TiRos Blog
Samstag, 2. Januar 2016
10 Punkte, die ich an Episode VII mochte – oder auch nicht
Am 02. Januar 2016 im Topic 'GlotzGedanken'


Was ich mag:



Reys Miyazaki-Moment: Rey erste Momente erinnern ob bewusst oder unbewusst stark an die Animationsfilme von Hayao Miyazaki, der für seine starken weiblichen Protagonisten bekannt ist. Konkret sehe ich Parallelen zur Anfangsszene von Nausicäa aus dem Tal der Winde.



Visual Storytelling: Bleiben wir bei diesem Thema, denn während George Lucas in den Prequels gerne versuchte alles (inklusive der Macht) zu erklären, setzt Abrams auf die Devise "Show, don't tell" (zeigen, nicht erzählen), um uns beispielsweise zu vermitteln, wie lange sich Rey bereits alleine durchschlägt.

Rey, Finn, Po, BB8, Maz Kanata, Hux: Ich mag die meisten der neuen Figuren. Kurz und schmerzlos. ;)

Ich will mehr über die Figuren/das Universum erfahren: Was die Prequels zu viel haben, hat Episode VII zu wenig: Erklärungen. Aber mir ist durchaus bewusst, dass man nicht gleich im ersten Teil der neuen Trilogie bereits alle Antworten geben möchte, weshalb ich sehr darauf gespannt bin, was uns in den beiden kommenden Teilen erwartet.

Vielfältigkeit: Die drei neuen Hauptfiguren sind eine Frau, ein Schwarzer und ein Latino. Und auch in so ziemlich allen anderen Szenen sind immer Frauen, Asiaten oder Angehörige anderer Minderheiten zu sehen. Die bisherigen Star-Wars-Teile waren abgesehen von Lando Calrissian, Senator Bail Organa oder Jango und Boba Fett oft doch sehr weiß und bis auf Leia und Padme Amidala auch sehr männlich. Kleiner Wermutstropfen bleibt für mich aber, dass fast alle Hauptfiguren wieder Menschen sind. Wieso nichtmal ein Ithorianer, eine Twi'Lek, ein Lasat, etc?

Alte Garde: OK, abgesehen von Han Solo waren es oft nur Cameos, dennoch war es schön, Leia, Luke, C3PO, R2D2 oder Admiral Ackbar noch einmal zu sehen. Auch hier hoffe ich auf größere Rollen in den folgenden Teilen.

C3PO & R2D2: Ich LIEBE die beiden Droiden und C3POs "Ich hab dich so sehr vermisst, alter Freund" als R2D2 passend zum Finale des Films dann doch noch einmal erwacht ist, war mein herzerwärmender Magic Moment der siebten Episode.

Darsteller & Chemie: Es ist kein Wunder, dass Finn und Po das neueste Lieblingspaar von Tumblr und Co. sind, denn die beiden haben eine dermaßen starke Chemie, dass es durchaus über eine reine "Bromance" hinausgehen könnte. Eine solche Chemie kann man nicht erzwingen, oft genug ist das reine Glückssache. Hier hatten Abrams und seine Castingagenten offenbar ein sehr glückliches Händchen, denn die Chemie zwischen dem gesamten Darstellerriege stimmt einfach.

Wirklich witzig, natürliche Komik: Der Film ist wirklich witzig. Ich bin zwar einer der wenigen, der JarJar mag, aber insbesondere Episode I setzte dann doch zu sehr auf Slapstick, Fäkalhumor, etc. Hier ist es zwar nicht ganz auf Avengers-Level, aber die Sprüche oder auch mal eine etwas andere "Daumen-hoch"-Geste ergeben sich immer aus der Situation heraus, es passt einfach, dass die jeweilige Figur entsprechend reagiert und sich teilweise auch mal darüber lustig macht, wie absurd die Situation gerade ist.



Praktische Effekte & Aliendesigns: CGI ist nicht per se schlecht und auch hier gibt es mehr als genug davon, oft genug vermutlich auch an Stellen, an denen man es gar nicht unbedingt merkt (das ist ja das Gemeine an guter Tricktechnik - sie fällt keinem auf). Aber Abrams und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere auf praktische Effekte zu setzen, auf Kostüme und Miniaturen. Das Ergebnis spricht für sich. Deshalb hab ich mich auch ein wenig darüber geärgert, dass dank 3D und zu schneller Kameraschwenks in Maz' Cantina die Hälfte der anwesenden Gestalten nur verschwommen und unscharf zu sehen war. Schade.

Was ich nicht mag:

Snoke: Tja, gerade durch den Fokus auf praktische Effekte, sticht insbesondere der oberste Anführer Snoke sehr negativ hervor. Der Computereffekt funktioniert gar nicht. Überhaupt nicht. Auch nicht, wenn man versucht es mit "Ist ja nur ein Hologramm" wegzuerklären. Es hilft auch nicht, dass der Name und das Design dumm und hässlich sind. Dafür hat man Andy Serkis eingespannt? Echt jetzt? Sicher, dass das nicht bloß sein neuester Praktikant war?

Sydow, Serkis, Christie verschenkt: Bleiben wir beim Thema, denn neben Serkis sind auch Max von Sydow und Gwendoline Christie leider völlig verschenkt. Klar, eventuell kann man die entsprechenden Parts in Episode VIII und IX noch ausbauen, aber bisher ist mir völlig unklar, warum man für solche Winzrollen solche großen Namen gebraucht hat. Das wäre doch bestimmt auch billiger gegangen.



Fünf Planeten zerstört, wirklich zu interessieren scheint es niemanden: In Episode IV wird mit Alderaan ein Planet zerstört. Leias und Obi-Wans Reaktionen vermitteln uns die gigantische Tragweite dieser Tragödie. Die erste Ordnung ist jetzt noch blutrünstiger und vernichtet gleich FÜNF Planeten. Allerdings erfahren wir nie, welche Himmelskörper das jetzt gerade sind und so wirklich zu kümmern scheint es auch niemanden. Wir sehen ein paar Leute panisch zum Himmel staren und schwups sind die Planeten auch schon Weltallgeschichte, während die Rebellen kaum mehr als mit den Schultern zucken. Waren wohl nicht die beliebtesten Planeten.



Hans Tod: In der Nostalgia-Critic-Review wurde Han ein Red Shirt angezogen und ich hab mich fast kaputtgelacht, weil es so perfekt passt. Dass Han schon in "Rückkehr der Jedi-Ritter" sterben sollte, ist bekannt, insofern war es absolut keine Überraschung, als es dann wirklich passierte. Aber eine Sequenz, die wohl emotional sein sollte, ließ mich über Hans offensichtliche Dummheit nur mit dem Kopf schütteln. Ja, der Kerl war mal dein Sohn, aber jetzt ist er ein fucking Sith. Ich konnte nur an ein Zitat von Jack aus Mass Effect 2 denken: "You let someone get that close, it just means they need a shorter knife."

Kleinste Galaxie überhaupt: Dafür, dass Star Wars immer in einer kompletten Galaxie spielen will, ist der Kreis der wirklich wichtigen Figuren geradezu erschreckend klein. Ehrlicher wäre es, wenn es "in einer weit entfernten Familie" heißen würde. Ben "Kylo Ren" Solo ist Sohn von Han und Leia, Rey entweder Lukes oder Obi-Wans Tochter und Finn möglicherweise Landos Sohn. Gähn. Wer die Heldenreise nicht schon im Blut hat, der bleibt maximal Nebenfigur.



Völlig überzogene Symbolik: Als Finn eine blutige Hand auf seinem Helm hatte, um uns allen zu zeigen, wie bitterböse Krieg ist (was ungefähr genauso lang anhielt wie im Tomb-Raider-Reboot), konnte ich nur mit den Augen rollen und den Kopf schütteln. Ähnlich ging es mir dann als Rey und Kylo von einem Graben getrennt wurden. In 2012 war das halbwegs witzig, hier war es einfach nur lächerlich und noch dazu pure Plot Convenience, damit der Kampf schnell wieder beendet werden kann.

Aufgesetzter & unnötiger Spacebattle: Der gesamte Film fühlte sich für mich an als würde jemand mit einer Checkliste danebenstehen und abhaken, was unbedingt drin sein muss, um die Fans zufriedenzustellen. Und diese Liste verlangte eben auch eine Weltallschlacht - ob die jetzt einen narrativen Sinn ergibt und in die Handlung passt oder nicht. Klar, das war alles nett. Aber die echte Erzählung fand auf dem Boden statt, das hier war nur eine hübsche Lasershow.



Hans unnötige Zwischenepisode: Han ist Schmuggler. Wissen wir. Han schmuggelt im Zweifelsfall alles. Wissen wir. Offenbar schmuggelt er auch Sequenzen in fertige Filme, die eigentlich bereits rausgeschnitten wurden. Nur so kann ich mir erklären, wieso man diesen Moment mit seltsamen Tentakelviechern dringelassen hat. Stattdessen hätte man lieber die Szene in Maz' Cantina ausbauen sollen. Oder Max von Sydow. Oder Captain Phasma.

Kylo Ren: OK, schwierig. Kylo Ren könnte nämlich eine gelungene Analogie auf die sogenannte "toxische Maskulinität" sein. Aber trotz cooler Machtfähigkeiten (Blasterschüsse für eine halbe Ewigkeit in der Luft halten? Respekt!) ist er noch lächerlicher als Anakin. Ein kleiner Hanswurst, der gegen die Familie rebelliert, weil er jetzt halt mal dagegen sein will. Wie ein kleines Kind, das an der Kasse keine Schokolade bekommt, sich blöderweise aber der dunklen Seite der Macht zugewandt hat. Ja, das soll voll tragisch und sowas sein, hat mein zynisches Ich jedoch nicht einmal annähernd überzeugt.

Zu sehr nach Checkliste gearbeitet: Ich hab die Checkliste ja bereits erwähnt. Star Wars hat schon immer Elemente wiederholt, das ist auch völlig ok. Ich finde es nicht einmal schlimm, dass Episode VII effektiv ein Remake von Episode IV ist. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Selbstvertrauen, ein wenig mehr Mut zum Experimentieren gewünscht. Der gesamte Film war mir zu vorhersehbar. OK, mag sein, dass ich als TV-Tropes-Junkie inzwischen schwerer zu überraschen bin, aber ich sah jeden "Twist" meilenweit kommen.

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Sonntag, 26. April 2015
Avengers: Age of Ultron - Spoiler-Review
Am 26. April 2015 im Topic 'GlotzGedanken'


Avengers 2 beginnt „in medias res“. Das Superheldenteam hat sich, angeführt von Captain America und dank technischer sowie finanzieller Unterstützung von Tony Stark, dem Kampf gegen HYDRA und Waffenhändler gewidmet. Ziel ist dieses Mal eine HYDRA-Basis, in der Baron von Strucker und Dr. List an „Begabten“, Individuen mit Superkräften, herumexperimentieren. Pietro und Wanda Maximoff haben sich beide freiwillig gemeldet. Als 10-Jährige wurden ihre Eltern von Granaten getötet, die Zwillinge selbst haben zwei Tage lang unter einem Bett heraus auf eine Bombe mit dem Stark-Logo gestarrt und Todesängste erlitten. Auf Iron Man und seine Freunde sind sie darum nicht gut zu sprechen, weshalb sie das Team angreifen.

Ich war ein wenig überrascht, dass Strucker (gespielt von einem Deutschen, der in Hollywood inzwischen zum Inventar gehört: Thomas Kretschmann) und List so schnell abserviert wurden. Die aktuelle Staffel von Agents of SHIELD hat beide als kompetente Widersacher aufgebaut, aber gegen die vereine Schlagkraft der Avengers haben sie dann eben doch keine Chance.

