haben sich erneut ein paar talentierte Jungentwickler mit einer cleveren Idee ins Boot geholt. In Portal 2 gibt es drei verschiedene Gele, welche die Eigenschaften von Oberflächen verändern können: das Repulsion Gel, das Propulsion Gel und das Conversion Gel. Zum Lösen der zahlreichen Rätsel muss man auch diese Gele in seine Problemlösungsstrategien miteinbeziehen. Zusätzlich gibt es dann auch noch Laser-Umlenkung-Würfel, Traktorstrahlen und Lichtbrücken, die ebenfalls kreativ genutzt werden müssen.

Ein absoluter Höhepunkt ist die englische Synchronisation und ich empfehle jedem, diese Version (geht auch mit deutschem untertitel) zu zocken. Wheatley wird vom britischen Comedian Stephen Merchant wunderbar vertont, während Schauspieler J. K. Simmons (bekannt aus Spiderman und Juno) Aperture-Science-Gründer Cave Johnson seine Stimme leiht.



Manche Rätsel sind auf den ersten Blick etwas knifflig, letztendlich aber doch relativ einfach zu lösen. Mir persönlich war es peinlich, dass ich einige bei YouTube anschauen musste, obwohl ich bei ordentlichem Nachdenken ja eigentlich auf die Lösung hätte kommen müssen.


Nerd-Liedermacher Jonathan Coulton, der bereits für den ersten Teil den Song "Still Alive" schrieb, hat mit "Want You Gone" wieder einen tollen Song beigetragen:



Und mit dem melancholischen "Exile Vilify" hat auch die Band The National einen tollen Song beigesteuert.



Teilweise ist aber auch die Hintergrundmusik während des Spieles, obwohl eher dezent, sehr gelungen, zum Beispiel Looking For The Portal Gun, Core, Laser Music, Light Bridge oder Old Aperture und vor allen Dingen Ruins.

Den Koop-Mouds habe ich bisher noch nicht gespielt, aber man hört und liest überall, dass dieser ebenfalls sehr gelungen sein soll. Gegebenenfalls werde ich dazu aber noch ein kleines Update posten.

Fazit: Portal 2 schafft es, alles zu nehmen, was den vorgänger ausgemacht hat und überall noch eine Schippe draufzupacken. Gameplay, Geschichte, Grafik, Synchronisation - es ist regelrecht unglaublich, wie rund Portal 2 wirkt. Man merkt, dass hier alle Abteilungen von Anfang an Hand in Hand gearbeitet haben. Portal 2 ist eines der besten Spiele des Jahres 2011 und definitiv eines der allerbesten Spiele überhaupt. Unbedingt für jeden empfehlenswert, allerdings sollte man zunächst noch den ersten Teil spielen, wenn man das nicht schon getan hat. Außerdem auf jedem Fall mit englischer Sprachausgabe spielen - ich persönlich poche da ja nur selten drauf und zocke meistens auf Deutsch, aber bei Portal 2 ist die englische Synchronisation einfach dermaßen gelungen, dass sie in diesem Fall ein Muss ist.

Screenshots von: http://www.thinkwithportals.com/

Kommentieren