Strucker hat auch eines der riesigen Chitauri-Monster sowie Lokis Zepter aus dem ersten Teil in seinen Besitz bringen können. Letzteres wird sichergestellt, der Kristall darin bietet für Tony sowie Bruce Banner die Basis einer künstlichen Intelligenz, die noch viel weiter entwickelt als JARVIS ist. Es zeigt sich, dass Tony den posttraumatischen Stress, der ihn nach seinem Atombombenritt durch das Wurmloch plagte, immer noch nicht ganz überwunden hat. Er will mit dem Ultron-Programm einen Schutzwall für die gesamte Erde errichten.

Fast alle Versuche gehen daneben, der finale Durchbruch gelingt dann ausgerechnet als die beiden Wissenschaftler nicht hinschauen. Ultron ist geboren und natürlich wendet sich das Frankensteinsche Monster sogleich gegen seine Schöpfer und startet eine virtuelle Attacke auf JARVIS, danach greift er dann die Avengers an, während das Team die Ruhe nach einer Party genießt, bei der auch Sam Wilson (Falcon) kurz über die Leinwand schreiten durfte und Comic-Legende Stan Lee seinen obligatorischen Cameo-Auftritt hatte. Gemeinsam mit Maria Hill und James Rhodes (War Machine) wehrt sich die Heldentruppe mehr schlecht als recht gegen den neuen Feind, der zwischenzeitlich die Roboter aus Tonys „Iron Legion“ übernommen hat.

Ultron entkommt und die Spur führt ins afrikanische Wakanda, dem einzigen Land, in dem es Vibranium gibt, das Schwingungs-absorbierende Metal, aus dem Howard Stark seinerzeit Captain Americas Schild geschmiedet hat. Wer Marvels Ankündigungen verfolgt, der weiß, dass der afrikanische Superheld Black Panther, seines Zeichens Staatsoberhaupt Wakandas, auch noch einen Film bekommen wird. Mit einem kurzen Auftritt von Andy Serkis als Waffenhändler Ulyssess „Klaw“ Klaue, in den Comics einer von Black Panthers Hauptgegnern, werden dafür schon die ersten Grundlagen geschaffen.

Klaue versorgt Ultron mit Vibranium, zum dank reißt ihm dieser einen Arm aus, als im Gespräch Tony Stark erwähnt wird, der als „Vater“ des Roboters ein absolutes rotes Tuch für ihn ist. Ich bin mir relativ sicher, dass wir den an Captain Ahab erinnernden Klaue noch einmal wiedersehen werden. Zwischenzeitlich haben sich die Zwillinge Ultron angeschlossen und insbesondere dank Wandas/Scarlet Witchs Gedankenmanipulationsfähigkeiten führen sie das Team ziemlich vor.

Tony hatte in einem ihrer Trugbilder bereits den Tod seiner Freunde gesehen, Thor trifft den allsehenden Heimdall erblindet an und Black Widow erinnert sich an ihre Zeit im Red Room zurück. Wer Agent Carter verfolgt hat, konnte bereits einen Einblick in das Ausbildungsprogramm der russischen Spioninnen erhaschen, dennoch ist es interessant zu sehen, was dort mit Natascha persönlich geschehen ist. Interessanterweise entgeht Hawkeye, der den ersten Film fast komplett unter Lokis Gedankenkontrolle verbrachte, der Manipulation und schafft es sogar, Wanda außer Gefecht zu setzen. Danach kommt es zum Kampf zwischen Hulk und Iron Man, in der eigens für solche Fälle geschaffenen Hulkbuster-Rüstung. Verfolgt von den Gesetzeshütern muss das Team anschließend erst einmal untertauchen.

Das tun sie ausgerechnet bei Hawkeyes Familie, denn Clint Barton hat ein Haus auf dem Land, eine Frau und zwei Kinder. Gerade weil er im ersten Teil fast nie Herr seiner Sinne war, kam der treffsichere Bogenschütze dort viel zu kurz. Dieses Mal lässt ihm der Film viel Raum für die Entwicklung seines Charakters.

Auch Nick Fury taucht noch einmal auf und tut das, was er am Besten kann: Er redet den niedergeschlagenen Avengers ins Gewissen und macht ihnen neuen Mut. Gemeinsam finden sie heraus, dass Ultron plant, sich weiterzuentwickeln und dabei die Hilfe von Biologin Helen Cho braucht, die zuvor bereits kurz auf der Party zu sehen war. Thor hat sich erst einmal verabschiedet, gemeinsam mit Erik Selvig will er dem von Scarlet Witch verursachten Albtraum auf den Grund gehen. Bruce braucht ebenfalls erstmal einen Moment der Einsamkeit. Tony begibt sich zum Internetknotenpunkt in Oslo, während Natascha, Clint und Steve nach Shanghai aufbrechen. Gemeinsam schaffen sie es, Ultron ein Schnippchen zu schlagen und ihm sein „Experiment“ abzuluchsen. Pietro und Wanda stellen sich gegen Ultron, nachdem sie in seinen Gedanken die Wahrheit erkennen, nämlich dass er die Vernichtung der Menschheit plant.

Tony hat in Oslo einen alten Bekannten wiedergetroffen, denn JARVIS „lebt“ eben doch noch und hat Ultron bisher davon abgehalten, beispielsweise Atomraketen zu starten. Er plant, seine KI mit dem von Ultron und Helen Cho erschaffenen Körper zu verbinden, was zum Streit innerhalb des Teams führt. Quicksilver kappt die Stromverbindung, doch Thor kehrt im entscheidenden Moment zurück und versorgt die Maschine per Blitzeinschlag mit der notwendigen Energie, denn er hat gesehen, dass dieses neue Wesen die Menschheit vor dem Untergang bewahren wird.

Vision ist geboren und der Film bestätigt viele Theorien, die Fans schon im Vorfeld aufgestellt hatten. Der Kristall in Lokis Zepter, der bisher in eine blaue Hülle gefasst war, ist der gelbe Gedankenstein, einer der sechs Infinity-Steine, was Thor auch offen ausspricht. Wir sehen auch kurz die drei anderen, die bisher bereits aufgetaucht sind: den blauen Weltallstein aus Captain America und Avengers, den roten Realitätsstein aus Thor: The Dark World und den lila-farbenen Kraftstein aus Guardians of the Galaxy. Wer die Marvel-Filme verfolgt, der sollte inzwischen wissen, über welche Kraft die insgesamt sechs Juwelen verfügen. Einmal mehr zeigt sich, dass in Marvels Cinematic Universe tatsächlich alles miteinander verbunden ist.

Gemeinsam mit den Zwillingen und Vision bereiten sich die Avengers auf den finalen Kampf gegen Ultron vor. Dieser hat zuvor bereits mehrfach von der Auslöschung der Dinosaurier durch einen Meteoriten gesprochen und macht nun Sokovia, die Heimat von Pietro und Wanda sowie der Standort der anfänglichen HYDRA-Basis zu einem künstlichen Kometen, den er dann mit der Erde kollidieren lassen will.

Das können unsere Helden natürlich nicht zulassen, weshalb sie alles tun, um Ultron das Handwerk zu legen. Ich möchte eigentlich gar nicht die Marvel-versus-DC-Kiste aufmachen, aber an dieser Stelle erscheint es mir als angebracht. Man of Steel wurde insbesondere dafür kritisiert, dass Superman als „Retter“ der Menschheit erstaunlich viele Kollateralschäden hinterlässt, letztendlich liegt gegen Ende des Films fast ganz Metropolis, immerhin die größte Stadt der DC-Comics, in Schutt und Asche. Auch in Avengers werden sehr viele Gebäude zerstört. Aber egal ob in Kapstadt, Shanghai oder Sokovia – das Team ist immer darauf bedacht, die Anzahl ziviler Opfer möglichst gering zu halten. Der Film nimmt sich immer die Zeit, zu zeigen, wie die Avengers Passanten aus der Schusslinie nehmen.

Dank Nick Fury hat das Team tatsächlich sogar einen Evakuationsplan, denn er hatte offenbar immer noch einen Helicarrier in seiner Hinterhand. Mit an Bord ist neben Maria Hill übrigens auch der Techniker, der sich in Captain America 2 weigerte, Project Insight zu starten, was ich ein klein wenig gefeiert habe. Offenbar gehört der integre junge Mann zu den wenigen Menschen, denen Fury noch vertraut.

Schon in Teil 1 hatte jeder einzelne Avenger einen Moment, in dem er dem Bösewicht, Loki, eins auf die Mütze geben konnte, auch hier ist das wieder der Fall. Jede Figur kann in einer Szene ihre Überlegenheit über Ultron demonstrieren, auch Fury, der eine der Roboterdrohnen mit einem Metallstück genüsslich durchbohrt. Wieso das signifikant ist? Tja, Cyclops ist in der X-Men-Trilogie der Anführer der Truppe, es kommt jedoch nie zu einem Kräftemessen zwischen ihm und Magneto.

Die Flucht der Zivilisten wird auch von War Machine in einem kurzen Auftritt unterstützt. Als fast alle auf dem Helicarrier in Sicherheit sind, versucht Hawkeye einen kleinen Jungen vor den Schüssen eines Quinjets zu beschützen. Und es sah für mich fast so aus, das sei sein Familienfoto, welches er vor dem Kampf eingesteckt hatte, eines der tödlichen Sorte sein könnte – gewisse Filmklischees riecht man dann ja doch schon 100 Meter gegen den Wind.

Doch Hawkeye überlebt, denn Quicksilver stellt sich in die Schusslinie. Der Nachteil an Marvels übergreifendem Universum ist eben, dass man teilweise jetzt schon weiß, dass Scarlet Witch in Doctor Strange auftreten soll und die meisten der anderen Superhelden, darunter eben auch Hawkeye, Teil des Civil War sein werden. Sein zukünftiger Auftritt hätte allerdings auch eine postume Rückblende sein können, insofern war ich nicht ganz sicher. Ich hatte schon befürchtet, dass es Pietro erwischen würde. Und da er so früh stirbt, hat der Zuschauer leider auch keine echte Chance, ihn näher kennenzulernen. Bei den Zwillingen hat sich der Film dann eben doch deutlich mehr auf Wanda konzentriert.

Aber: Es ist eine Comic-Verfilmung und der Tod hat in Marvels Welt oft doch eher einen kleinen Stachel. Wenn Nick Fury noch ein wenig GH.325 übrig hat, dann könnte Quicksilvers Ableben auch nur ein temporäres sein.

Mit vereinten Kräften besiegen die Avengers Ultron und vereiteln seinen Plan. Es kommt noch zu einer kurzen Konfrontation zwischen Vision und seiner letzten Drohne, die mit Ultrons Zerstörung endet. Wobei ich persönlich mir wünschen würde, dass ein kleiner Teil des Killerroboters überlebt hat, denn ich fand ihn durchaus einschüchternd, aber auch charismatisch. Mitunter hatte er sogar ziemlich gute Sprüche drauf, beim völlig unerwarteten „Ich kann physisch zwar nicht kotzen“ hat der voll besetze Kinosaal vor Lachen gebebt.

Ich empfand Ultron auch nicht als eindimensional. Ja, er möchte die Menschheit auslöschen, aber er will eben auch Veränderung, Fortschritt, Evolution. Tonys „Rüstung für die gesamte Welt“ ist rein zur Sicherung des Status Quo, er will die Welt in ihrem jetzigen Zustand konservieren. Ultron sieht sich selbst als die nächste Stufe und will mit Vision sogar noch einen Schritt weitergehen. Die Menschen hatten ihre Chance, wie bei den Dinosauriern will er mit einem Meteoriteneinschlag die Zukunft erzwingen. Über sich selbst und Vision als Zwischenschritte möchte er in seinem ziemlich deutlichen Pinocchio-Komplex (dank Marvels Eingliederung in den Disney-Konzern darf man sogar die Musik aus dem Zeichentrickfilm benutzen) ein echter, besserer Mensch werden, der dann das Erbe der bisherigen antritt.

Ultron ist impulsiv, er ist ein Kind und hat entsprechende Stimmungsschwankungen. Als er Klaue den Arm abreißt, scheint er gar nicht so genau zu realisieren, was er da gerade getan hat. Es hört sich eher an als hätte er eine Vase runtergeworfen. Die kann man ja wieder kleben, fällt gar nicht auf. Dass er gerade einen Menschen verstümmelt hat, weil er sich über seinen Vater aufgeregt hat, und dies etwas sehr Gravierendes ist, kann er nicht verarbeiten. Er macht Disneys Pinocchio zu seinem Vorbild und ist von Dinosauriern fasziniert – seine kindliche Natur ist überdeutlich.

Ultron glaubt, er alleine habe die Weisheit mit dem goldenen Löffel gegessen und die Erwachsenen seien grundsätzlich im Unrecht. Er vertraut nur den „gleichaltrigen“, jugendlichen Zwillingen, die ebenfalls unter seinem Vater zu leiden hatten, scheint insbesondere Wanda sehr zu schätzen und ist vom „Verrat“ des Geschwisterpaares tief getroffen. Offenbar hat er in Wanda eine Seelenverwandte gesehen, dass sie ihm dann das Herz aus der Brust reißt, ist nicht nur überraschend brutal, sondern auch eine symbolische Darstellung von Ultrons Gefühlswelt.

Ultron rebelliert gegen seinen Vater und macht sich seine „Mutter“ Helen Cho mit Hilfe eines phallischen Objektes, Lokis Zepter, gefügsam, um sich einen Sohn zu erschaffen, der dann aber bei anderen „Eltern“ aufwächst und seinen „Vater“ letztendlich tötet. Wenn Ultron bei der finalen Konfrontation dem offensichtlich viel weiseren Vision dann Naivität vorwirft, ist trieft das nur vor Scheinheiligkeit, da er sich selbst belügt. Vielleicht überinterpretiere ich das gerade ein wenig, aber für mich lässt sich Ultrons Handeln doch recht deutlich auf den Freudschen Ödipuskomplex herunterbrechen.

Am Ende des Filmes trennen sich die Wege der Avengers erneut. Hulk ist verschwunden. Thor kehrt nach Asgard zurück. Tony fährt wieder nach New York. Hawkeye genießt die Zeit bei seiner Familie, nachdem seine Frau gerade einen zweiten Sohn geboren hat. Nur Natascha und Steve (sowie Nick Fury und ein paar Nebencharaktere) sind noch in der neuen Avengers-Akademie verblieben, haben mit War Machine, Falcon, Vision und Scarlet Witch aber auch vier neue Rekruten, die es auszubilden gilt.

Während den Credits sieht man dann den Infinity-Handschuh, der für Sekundenbruchteile im ersten Thor aufgetaucht ist (zur Erinnerung: Loki leitet als Odin verkleidet immer noch die Geschicke von Asgard). Thanos ergreift den Handschuh und sagt, dass er die Dinge dann wohl doch selbst erledigen müsse. Alles, was jetzt an Filmen kommt, läuft letztendlich eben auf den zweiteiligen Infinity War in Avengers 3 hinaus.

Ich persönlich fand den zweiten Avengers deutlich stärker als den ersten. Die Avengers sind ein Team und funktionieren großartig als solches. Obwohl es viele Actionszenen gab und viel auf dem Spiel stand, wurden diese auch durch viele ruhigere Szenen, in denen die Figuren und der Zuschauer Atempausen einlegen konnten, ausgeglichen. Hawkeye, Bruce Banner und Black Widow bekamen endlich Zeit für Charakteretablierung und -entwicklung. Ultron war ein starker, charismatischer Gegenspieler, die Zwillinge und Vision sind interessante Neuzugänge. Die Avengers-Akademie, Wakanda, Hulks Exil und Thanos' Mobilmachung sind gute Handlungsstränge, an denen die kommenden Filme anknüpfen können.

Zum Abschluss möchte ich den großartigen Soundtrack von Brian Tyler und Danny Elfman für sich sprechen lassen:

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Montag, 5. Januar 2015
Ein paar Gedanken zum Marvel Cinematic Universe
Am 05. Januar 2015 im Topic 'GlotzGedanken'
Phil Coulson lebt noch und wurde im Auftrag von Nick Fury mit dem TAHITI-Projekt wiederbelebt, welches eigentlich für gefallene Avenger gedacht war. Die Schlussfolgerung, welche Nick Fury gegenüber Coulson auch bestätigt: Coulson ist ein Avenger. Außerdem ist er inzwischen auch Direktor dessen, was von SHIELD noch übriggeblieben ist. Obwohl inzwischen unter anderem Lady Sif weiß, dass er eben doch noch lebt, hat er es bisher vermieden, die Nachricht den Avengers mitzuteilen. Allerdings dürfte das im Verlauf der Filme früher oder später noch geschehen.

Auch Nick Fury hat seinen Tod vorgetäuscht und arbeitet aus dem Untergrund heraus. Seinen Posten als Direktor von SHIELD hat er an Coulson weitergegeben, nachem der diesem half, Garrett zu besiegen. Zuvor hatte er noch Fitz und Simmons gerettet, vielleicht als kleine Revanche dafür, dass er dank Fitz' "Mauslochschneider" wenigstens kurzzeitig dem Winter Soldier entkommen und sein Täuschungsmanöver durchziehen konnte.

Coulsons SHIELD-Team gehört unter anderem Barbara "Bobbi" Morse an, die in den Comics unter dem Namen Mockingbird auch zu den Avengers gehörte. Und auch Skye, deren echter Name Daisy Johnson ist und die inzwischen als Inhuman bestätigt wurde, ist Teil von Coulsons Team. Unter dem Namen Quake, entsprechend ihrer durch die "Terrigen Mists" erworbenen Fähigkeiten, war sie ebenfalls Teil der Avengers beziehungsweise hat zumindest mit diesen zusammengearbeitet. Ein Inhumans-Film wurde seitens Marvel bereits angekündigt und Vin Diesel hat geteasert, dass er in das Projekt involviert sein könnte. Welche Rolle Raina, die zusammen mit Skye verwandelt wurde, künftig einnehmen wird, bleibt noch abzuwarten.

Nach The Winter Soldier ist SHIELD mehr oder weniger zerschlagen. Coulson und sein Team arbeiten zwar weiter, haben aber weit weniger Ressourcen als vorher. Hydra existiert immer noch und hat neben Quicksilver und Scarlet Witch auch Lokis Zepter. Mit Project Centipede haben sie die in Iron Man 3 vorgestellte Forschungsarbeit von Maya Hansen und Aldrich Killian an Extremis, die auf Dr. Erskines Supersoldatenserum (welches Steve Rogers zu Captain America gemacht hat) basiert, fortgeführt. Es könnte also sein, dass Killian von Anfang an mit Hydra zusammengearbeitet hat. Und obwohl er behauptet, der Mandarin zu sein, zeigt uns der Kurzfilm "All hail the King", dass der echte Mandarin immer noch irgendwo da draußen ist und offenbar nicht so begeistert davon war, dass sich Trevor als Mandarin ausgibt. Killian hatte ihn bewusst benutzt, um die Öffentlichkeit zu täuschen, dürfte also, vorausgesetzt er hat das Ende von Iron Man 3 überlebt, nicht allzu wütend sein. Es könnte also noch passieren, dass wir den echten Mandarin in einem kommenden Film zu sehen bekommen.

Was wir auf jeden Fall sehen werden, ist der Civil War. Die US-Regierung will, dass sich alle Menschen mit Superkräften offiziell registrieren und damit auch ihre echte Identität offenbar. Dieser Gesetzvorschlag entzweit insbesondere Iron Man, der das Vorhaben unterstützt, und Captain America, der entschieden dagegen ist. Daraus entsteht ein Konflikt, der sich zu einem Bürgerkrieg steigert und mit der Ermordung von Captain America endet. Getötet wird er von Crossbones/Brock Rumlow und Sharon Carter/Agent 13, der Nichte von Peggy Carter - beide Figuren hatten bereits einen Auftritt in The Winter Soldier und könnten in Civil War ebenfalls wieder auftauchen.

Interessant ist auch, dass sich Chris Evans offenbar vom Schauspielern zurückziehen möchte oder zumindest die Rolle als Captain America nicht mehr allzu lange bekleiden will. Sebastian Stan, der Bucky Barnes und den titelgebenden Winter Soldier spielt, hat jedoch einen Vertrag über neun Filme, von denen wir bisher erst zwei gesehen haben. In den Comics übernimmt Bucky nach dem Tod von Steve Rogers dessen Rolle als Captain America. Wenn auch bisher noch nichts feststeht, spekulieren viele Fans, dass genau das auch in den Filmen passieren könnte.



Kulminieren wird das Marvel Cinematic Universe (vorerst) in Avengers 3: Infinity War. Nachdem der Infinity Gauntlet schon in Thor kurz zu sehen war und viele darüber spekuliert haben, dass der Tesseract und der Stein in Lokis Zepter zwei der dazugehörigen Infinity Stones sein könnten, haben Thor 2, Guardians of the Galaxy und der Teaser zu Avengers 3 das bestätigt. Mehr noch: Auch der Orb in Guardians und der Aether in Thor 2 sind Infity Stones.

Der Tesseract (bei dem es sich um den Space Stone handelt) befindet sich in Asgard, allerdings posiert dort Loki als Odin (und es ist nicht klar, was mit dem richtigen Allvater passiert ist). Wie bereits erwähnt, hat Hydra Lokis Zepter und damit den Mind Stone. Der Aether beziehungsweise Reality Stone ist von Sif und Volstagg zum Collector gebracht worden, der offenbar auch auf der Suche nach den anderen fünf Steine ist. Der Orb (Power Stone) wird nach den Ereignissen in Guardians of the Galaxy vom Nova Corps auf Xandaar verwahrt. Es fehlen noch der Soul und der Time Stone. Beide könnten im Verlauf der kommenden Filme, aber auch in den verschiedenen Fernsehserien auftauchen.

"To challenge them is to court death" sagt der Anführer in der Nach-Credits-Szene von Avengers. Das ist wörtlicher gemeint als man zunächst meinen würde, denn Thanos, der wahnsinnige Titan, ist in den Comics in den Tod verliebt, genauer gesagt in ihre körperliche Manifestation, Lady Death. Um zu beweisen, dass er ihrer würdig ist, möchte er alles Leben auslöschen. Dazu benötigt er den Infinity Glove und alle sechs Infinity Stones. Im Verlauf des Marvel Cinematic Universe wird er also in deren Besitz kommen. Außerdem dürften dann auch die Avengers auf die Guardians treffen und je nach Verhandlungsgeschick wird möglicherweise sogar Spider-Man heimkehren - das wäre ein Glücksfall, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, weiß aktuell aber wohl nur Kevin Feige.

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Freitag, 31. August 2012
Prinzessin Downunder's First Scream-Along Blog
Am 31. August 2012 im Topic 'GlotzGedanken'


Ja, die Überschrift ist eine ganze Aneinanderreihung schlechter Wortspiele, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Manchmal geht es einfach mit einem durch, ihr kennt das. Hier folgen fünf Kurzbesprechungen von Filmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Prinzessin Monoke

Meine Top-10-Liste hat ja schon verraten, dass ich animierte Filme sehr mag, insbesondere wenn sie aus dem Studio Ghibli kommen. Hayao Miayazaki schafft hier ein perfektes Zusammenspiel von gezeichneter und Computeranimation. Wie die meisten anderen Studio-Ghibli-Filme ist Prinzessin Mononoke ein optisches Spektakel. Alle Charaktere sind sympathisch, nachvollziehbar und dreidimensional. Selbst die "Bösewichte" haben ihre guten Seiten. Letztendlich ist es die bessere Version von Nausicäa und damit auch die bessere Version von Pocahontas und damit auch sehr viel besser als Avatar, der überbewerteste Film aller Zeiten. Und wer sich ein bisschen intensiver mit dem Film beschäftigt, bekommt sogar noch eine Lektion in japanischer Geschichte.

Dr Horrible's Sing-Along Blog

Joss Whedon hat sich dieses Jahr mit dem großartigen Avengers endlich ganz weit nach vorne katapultiert. Bekannt für Serien wie Buffy und Firefly, hat er mit Dr Horrible eine Art Edel-Online-Video gedreht. Interessanter Weise entstand der Film während des Writer's Strike, doch Joss Whedon braucht gar keine Schreiberlinge von außerhalb. Neil Patrick Harris spielt den Video-bloggenden Dr Horrible, der in die Riege der Überbösewichte aufgenommen werden will. Im Waschsalon lernt er die Liebe seines Lebens kennen, gespielt von Felicia Day, jedoch wird sie ihm von seinem Erzfeind Captain Hammer weggeschnappt. Dr Horrible ist ein sympathischer Geek, während der "Held" Captain Hammer ein fieser Widerling ist. Die Songs sind gelungen, die drei Hauptdarsteller überzeugen und Whedon stellt so manches Superhelden- und Superbösewichte-Klischee auf den Kopf. Was will man mehr?

Scream 4

Viele Jahre sind seit den Woodsboro-Morden vergangen und Sidney Prescott kehrt als erfolgreiche Schriftstellerin in ihren Heimatort zurück. Doch leider bedroht eine neue Mordserie die Stadt. Ich liebe Scream 1 und 2, die beiden Filme schaffen es einerseits, Parodie auf alle möglichen Horrorklischees und trotzdem spannende Slasher-Filme zu sein. Teil 3 fiel dann leider in der Qualität deutlich ab. Mit einem vierten Teil hat keiner gerechnet und ich war dieser Fortsetzung gegenüber auch sehr skeptisch. Scream 4 hat seine Fehler, hat mich aber dennoch überzeugt.

Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette haben sehr viel Spaß dabei, wieder in ihre alten Rollen zu schlüpfen. Auch die vielen neuen Figuren überzeugen dank namhafter Darsteller. Den größten und besten Eindruck hinterlässt jedoch Hayden Panetierre als Kirby. Der Filmgeek in Scream 4 ist ausgerechnet die attraktive Blondine, die alle männlichen Filmfans locker aussticht. Auch hier schafft es Scream mal wieder, Klischees zu untergraben. Mit Scream 4 gibt es nun endlich den echten dritten Teil, den anderen können wir gerne unter den Tisch fallen lassen.

Rescuers Downunder - Bernard und Bianca im Känguruland

Ich hatte diesen Film damals im Kino gesehen, aber vergessen, wie gut er ist. Durch verschiedene Onlinereviews bin ich jetzt aber dazu gekommen, ihn mir wieder anzusehen. Meine Güte, wie konnte ich diesen Film vergessen? Die Animation, teilweise computergestützt ist großartig, die Flugszenen sind atemberaubend, die Voice Actor, insbesondere John Candy als Wilbur sind hervorragend. Dennoch scheinen viele diesen Film vergessen zu haben, was womöglich daran liegt, dass es a) eine Fortsetzung und b) kein typischer Disney-Film ist. Aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen. Rescuers Downunder ist ein großartiger Adventure-Film für große und kleine Disney-Fans.

X-Men: First Class

Nach dem komplett misslungenen X-Men Origins: Wolverine war ich auch diesem Film gegenüber eher skeptisch. Die Skepsis erwies sich jedoch als unangebracht, denn First Class ist eine sehr gute Entschädigung für Wolverine. Wir erleben die Jugend von Professor X, Magneto und Mystique, gespielt von James MacAvoy, Michael Fassbender und Jennifer Lawrence in einer Welt, die sich erst langsam und widerwillig an das neue Phänomen der Mutanten anpassen muss. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der Kommunistenhatz in den USA entsteht eine interessante Analogie für den Kampf gegen Vorurteile. Die drei Hauptdarsteller legen hervorragende Performances ab. MacAvoy reißt einen mit seinem Optimismus und seiner Faszination absolut mit, Michael Fassbender verkörpert eine gelungene Mischung aus Wut und Charme. Aber auch Kevin Bacon als Sebastian Shaw hat sehr viel Spaß an seinem Playboy-Bösewicht.

Die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, die Effekte wie beispielsweise Emma Frosts Diamantenform oder Azazels Teleportationen sind gelungen. Besonders aufgefallen sind mir jedoch die durchgestylten 60er-Jahre-Szenenbilder, in die man ganz offensichtlich sehr viel Arbeit und Liebe zum Detail gesteckt hat. Und als Abschluss kann ich nur sagen, dass ich auf den Nachfolger "Days of Future Past" echt gespannt bin.

Fünf Filme und fast gar keine Kritik? Ja, ich weiß, das ist langweilig. Aber mir hat jeder dieser Filme auf seine ganz eigene Art gefallen. Und im Internet gibt es bereits genügend Leute, die schlechte Filme reviewen, was ich ihnen auch gerne überlasse.

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Mittwoch, 1. August 2012
Meine Top-10-Lieblingsfilme
Am 01. August 2012 im Topic 'GlotzGedanken'


Ich habe mich entschieden, eine Liste mit meinen Lieblingsfilmen zu erstellen. Ich hätte gar nicht gedacht, dass das so schwierig ist. Denn um eine Liste seiner Lieblingsfilme zu erstellen, muss man sich erst einmal selbst darüber klar werden, was denn die eigenen Lieblingsfilme denn überhaupt sein könnten. Und letztendlich bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, deshalb könnte es durchaus vorkommen, dass ich noch einen zweiten Teil bringe.

Hier aber erstmal meine derzeitigen Favoriten in rückwärtiger Reihenfolge, damit auch der Spannungsbogen einigermaßen erhalten bleibt.

Top 10: Findet Nemo

Ich liebe Pixar. Aus diesem Studio kommen so viele gute Filme, die regelmäßig beweisen, dass Animationsfilme eben nicht nur für Kinder, sondern ein legitimes Medium und eine echte Kunstform sind. Wall-E und Oben mögen die besseren Filme sein, aber Findet Nemo spricht mich dann doch einfach noch ein bisschen mehr an. Ein grafisch absolut beeindruckendes Road-Movie mit sympathischen Charakteren. Die deutsche Synchronisation ist wirklich gelungen und Anke Engelke stiehlt als Dori einfach allen anderen die Show. "Einfach schwimmen, einfach schwimmen."

Top 9: Herr der Ringe - Die zwei Türme

"Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo, und dafür lohnt es sich, zu kämpfen!" Die gesamte Herr-der-Ringe-Reihe ist ein Meisterwerk. Aber dieser eine Satz lässt den zweiten Film für mich einfach am Meisten herausstechen. Samweis Gamdschie ist ohnehin die insgeheime Hauptfigur der Trilogie und in solchen Momenten zeigt sich das ganz deutlich. Was soll ich sonst noch sagen? Die Ents sind sehr gut umgesetzt, die Schlacht um Helms Klamm ist die pure Definition von episch, die Schauspieler und die von ihnen verkörperten Charaktere sind großartig. Und Peter Jackson hat uns bewiesen, dass Tolkiens Mittelerde in Neuseeland liegt.

Top 8: Terminator 2 – Tag der Abrechnung

Für mich der mit Abstand beste Action-Film, der beweist, dass Action eben nicht dumm sein muss. Lange bevor Michael Bay mit Roboterhoden, dummen Pisswitzen und nervig-unnötigen Nebencharakteren das Action-Genre auf pures Bummbummbumm reduziert hat, durften Action-Filme auch ruhige Momente und ausgearbeitete Figuren beinhalten. Die Chemie zwischen dem "straßenschlauen" John Connor und dem Terminator, der immer menschlicher und dadurch immer mehr zu dessen Ersatzvater wird, ist in jeder Szene des Filmes zu spüren. Robert Patrick als Gegenspieler zu Arnold Schwarzenegger war eine sehr gute Casting-Entscheidung. Statt purer Muskelmasse ist der viel gefährlichere T-1000 ein schlanker Läufer. Und indem er den Körper eines Polizisten imitiert, untergräbt er sogar die vermeintliche Sicherheit, die ein Ordnungshüter bieten sollte. Die Action-Szenen sind wuchtig, die Geschichte gut erzählt und das Ende voller Emotionen.

Top 7: Titanic

Ja, ich stehe dazu. Anscheinend ist Titanic für die meisten nur purer Kitsch, für mich ist es ein sehr guter Film. Der Film hat damals einen regelrechten Titanic-Hype ausgelöst. In Hamburg gab es eine riesige Titanic-Ausstellung mit Original-Fundstücken, die man aus dem Wrack geborgen hat. Von riesigen Kohlestücken bis zu winzigen Alltagsgegenständen, jedes Exponat erzählte seinen kleinen Teil der Tragödie. Die Original-Aufnahmen des Wracks zu sehen, erfüllen mich bis heute mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Grusel, ein erhabenes Gefühl, in diesem Zusammenhang empfehle ich auch James Camerons großartige Dokumentation "Die Geister der Titanic". Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, aber was bitte ist daran auszusetzen? Zumal wenn diese zwischen zwei der besten Schauspieler überhaupt stattfindet, die ihre Rollen mit Hingabe verkörpern. Klar, einige Szenen sind unfreiwillig komisch. In meinem Freundeskreis ist das Zitieren der "Komm-zurück!"-Szene zu einem regelrechten Running-Gag geworden. Doch selbst das schmälert nicht den Eindruck, den Titanic bei mir hinterlässt.

Top 6: Das Schloss im Himmel

Ein weiterer animierter Film auf meiner Top-Liste und es wird nicht der letzte bleiben. Dank SuperRTL bin ich in Berührung mit diesem Film gekommen. Zunächst lief "Nausicäa aus dem Tal der Winde", der ok ist. Danach kam "Das Schloss im Himmel" und ich war absolut beeindruckt. Die gezeichnete Animation ist fantastisch, die Charaktere sind sympathisch, der Soundtrack ist gelungen, die Geschichte ist mitreißend und vor allen Dingen ist der Bösewicht nicht in schwarz-und-weiß gezeichnet, sondern vielschichtig. Vielleicht kommt hier auch meine Vorliebe für japanische Rollenspiele zum Tragen, weil der Plot durchaus Klischees folgt, die man auch in Japano-RPGs wiederfindet, aber gegen sinnvoll genutzte Tropen ist doch Nix einzuwenden. Und das Main Theme dürfte auch noch die letzten Zweifel auslöschen. Kinderfilm? Auch, aber nicht nur.

Top 5: The People vs. George Lucas

Ich bin großer Star-Wars-Fan und ich bin großer Indiana-Jones-Fan. Aber ich verstehe manchmal nicht, warum sich George Lucas solch krassem Hass ausgesetzt sehen muss. Episode 1 hat seine Fehler ist aber unterhaltsam und spätestens mit 3 hat er gezeigt, dass er sein Talent noch lange nicht verloren hat. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels hat mir sogar richtig gut gefallen, insbesondere weil ich von den Nazca-Linien fasziniert bin. Außerdem bilden Indy 1, 3 und 4 eine kohärente Reihe, während der Tiefpunkt der Serie, Tempel des Todes, außer der Hauptfigur keine Verbindung zu den anderen Filmen, dafür aber zwei über-nervige Sidekicks hat.

Ja, Han hat geschossen. Nicht zuerst, denn Greedo kam im Original-Cut gar nicht mehr zum Gegenschuss. Insofern ist "Han Shot First" Quatsch, liebe Geeks. JarJar nervt, Anakin ist ein nöhlender Emo, stimmt alles. Aber muss man sich darüber so dermaßen aufregen?

In The People vs. George Lucas wird die Hassliebe zwischen Lucas und seinen Fans zum Hauptthema gemacht. Seine Biographie, die Filme, das Vermarkten von Merchandise, die veränderten Spezialversionen und die Furcht davor, dass Lucas irgendwann doch aufhören könnte - die abgedeckten Themen sind breit gefächert. Und trotz der ganzen Nerd-Rage, die meiner Meinung nach meistens nur zeigt, wie ätzend konservativ Nerds und Geeks sind, die sich sonst ja immer als sooooooooo progressiv sehen, wird der Film von einer angenehm versöhnlichen Stimmung getragen.

Ha, mit nur einem Eintrag alle Star-Wars- und Indiana-Jones-Filme in die Top 10 gemogelt. Kleiner Scherz. Aber jeder, der auch nur annähernd mit einem der Filme etwas anfangen kann, sollte sich diese Dokumentation unbedingt ansehen. Vielleicht gerade dann, wenn er sich regelmäßig über "Han Shot First" und andere Kleinigkeiten aufregt.

Top 4: Kung Fu Panda 2

Noch ein animierter Film in meiner Top-Liste. Und falls es noch nicht offensichtlich genug ist, gebe ich gerne zu, dass ich eine riesige Vorliebe für Animationsfilme habe. Ich bin großer Pixar-Anhänger, die meisten Dreamworks-Filme sind dagegen eher durchschnittlich und oft ganz klare Anti-Disney-Mittelfinger. Doch inzwischen scheint das Studio sein Anti-Disney-Sein überwunden zu haben und hat sich stattdessen entschlossen, richtig gute Filme zu machen.

Kung Fu Panda 1 ist ok, aber 2 hat mich komplett umgehauen. Während der erste noch verstärkt auf Slap-Stick gesetzt hat und auch plot-technisch mit Sicherheit nicht der Beste war, setzt der zweite Teil in allen Belangen gleich mehrere Schippen drauf.

Ich sehe mir Filme gerne in der deutschen Synchronfassung an, aber Kung Fu Panda 2 musste ich im Original sehen. Der Grund: Jack Black. Hape Kerkeling ist ok, aber Energiebündel und Rampensau Jack Black geht so dermaßen in seiner Rolle auf, dass er bloß mit seiner Stimme alle an die Wand spielt. Jack Black ist der Kung Fu Panda, Jack Black ist Po.

Und Po muss sich im zweiten Teil seiner Vergangenheit stellen, die mit einem mysteriösen neuen Bösewicht zusammenhängt.

Auch wenn es im Zusammenhang mit dem Film ein dummes Wortspiel ist: Kung Fu Panda 2 ist ein optisches Feuerwerk, insbesondere die Pagoden-Szene ist visuell absolutbeeindruckend. Und neben der 3D-Animation hat man die Rückblenden auch noch in einem ebenfalls sehr gelungenen 2D-Stil umgesetzt.

Ob es die Szenen mit Pos (Adoptiv-)Vater, das Herausfinden seiner Vergangenheit oder das Meistern des Kung Fu sind, ich saß regelmäßig mit Tränen in den Augen da und war emotional zutiefst berührt. Und Hans Zimmer, der mich mit seiner Musik immer kriegt (beispielsweise mit "This Land und Chévaliers de Sangreal"), trägt auch hier wieder dazu bei, die Szene noch besser zu machen.

Fortsetzungen sind so eine Sache, aber nach der extremen Steigerung von Teil 1 zu 2 warte ich gespannt auf den dritten Teil der Reihe, die aus dem vermeintlichen "Beverly-Hills-Ninja"-Konzept eine spannende Geschichte geschaffen hat.

Top 3: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Ich habe einem Film über George Lucas bereits einen Platz in meinen Top 10 gewidmet, aber ein Film von ihm selbst hat es ebenfalls geschafft und ist sogar unter meinen drei absoluten Lieblingen gelandet. So sehr ich die Star-Wars-Filme auch liebe, mag ich den dritten Indiana Jones einfach noch mehr.

Ich liebe das Abenteuer-auf-der-Jagd-nach-einer-Reliquie-Konzept abgöttisch. Ob es die originale Indy-Filme sind, ob es Nicolas Cages Vermächtnis-Filme, Noah Wyles The-Quest-Filme oder die Uncharted-Spiele sind, die ich mir aufgrund ihrer filmischen Natur und dem Mangel an Sony-Konsolen per YouTube angesehen habe. Da ich mich auch mittels Büchern und Dokumentationen immer gerne über Archäologie und alte Kulturen informiere, ist die fiktionalisierte Variante davon stets etwas, was mich fasziniert.

Der dritte Teil der Indy-Filme ist für mich der mit Abstand beste. Sean Connery als den Vater von Indiana Jones zu casten, war eine geniale Idee, denn Indy basiert neben alten B-Filmen vor allem auf James Bond. Beide neigen dazu, sich in ausweglose Situationen zu manövrieren und entgegen jede Wahrscheinlichkeit zu überleben (das Schlauchboot ist übrigens genauso dumm wie der Kühlschrank, wenn nicht sogar dümmer).

Connery und Ford funktionieren als Vater-Sohn-Gespann dermaßen gut, dass alles Andere zur Nebensache wird. Der Film enthält so viele gute Szenen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Die Bibliothek, der Sprung des Glaubens, die Verfolgungsjagd in der Schlucht des sichelförmigen Mondes - eine besser und spannender als die andere.

Top 2: Das fünfte Element

Ich liebe diesen Film, weil er so dermaßen übertrieben ist. Die Kostüme von Jean-Paul Gaultier und die gesamte Ausstattung erschaffen eine grandios-satirische Zukunftswelt, die ein einziges optisches Spektakel ist. Ja, es ist Edeltrash. Ja, es ist Captain Planet mit Aliens. Aber das macht den Film für mich nicht schlechter.

Bruce Willis, Milla Jovovich, Gary Oldman, Ian Holm und Chris Tucker lieben ihre Rollen und gehen absolut in ihnen auf. Insbesondere Chris Tucker als Ruby Rhod ist fantastisch. Sein "Bsss" zu zitieren, passt auch in Alltagssituationen erstaunlich oft. Und den "Multipass" hat Milla Jovovich ohnehin unsterblich gemacht.

Mir persönlich gefallen auch die Schnitte. Luc Besson ist ein Meister der ironischen Szenenwechsel. Und die Wechsel zwischen Leeloos perfekt choreographiertem Kampf gegen die Mangalores und dem absoluten Höhepunkt des Films, dem Auftritt der Diva, sind schlicht genial.

Top 1: Jurassic Park

Mein absoluter Lieblingsfilm, was ich in einem anderen Blog-Beitrag ja bereits erwähnt hatte. Keinen Film habe ich so oft und so gerne gesehen. Ich kenne ihn komplett auswendig, jeden Dialog, jedes Ereignis, alles. Und wie könnte ich einen Film über Dinosaurier, der seinerzeit auch einen riesigen Dino-Hype auslöste nicht mögen?

Das erste Mal den Brachiosaurus zu sehen, war unglaublich. Der Film ist inzwischen 19 Jahre alt und hat Nichts von seinem Charme verloren. Jurassic Park zeigte schon 1993 wie man CGI richtig einsetzt, was viele Filmschaffende bis heute nicht gelernt haben. Für mich sind die realen Modelle der Dinosaurier bis heute nicht von den am PC erschaffenen zu unterscheiden. Viele Szenen sind zu absoluten Ikonen der Filmgeschichte geworden.

Und das Jurassic-Park-Theme ist für mich das beste Musikstück der Filmgeschichte, da müssen selbst andere John-Williams- oder Hans-Zimmer-Kompositionen zurückstecken.

Interessanter Weise mag ich den Film, obwohl ich das Buch liebe und Steven Spielberg doch eher frei mit der Vorlage umgegangen ist. Spielberg entfernt sich teilweise ziemlich weit von der Vorlage, setzt sie aber dennoch sehr gut um. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte auf jeden Fall mal reinschauen.

So, jetzt wisst ihr, welche meine zehn liebsten Filme sind. Ihr könnt über mich lachen, euch aufregen, mich hassen oder mir vielleicht sogar zustimmen. Vielleicht poste ich noch die Top 11 bis 20, aber vorerst muss dieser Beitrag genügen.

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Donnerstag, 26. Juli 2012
The Boring Dead
Am 26. Juli 2012 im Topic 'GlotzGedanken'
Ich hab mir The Walking Dead angesehen. Nach dem eher enttäuschenden Spiel mit seinen aufgesetzten Pseudo-"Entscheidungen" wollte ich wissen, ob die Serie um die in letzter Zeit so viel Aufhebens gemacht wird, besser ist als das nur mäßige Videospiel.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Nein, auch die Serie ist maximal mittelmäßig. Handwerklich gibt es nur wenig zu mäkeln, denn die Optik der Serie ist wirklich gelungen.

Aber der Dreh- und Angelpunkt der Serie: die Charaktere sind verschenkt. In der ersten Staffel fallen die Nebenfiguren wie die Fliegen und offenbar soll der Zuschauer um die Figuren trauern. Wenn es denn wenigstens Charaktere wären, würde ich vielleicht sogar etwas empfinden. Aber wieso sollte ich über eine Frau trauern, über die ich nur weiß, dass sie schwarz ist und sich ihre Kaffeemaschine zurückwünscht? Oder über den Typen mit Bart, der an Autos rumschraubt? Oder über das College-Girlie?

Und selbst die Hauptfiguren bleiben blass. Andrea gehört zum Maincast und ich hab erst durch das entsprechende Wiki erfahren, dass sie Staatsanwältin war, bevor die Serie sich in der vorletzten Folge der 2. Staffel dann plötzlich doch noch dazu herabgelassen hat, ihren Zuschauern den ehemaligen Beruf einer ihrer Hauptfiguren zu offenbaren.

In Film und Serien gilt die Devise: Show, don't tell. Zeig es, sag es mir nicht. Zeig mir nicht ein Gespräch mit den beiden Schwestern, gib mir doch bitte eine Rückblende, in der Andrea immer Amys Geburtstag verpasst, während diese trotzdem immer noch auf das Erscheinen ihrer Schwester hofft. Zeig mir, wie unterschiedlich der Vater mit den beiden angelt. Stattdessen bekomme ich Smalltalk in einem Boot.

Zeig mir, wie Glenn beim Ausliefern einer Pizza diese und jene Abkürzung nehmen muss, weil er spät dran ist. Und zeig mir die gleiche Szene nochmal mit Zombies oder Beißern... oder "walkers"... oder was-auch-immer.

Zeig mir das Familienleben der Greenes, als es Shawn und Annette noch gut ging. Und tu nicht einfach mit ein paar Kühlschrankfotos so als seien diese Figuren auch mal was anderes als Zombies gewesen.

Erzähl mir nicht, wie Darryl als Kind im Wald überlebt hat, sondern f'in zeig es mir. Auch hier: Darryl mit Andrea, Wechsel: Darryl als Kind, Wechsel: Darryl mit Andrea. Es kann doch nicht sein, dass ich als Zuschauer bessere Ideen habe, wie man Figuren in einer Fernsehserie glaubwürdig rüberbringt, als der Lieblingsregisseur sämtlicher IMDeBiler.

Tatsächlich werden ja Rückblenden genutzt, die bleiben aber ausschließlich auf drei Figuren beschränkt. Da hätte mehr gehen müssen.

So, das wäre dann raus. Was mich weiterhin an The Walking Dead stört, ist die krasse Vorhersehbarkeit, zumindest in der ersten Staffel. Uh, Rick packt eine Handgranate ein. Es mag ja durchaus sein, dass ich inzwischen zu sehr TVTropes-geschädigt bin, aber der Name Chekhov stand so dermaßen dick und fett in neonroten Buchstaben auf der Granate, dass es regelrecht wehtat.

Und der erwähnte Tod der vielen maximal fragmentarisch charakterisierten Redshirts, war auch keine Überraschung. Natürlich stirbt das süße College-Girl, während Cybil Bennett weiterhin nerven darf. Natürlich stirbt der Team Dad, jetzt wo sie einen zweiten gefunden haben, der sogar Verletzte wieder zusammenflicken kann.

Wenn die Ereignisse nicht gerade vorhersehbar sind, sind sie dumm. Ein Hubschrauber fliegt über Atlanta, deswegen laufen jetzt alle Zombies zu der meilenweit entfernten Farm. Wo besteht da bitte der Zusammenhang?

Und der Anfang der Serie ist ein billiger Ripoff von 28 Days Later, wo die Idee schon viel besser mit einem deutlich besseren Darsteller umgesetzt wurde.

Folge 4 von Staffel 1 ist so vollgepackt mit lachhaft dummen Rassenklischees, dass ich echt nicht weiß, wer die Folge durchgewinkt hat. Und wer diesen dummen Nonsens gut finden soll, ist mir auch schleierhaft.

Es gibt ein paar gute Momente in der Serie, aber insgesamt bin ich krass enttäuscht und verstehe echt nicht, was so viele so gut an dieser Serie finden.

Bei Game of Thrones hab ich übrigens nach der ersten Folge aufgehört. Mark Addy als König. Als fett gewordener Krieger. Kann sich ernsthaft jemand Mark Addy als Krieger vorstellen? Nein? Hab ich mir gedacht. Ich mag Mark Addy sehr, finde ihn megasympathisch. Aber hier hat der zuständige Casting-Agent einfach auf ganzer Linie versagt. Fehlbesetzung des Jahrhunderts. Ich bleibe da lieber bei den Büchern, das erste finde ich nach knapp 100 Seiten unfassbar spannend.

Auf die Comics zu The Walking Dead habe ich dagegen keine Lust mehr. Das Spiel mittelmäßig und pretentiös, die Serie langweilig und krass überhyped. Nö, da weiß ich mit meiner Zeit und meinem Geld deutlich Besseres anzufangen.

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Freitag, 15. Juli 2011
GlotzGedanken: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2
Am 15. Juli 2011 im Topic 'GlotzGedanken'


Eine Ära geht zuende. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist in den Kinos angelaufen und schließt nach stolzen zehn Jahren eine der größten Filmreihen ab.

Nach dem ersten Teil habe ich mich riesig auf den zweiten Teil gefreut. Und ich weiß nicht, ob ich mich jemals so sehr auf einen anderen Film gefreut habe. Gerade als großer Fan der Bücher aus der Feder J.K. Rowlings habe ich mir die Filme immer gerne angeschaut. Und selbst wenn man Harry Potter nicht mag, wird man zugeben müssen, dass die Filme allesamt sehr gut sind.

Ich persönlich sehe Teil 71. und 7.2 als einen Film an. Während der erste Teil sich hauptsächlich auf Harry, Ron und Hermine konzentriert und eher etwas ruhiger daherkommt, legt der zweite Teil den Fokus auch auf die vielen Nebenfiguren und bietet jede Menge Action. Sogesehen bilden die beiden Filme also jeweils das Komplement des andere und die beste Wirkung erzielen sie vermutlich, wenn man sie beide direkt nacheinander sieht.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist ein episches Finale. Die Schlacht um Hogwarts kann locker mit entsprechenden Szenen aus Herr der Ringe oder Star Wars mithalten. Darüber hinaus ist es, gerade für Fans der Bücher, sehr gelungen, wie der Film alle losen Enden noch einmal aufgreift und miteinander verknüpft. Sehr oft wird auf Ereignisse des allerersten Teiles Bezug genommen, es schadet also nicht, wenn man diesen noch einigermaßen frisch in Erinnerung hat. Wobei den ohnehin so ziemlich jeder schon mal gesehen haben wird.

Die bereits erwähnten Nebenfiguren spielen eine sehr große Rolle und es dürfte die größte Leistung der Filmreihe sein, dass man fast den gesamten Cast über zehn Jahre und sieben Filme hinweg bei der Stange halten konnte. Auch wenn natürlich nicht alle Figuren eine große Rolle spielen, haben sie zumindest Kurzauftritte, über die sich vor allen Dingen die Fans sehr freuen werden. Das wirkt ein wenig so als "reise" der Film zum Ende der Reihe hin nochmal zu allen Figuren, um sich von diesen zu verabschieden.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist definitiv kein reiner Kinderfilm, stellenweise geht es sogar ziemlich brutal zu. Viele Kinder haben zwar mit Sicherheit das Buch gelesen, aber die Darstellung von Gewalt im Medium Film ist letztendlich wieder etwas völlig anderes als die in geschriebener Form. Bereits der erste Harry-Potter-Film löste Diskussionen über die Altersfreigabe von Filmen aus und führte letztendlich sogar zu einer Änderung des Jugendschutzgesetzes.

Mir persönlich sind gegenüber der Vorlage nur wenige Abweichungen aufgefallen. Und die größte davon, eine gewisse "Romanze", fand ich letztendlich auch eine sympathische Änderung.

Visuell ist der Film absolut gelungen, das Set-Design (z.B. die Gestaltung der Shell Cottage, Gringott's und Hogwarts) und die Spezialeffekte schaffen das richtige phantastische Flair. Die Filmmusik, die noch einmal alle bekannten Themen der vorherigen Filme angreift, ist brilliant.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist ein Kino-Film, den man sich auf der großen Leinwand anschauen muss. Ich persönlich bin ein Film-Freak, aber ich gehe nicht sonderlich gerne ins Kino, was einfach daran liegt, dass es nur selten Filme gibt, die es tatsächlich verdienen, dass sie im Kino geschaut werden. Oft sind es ja doch eher RTL-20:15-Nebenbei-Guck-Filme, um mal die Herren Körber und Hammes aus der Medien-KuH zu zitieren. Bei Harry Potter 7.2 lohnt sich das Kino-Ticket aber auf jeden Fall.

Ich persönlich habe den Film nur in 2D gesehen, habe inzwischen aber mehrfach gehört und gelesen, dass die 3D-Fassung weniger gelungen sein soll, da letztendlich kaum 3D-Effekte enthalten sind. Ich würde deshalb dazu raten, sich die entsprechenden Mehrkosten zu sparen und in die klassische 2D-Variante zu gehen.

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Samstag, 22. Januar 2011
GlotzGedanken: Küss den Frosch - Disney lebt und wie!
Am 22. Januar 2011 im Topic 'GlotzGedanken'


Vor Kurzem habe ich mir Disneys neuesten Zeichentrickfilm Küss den Frosch (The Princess and the Frog, 2009) angeschaut und bin immer noch hin und weg. Ich liebe Disney - und dieser Film verpasst einem eine ganz große Spritze alldessen, was an Disney so toll ist:

Charaktere: Da ist Tiana, die sich mit harter Arbeit den großen Wunsch vom eigenen Restaurant erfüllen möchte, den sie stets gemeinsam mit ihrem Vater träumte, bevor dieser dem Krieg zum Opfer fiel. Da ist der Ukulele-spielende Prinz Naveen, der verwöhnte, adelige Schnösel, für den das ganze Leben eine einzige große Party ist und der sich auf der Suche nach einer reichen Frau befindet, weil seine Eltern ihm den Geldhahn abgedreht haben. Da ist der trompetende Alligator Louis, der von einer Karriere als Jazzmusiker träumt. Da ist Kajun-Glühwürmchen Ray, der sich unsterblich in den Abendstern Evangeline verliebt hat. Und da ist Dr. Facilier, der einen Pakt mit Wesen im Schattenreich eingegangen ist und gutgläubige Menschen mit Vooddo-Tricks abzieht. Disney-Figuren sind nun nicht gerade dafür bekannt, besonders facettenreich zu sein, aber das brauchen sie auch gar nicht, wenn sie mit so viel Liebe gestaltet sind.

Tiana hat als erste schwarze Disney-Prinzessin in den USA für etwas Aufregung gesorgt, doch was man kann man an einer solch taffen und selbstständigen Frau, die unabhängig ist und hart für die eigenen Ziele arbeitet denn schon groß kritisieren? Sowohl als Schwarze, aber auch als Frau ist sie eine absolute Identifikationsfigur.

Mir besonders gefallen hat als Figur Alligator Louis, der natürlich in der Tradition von Balu und Pumba steht - ein absoluter Sympathieträger. Und, mal ehrlich, wie könnte man einen großen, dicken, etwas tollpatschigen, Trompete-spielenden Alligator nicht mögen?

Geschichte: Märchen hat man bei Disney ja immer schon gerne adaptiert. Diesmal war "Der Froschkönig" an der Reihe, jedoch läuft in diesem Fall beim Küssen des Frosches und der dann folgenden Verwandlung etwas ganz gehörig schief... viel mehr möchte ich hier dann auch nicht vorwegnehmen.

Musik: Disney-Filme sind für ihre Musical-Einlagen bekannt. Selten ergab das so viel Sinn, wie bei einem Film, der in New Orleans, der Heimatstadt des Jazz spielt. Randy Newman hat als Komponist einmal mehr erstklassige Arbeit geleistet. Die Songs haben einen mitreißenden Rhythmus, der direkt ins Blut geht. Aber auch ruhigere Töne werden z.B. bei "Evangeline" angeschlagen. In einigen YouTube-Kommentaren beschweren sich User über die deutsche Fassung der Songs. Mir persönlich gefallen auch diese und ich finde, dass Cassandra Steen und Roger Cicero als Tiana und Naveen absolut überzeugen. Und auch Bill Ramsey als Alligator Louis ist großartig.

Handgezeichnete Animation: Nach finanziellen Misserfolgen wie Atlantis oder Bärenbrüder (die ich im Übrigen beide sehr gerne mag) hatte man bei Disney eigentlich verkündet, dass man keine traditionell gezeichneten Animationsfilme mehr produzieren würde, da sich der Geschmack des Publikums inzwischen zu sehr geändert hätte. Diese Entscheidung wurde dann jedoch revidiert als Edwin Catmull Präsident von Disney wurde.

Ich konnte es kaum glauben, als ich das las: Disney hatte wirklich für ein paar Jahre die Sparte des traditionellen Zeichentricks gestrichen und die entsprechenden Mitarbeiter gefeuert - die Firma, die ihren heutigen Status auf dem Erfolg von Walt Disneys handgezeichneten Figuren gründet.

Offensichtlich trug jedoch der Erfolg von Pixar, der hauptsächlich in sympathischen Figuren und großartigen Geschichten begründet liegt, dazu bei, dass man sich bei Disney wieder auf die guten alten Wurzeln zurückbesonnen hat. Die meisten der neueren Zeichentrickfilme waren ja nicht schlecht, weil sie Zeichentrickfilme waren, sondern einfach weil sie keine guten Filme waren. Man hat sich dann hingesetzt und mit Küss den Frosch nun doch wieder einen guten Disney-Zeichentrickfilm entwickelt.

Und es tut so unglaublich gut, endlich wieder einen handgezeichneten Disney-Film zu sehen. Zu sehr hat man sich von CGI-Effekten verlocken lassen, was zu Schund wie Der Schatzplanet führte. Dabei braucht es das gar nicht. Kein CGI-Rotz, kein 3D-Gimmick-Gedöhns, nur damit die Kinokarten teurer verhökert werden können. Nein, einfach nur handgezeichnete Animation, bei der man Liebe und Talent gleichermaßen spürt. Das im Verbund mit gelungenen Charakteren, einem genialen Soundtrack und einer tollen Story - das ist der Geist von Disney, wie man ihn gekannt und vermisst hat.

Und, siehe da: Erfolg! An der Kinokasse klingelte es reichlich, Kritiker waren aus dem Häuschen und als Sahnehäubchen gab es sogar ein paar Oscar-Nominierungen. Und bei Disney hat man sich nach dem Erfolg dazu entschieden, nun doch auch weiterhin wieder tradtionelle Zeichentrickfilme zu machen. Und wenn die weiterhin so gut sind, wie Küss den Frosch, werden auch diese erfolgreich sein.

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Dienstag, 3. August 2010
GlotzGedanken: Warum Coraline "unheimlich" ist
Am 03. August 2010 im Topic 'GlotzGedanken'


Coraline hatte mich schon bei der diesjährigen Oscar-Verleihung fasziniert, denn dort gehörte er mit zu den Filmen, die in der Kategorie "Bester animierter Film" auf den wichtigsten Preis der Filmbranche hofften. Der Oscar ging zwar an Pixars "Oben" - und das auch ziemlich verdient, doch auch Coraline ist ein wirklich guter Film, dem die Auszeichnung ebenfalls ganz gut gestanden hätte.

Nachdem ich den Film jetzt endlich gesehen habe, bin ich total begeistert von ihm, da er viel Raum für psychoanalytische Interpretationsweisen offen lässt und einen angehenden Literaturwissenschaftler wie mich fast schon dazu herausfordert, ihn entsprechend zu analysieren. Ich werde hier Coraline mithilfe von Siegmund Freuds Essay Das Unheimliche (1919) ein wenig tiefer in den Film einsteigen.

ZUnächst zum Begriff des "Unheimlichen". Freud schreibt dazu: Das deutsche Wort »unheimlich« ist offenbar der Gegensatz zu heimlich, heimisch, vertraut, und der Schluß liegt nahe, es sei etwas eben darum schreckhaft, weil es nicht bekannt und vertraut ist. (Das Unheimliche) "Unheimlich" können uns also nur Dinge werden, die uns vertraut sind. Genau deshalb können z.B. ein Kinderzimmer, ein Karussell oder die Melodie einer Spieluhr gruselig erscheinen, weil all dies Dinge sind, die uns an eine vertraute Phase unseres Lebens, die Kindheit erinnern: Sie sah sich im Zimmer um. Es war ihr so vertraut - das war ja gerade das Seltsame daram. Alle war haargenau so, wie sie es in Erinnerung hatte. (Coraline, 78) Eine Schlussfolgerung Freuds lautet entsprechend, daß das Unheimliche das Heimliche-Heimische ist (Das Unheimliche). Als Ergänzung zu Freud sei außerdem auch noch Horrorautor- und theoretiker Stephen King zitiert: der gute Horrorfilm [...] bewirkt vor allem eines, er kickt uns die Krücken des Erwachsenseins fort und lässt uns die Rutschbahn zurück in die Kindheit hinabschlittern. Und dort kann unser eigener Schatten wieder zu dem eines bösen Hundes werden, einem klaffenden Maul oder einer lockenden, dunklen Gestalt (Danse Macabre). Auch Stephen King ist sich bewusst darüber, dass effektiver Horror nur dann funktioniert, wenn er kindlische, sprich: heimische Ängste, in uns weg, wodurch wir ein unheimliches Gefühl bekommen.

Coraline Jones, die namensgebende Hauptfigur zieht mit ihren Eltern, die beide Schriftsteller sind und zu Hause arbeiten, in eine der drei Wohnungen des sogenannten rosa Palastes, einem 150 Jahre alten riesigen (Herren-)Haus. In den beiden anderen Wohnungen leben zwei abgehalfterte Theaterschauspielerinnen, die mich mit ihren (lebendigen und ausgestopften) Hunden irgendwie an die Jacob Sisters erinnert haben, sowie ein ehemaliger Zirkusartist, der mit halsbrecherischen Stunts umherwirbelt und einen imaginären Mäusezirkus trainiert. In der Nähe lebt auch der nerdige Wybie, der eine "wilde" schwarze Katze als Haustier hält. Er gibt Coraline später eine Puppe, die exakt wie ein Double des Mädchens aussieht.

Das Doppelgängertum und die dadurch entstehende Ich-Verdopplung, Ich-Teilung, Ich-Vertauschung (Das Unheimliche) sind eine sichere Quelle des Gruseligen, so auch bei Coraline. Woher sollte Wybies Oma die angeblich uralte Puppe haben, deren Entstehungs- und Recyclingsprozess der Zuschauer im Vorspann des Filmes beobachten konnte? Eine gewisse Irritation stellt sich ein.

Über Puppen schreibt Freud in Das Unheimliche Einiges. Unheimlich seien dabei vor allem die »Zweifel an der Beseelung eines anscheinend lebendigen Wesens und umgekehrt darüber, ob ein lebloser Gegenstand nicht etwa beseelt sei« [...] [. Dies beruhe] auf de[m] Eindruck von Wachsfiguren, kunstvollen Puppen und Automaten. (Das Unheimliche) Dass es ausgerechnet von Coraline eine Zwillingspuppe gibt und nicht z.B. von ihren Eltern liegt an der Nähe von Puppe und Kind: Natürlich sind wir aber gerade mit den Puppen vom Kindlichen nicht weit entfernt (Das Unheimliche), schreibt Freud richtiger Weise. Freud zeigt, dass er in diesem Zusammenhang sehr viel von der kindlichen Psyche versteht: bei der lebenden Puppe ist von Angst keine Rede, das Kind hat sich vor dem Beleben seiner Puppen nicht gefürchtet, vielleicht es sogar gewünscht. Die Quelle des unheimlichen Gefühls wäre also hier nicht eine Kinderangst, sondern ein Kinderwunsch oder auch nur ein Kinderglaube (Das Unheimliche). Für Coraline ist die Puppe zunächst nichts Unheimliches, sondern ein durchaus willkommener Spielgefährte. Beim Durchstreifen des Hauses zeigt sich dies deutlich: Coraline reibt in ein verstaubtes Fenster zwei Gucklöcher, eines für sich, eines für die Puppe, die dadurch eine gewisse Belebung erfährt.

Bei der Durch- und Untersuchung des Hauses, entdeckt Coraline im Wohnzimmer hinter der Tapete eine kleine Tür, die sich mit einem Schlüssel in Form eines Knopfes öffnen lässt. Allerdings stellt sich die Tür, zu Coralines Enttäuschung, als zugemauert heraus. Nachts jedoch öffnet sich diese Tür auf geheimnisvolle Weise und eine kleine Schar von Springmäusen führt Coraline durch einen blau-violett schimmernden Tunnel in ein Haus, dass wie eine gespiegelte Version des rosa Palastes erscheint. Die Parallelen zu Lewis Carolls Alice im Wunderland und sind offensichtlich. Fungiert bei Caroll der weiße Märzhase als Bote zwischen unserer Welt und einer fantastischen "anderen" Welt, so sind es bei Henry Selicks Coraline die vier Springmäuse.

Freud schreibt in seinem Essay auch über den Zusammenhang von "geheim" und "unheimlich". Dass "Heimliche", das Verborgene kommt aus seinem Versteck hervor und wird im Wortsinn "un-heimlich". Für Freud ist deshalb am interessantesten, daß das Wörtchen heimlich unter den mehrfachen Nuancen seiner Bedeutung auch eine zeigt, in der es mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt. Das Heimliche wird dann zum Unheimlichen [...] Wir werden überhaupt daran gemahnt, daß dies Wort heimlich nicht eindeutig ist, sondern zwei Vorstellungskreisen zugehört, die, ohne gegensätzlich zu sein, einander doch recht fremd sind, dem des Vertrauten, Behaglichen und dem des Versteckten, Verborgengehaltenen. (Das Unheimliche) Wenn das "Heimische" etwas "Heimliches" verbirgt und dieses dann zum Vorschein kommt, wird es "Unheimlich", da dadurch auch ein großes Stück an Sicherheit verlorengeht. Wenn das "Heimische" "unheimlich" wird, verliert es seinen Zufluchtscharakter und kann keinen Schutz mehr bieten. Genau deshalb ist Horror so effektiv, wenn er sich in vertrauten Umgebungen abspielt - er konfrontiert uns mit der Angst, unseren Zufluchtsort zu verlieren und damit ungeschützt wem oder was auch immer ausgeliefert zu sein.

In diesem "anderen" Haus gibt es auch eine "andere" Mutter, die sich, im Gegensatz zur echten Mutter, wirklich für Coraline interessiert und ihr ein leckeres Festmahl zubereitet. Und auch der "andere" Vater, ein Musiker, der von seinem Klavier gespielt wird, zeigt wirkliches Interesse an Coraline. Coraline bekommt ihren Lieblingsmilchshake, kann mit ihren Freunden sprechen, hat lebendige Spielzeuge. Die Welt hinter dem Tunnel, der analog zu Alice' Kaninchenbau ist, scheint perfekt zu sein.

Freud mahnt jedoch zur Vorsicht vor allzu großer Perfektion: Im ›Ring des Polykrates‹ wendet sich der Gast mit Grausen, weil er merkt, daß jeder Wunsch des Freundes sofort in Erfüllung geht, jede seiner Sorgen vom Schicksal unverzüglich aufgehoben wird. (Das Unheimliche) Recht schnell zeigt sich, dass Freud mit seiner Warnung recht hat, denn eine Kleinigkeit irritiert Coraline und den Zuschauer dann eben doch. Statt Augen tragen die "anderen" Menschen schwarze Knöpfe als Augen. Coraline schläft zufrieden in ihrem "anderen" Bett ein, erwacht jedoch in der normalen Welt.

Sie lernt dann auch ihre NachbarInnen Mr. Bobinsky, dessen imaginären Mäuse sie vor der "kleinen Tür" warnen, sowie Miss Spink und Miss Forcible, die in ihren Teeblättern eine große Gefahr vorhersehen, kennen. Die beiden ehemaligen Schauspielerinnen erinnern an die beiden Schwestern Heather und Wendy aus Nicolas Roegs großartigem Film Wenn die Gondeln Trauer tragen/Don't Look Now. Dort ist eine der Schwestern blind, hat jedoch das zweite Gesicht und dementsprechend hellseherische Fähigkeiten. Auch die beiden Schauspielerinnen werfen sich gegenseitig Blindheit vor. Der "blinde Seher" ist ein sehr alter und häufig wiederkehrender literarischer Topos, schon in mehreren Episoden der griechischen Mythologie taucht der blinde Seher Teiresias auf. Der Zuschauer, dem der Tasseninhalt gezeigt wird, kann erkennen, dass die Teeblätter eine Klauenhand formen, ein offensichtlich gefährliches Symbol. Genau wie der Protagonist John Baxter in Don't Look Now ignoriert jedoch auch Coraline alle Warnungen, sie stapft bezeichnender Weise durch Nebel, der alles verhüllt, genau wie Coraline in ihrer selektiven Wahrnehmung die Verhängnis-verheißenden Omen ausblendet. Sie begibt sich wieder in die andere Welt jenseits der kleinen Tür und hat dort weitere wunderbare Erlebnisse.

Ihre "andere" Mutter erzählt Coraline, dass sie für immer in der wunderbaren Spiegelwelt bleiben könnte, es gibt nur einen winzigen Haken. Sie müsste sich Knöpfe in/über ihre Augen nähen lassen - dies lehnt Coraline jedoch dankend ab. Hier merkt Freud an, dass es eine schreckliche Kinderangst ist, die Augen zu beschädigen oder zu verlieren. Vielen Erwachsenen ist diese Ängstlichkeit verblieben, und sie fürchten keine andere Organverletzung so sehr wie die des Auges. Ist man doch auch gewohnt zu sagen, daß man etwas behüten werde wie seinen Augapfel. Das Studium der Träume, der Phantasien und Mythen hat uns dann gelehrt, daß die Angst um die Augen, die Angst zu erblinden, häufig genug ein Ersatz für die Kastrationsangst ist. (Das Unheimliche)

In der englischsprachigen Literatur tauchen "eye" und "I" häufig in engem Zusammenhang auf, was sich schon durch dadurch ergibt, dass sie aus phonetischer Sicht identisch sind: beide werden /aɪ/ ausgesprochen. In den Detektivgeschichten der hardboiled fiction (und dem daraus entstandenen Filmgenre des Film noir) ist der Privatdetektiv als "private eye" häufig auch ein auf sich gestelltes "private I". In Edgar Allan Poes Kurzgeschichte The Telltale Heart/Das verräterische Herz stellt sich dem Leser recht schnell die Frage, ob das "eye" oder das "I" der Grund für den Wahnsinn des Protagonisten darstellt. Dies nur um zwei Beispiele zu nennen.

Mit dem Verlust der Augen ("eye") geht somit also auch der Verlust der Identität ("I") einher. Darüber hinaus stellen die Augen auch den Spiegel der Seele dar, die man verliert, wenn man seine Augen durch Knöpfe austauscht. Dieses Schicksal ist bereits drei weiteren Kindern widerfahren, die Coraline trifft, als sie von der "anderen" Mutter in einen Raum hinter einem Spiegel eingesperrt wird - auch hier grüßt Alice, die sich in ihrem zweiten Erzählband hinter den Spiegeln bewegt und dort Abenteuer erlebt.

Als eine weitere Parallele zu Alice trifft Coraline in der Welt hinter der Tür auf Wybies schwarzen Kater, ein wundervoller Zyniker, der sich frei zwischen den beiden Welten bewegen und in der "anderen" Welt auch sprechen kann. Lewis Carolls Cheshire Cat/Grinsekatze mag hier durchaus Pate gestanden haben. Gemeinsam mit ihm läuft sie vom "anderen" Haus weg, findet sich zunächst in einem weißen Nichts, dann jedoch wieder an ihrem Ausgangspunkt wieder. Sowohl Coraline als auch der Zuschauer sind irritiert: Wie kann das funktionieren?

Freud schreibt zwar, das Moment der Wiederholung des Gleichartigen [werde] als Quelle des unheimlichen Gefühls vielleicht nicht bei jedermann Anerkennung finden (Das Unheimliche), in diesem Fall dürfte es jedoch unstrittig sein. Die Szene ist ähnlich unheimlich, wie wenn man sich, vom Nebel überrascht, verirrt hat und nun trotz aller Bemühungen, einen markierten oder bekannten Weg zu finden, wiederholt zu der einen, durch eine bestimmte Formation gekennzeichneten Stelle zurückkommt (Das Unheimliche) Exakt dies widerfährt Coraline.

In der normalen Welt bekommt Coraline von den beiden Schauspielerinnen einen Stein mit einem Loch in der Mitte, der "gut gegen Böses [und] Verlorenes" ist und mit dem sie in der "anderen" Welt die Wahrheit sehen kann. Ein ähnlicher Stein taucht auch in Die Geheimnisse der Spiderwicks/The Spiderwick Chronicles auf, dort ermöglicht er den Menschen, die verschiedenen magischen Wesen, die um das Haus herum leben und normaler Weise unsichtbar sind, zu sehen. Eine ähnliche Funktion hat er auch in Coraline. Merkwürdiger Weise haben die beiden Schauspielerinnen eine Kiste mit drei Bonbongläsern (beschriftet mit "1921", "1936" und "1960" - was durchaus die Verschwindedaten der drei anderen Kinder sein mögen), in der sich genau der von Coraline benötigte Stein befindet. Man fragt sich spätestens jetzt, ob die beiden (genau wie Mr. Bobinsky und in geringerem Ausmaß auch Wybie) nicht doch mehr wissen, als sie zuzugeben bereit sind.

Als sich allmählich das wahre Gesicht der "anderen" Mutter, die alte Vettel immer deutlicher zeigt, umgibt sie sich mit einer Vielzahl von Käfern. Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung, in der sich der Protagonist Gregor Samsa in einen Käfer verwandelt und somit ebenfalls seiner Identität beraubt vorfindet, kommt einem in den Sinn. Im englischen Original wird die "andere" Mutter auch als beldam bezeichnet, im Deutschen ist es die Vettel. Beides sind archaische Begriffe für eine alte Frau oder, und in diesem Fall auch wesentlich interessanter und aufschlussreicher, eine Hexe. Da der Film durchaus auch in der Märchentradition zu sehen ist, passt die Wahl dieses archaischen Begriffes, sowohl im Englischen wie auch im Deutschen, sehr gut.

Über das Wort beldam ergibt sich darüber hinaus auch ein möglicher Querverweis auf John Keats' Gedicht La belle Dame Sans Merci.

Coraline lässt sich schlussendlich auf ein Spiel mit der "anderen" Mutter ein und schafft es, die Seelen der Kinder sowie ihre gefangenen Eltern zu befreien. Daraufhin verwandelt sich die "andere" Mutter (ähnlich wie in Stephen Kings Es) in eine Spinne, die "andere" Welt zieht sich zu einem Spinnennetz zusammen. Die Insektennatur der "anderen" Mutter ist nun offensichlich. Der Kater kratzt der Mutter ihre Knopfaugen aus, die nun geblendet (kastriert?) Coraline verfolgt. Coraline schafft es, zu fliehen, doch bleibt eine Hand der "anderen" Mutter im Tunnel zurück. Auch hier findet man bei Freud warnende Worte: Abgetrennte Glieder, [...] eine vom Arm gelöste Hand [...], haben etwas ungemein Unheimliches an sich, besonders wenn ihnen [...] noch eine selbständige Tätigkeit zugestanden wird. (Das Unheimliche) Recht schnell zeigt sich, dass der Psychoanalytiker erneut Recht behalten soll.

Nachts erscheinen Coraline die befreiten Seelen der drei Kinder (vor einem wundervollen von Van Gogh inspirierten Nachthimmel) und warnen sie, dass der Schlüssel immer noch eine Verbindung zum "anderen" Haus schaffen kann. Coraline beschließt, den Schlüssel in einen uralten und sehr tiefen Brunnen zu werfen, was ihr nach einem letzten Gefecht mit der abgetrennten Hand der "anderen" Mutter auch gelingt. Mit einer fröhlichen Gartenparty, zu der auch Wybies Großmutter stößt, endet der Film.

Coraline ist ein wirklich guter Horrorfilm, gerade für Kinder. Es scheint in Teilen, als hätte Freuds Das Unheimliche bei der Produktion neben den PCs gelegen, was genau zu dem unheimlichen Gefühl führt und das gesamte Filmerlebnis so gruselig macht.

Quellen und Weiterführendes:

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Sonntag, 25. Juli 2010
GlotzGedanken: Was Scott McCloud mit Hornbach zu tun hat
Am 25. Juli 2010 im Topic 'GlotzGedanken'


Die aktuelle Hornbach-Werbung sorgte schon vor ihrer Erstausstrahlung im Fernsehen für jede Menge Wirbel. Tierschutzverbände überschlugen sich geradezu mit Vorwürfen der Tierquälerei. So etwas dürfe man nicht ausstrahlen, etc. Gebracht haben die Proteste wenig bis gar nichts, gesendet wird der Spot tagtäglich in so ziemlich allen Werbeblöcken.

Doch warum eigentlich die ganze Aufregung? Man sieht in dem Werbespot zwei fleißige Handwerker, die gerade Bretter auf einer neuen Terasse/Veranda anbringen. Sie befestigen diese Bretter mit Schrauben.

Plötzlich jedoch wird das Tütchen mit den letzten Schrauben von einer Kuh verspeist. Die beiden Handwerker reagieren jedoch mit einer Mischung aus Überraschung und Schock - schließlich können ihre Hände ihr Werk ohne diese Schrauben nicht vollenden.

Was tun? Warten , bis die Kuh das unverdaute Schraubentütchen wieder freigibt? Wer in Biologie aufgepasst hat, weiß, dass Kühe im Inneren ihres Leibes mehrere Mägen besitzen - vier Stück, um genau zu sein. Der natürliche Weg würde den beiden Burschen, die in Gedanken mit Sicherheit schon das erste kühle Feierabendbier durch die staubige und ausgedörrte Kehle fließen ließen, dann vermutlich aber doch zu lange dauern. Ob Auftragsarbeit oder eigenes Bauherrenprojekt - eine solche stundenlange Unterbrechung ist für die beiden vollkommen inakzeptabel.

Was passiert? Der Blick der beiden (und durch eine entsprechende Kamerabewegung auch der der Zuschauer) fällt auf eine Kettensäge, mit der sie zuvor vermutlich die Terassenbretter auf Maß zugeschnitten hatten.

Dann blendet die Kamera über zu einer "Landschaftsaufnahme" des Hauses, an dem sich die Verande befindet und man hört das unverkrennbare Geräusch einer (Kreis-)Säge. Anschließend wird wieder zu den beiden Handwerkern übergeblendet, die gerade die letzte Schraube im letzten Terassenbrett versenken. Von der Kuh mit ihren seltsamen Essgelüsten ist nichts mehr zu sehen. Es ertönt das Hornbach-typische Yippie-Yah und der Spruch "Es gibt immer was zu tun" wird angezeigt.

Was ist passiert? Man weiß es nicht, da man es nicht gesehen hat. Der Zuschauer interpretiert aufgrund verschiedener Signale (Kameraschwenk auf die Säge, Sägengeräusch aus dem Off) die Handlung jedoch so, dass die beiden Handwerker mit ihren Händen ein recht blutiges Werk verrichtet und die Kuh zersägt haben, um wieder an das Plastiktütchen mit den Schrauben zu gelangen.

Ob dies jedoch wirklich passiert ist, erfährt man nicht, da die Werbung an der entscheidenden Stelle ausblendet und eine Leerstelle lässt, die dann vom Zuschauer gefüllt wird. Comicautor- und theoretiker Scott McCloud bezeichnet dieses Verfahren, mittels dessen der Leser eines Comics den leeren Raum zwischen zwei Bildern/panels eines Comics, den sogenannten "gutter" oder "Rinnstein", mit Sinn füllt und so den erzählerischen Zusammenhang zwischen den Bildern herstellt, in seinem Buch Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst als Induktion. An folgendem Beispiel erklärt er seine These:



Quelle: McCloud, Scott. Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst. Hamburg: Carlsen-Verlag, 2001. S. 74.

McCloud hat das Verbrechen, den Mord, nicht gezeigt - nur angedeutet. Den Mord an sich hat der Leser mittels Induktion im gutter zwischen den beiden panels ausgeführt. Der Leser selbst hat zwischen den panels die erhobene Induktionsaxt in das Fleisch des Opfers sinken lassen.

Genau des gleichen Prinzips bedient sich auch die Hornbach-Werbung. Die Säge und das Geräusch werden gezeigt. Der Rest ist eine Leerstelle - statt der Landschaftsaufnahme, die letztendlich nichts anderes als ein filmtechnischer gutter ist, könnte auch ein schwarzes oder weißes Bild gezeigt werden, Effekt und grundlegendes Prinzip blieben weiterhin gleich.

Mit der Idee der Induktion im Hinterkopf erscheint die Kritik der Tierschutzverbände noch pathetischer als sie es ohnehin schon ist, denn schließlich wird nichts Tierquälerisches gezeigt. Der Moment, in dem womöglich eine Kuh getötet wird, da sie zwei Handwerkern bei der Erreichung ihres Zieles im Weg steht, erzeugt der Zuschauer per Induktion selbst.

Ob die Kuh jetzt wirklich portionsgerecht zerlegt wurde oder ob die beiden Arbeiter doch noch genügend Schrauben hatten und mit der Kettensäge lediglich ein weiteres Brett zurechtgesägt haben, lässt der Werbespot mit der Landschaftsüberblendung völlig offen. Und eine fiktive Kuh mit Hilfe von Induktion zu töten, ist keine Tierquälerei im Gegensatz zu Legebatterien und Stopfleberzüchtung.

Jedenfalls, Tierquälerei hin oder her, ist Induktion ein sehr interessantes Phänomen, dass uns auch im Alltag hilft, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Dingen herzustellen. In Comics ist es geradezu gattungskonstituierend und im Film, wozu auch Werbespots gehören, taucht es manchmal eben auch auf.

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